Mennonite Library and Archives

Schönsee-Kulmer Niederung Mennonite church record books

Scanned from microfilms at the MLA. Will add more descriptive detail later.

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Schönsee entry in Global Anabaptist-Mennonite Encyclopedia Online

For German article from Mennonitisches Lexikon see below.

Scans of the original books now at Weierhof used to be available on the web but have been removed. See Abschriften der Preussisch-Mennonitische-Kirchenbücher.

A Schönsee book at Weierhof that apparently hasn't been microfilmed: QU SC 1.2, 1910 Mitgliederverzeichnis, Gemeindechronik


From MLA microfilm MF CHR 30; baptisms 1862-1944

QU SE 1.1 at Weierhof. Comparison with the scans from the original book that were available earlier indicate that these don't seem to match up completely. There are some pages on the microfilm that don't seem to be in the original, and many pages in the original that aren't on the microfilm.

Hendrik Donner diary (original at Gdansk archives, APG 836 Nr. 1 (old ID Abt. 358 Nr. 861) (see also MLA electronic records acc. 441)


Schönsee article from Mennonitisches Lexikon, vol. 4, pp. 88-91, by Adalbert Goertz, written ca. 1965

Schönsee-Kulmer Niederung, westpreußische Landschaft an der Weichsel (s. auch Art. Culm). Verglichen mit den anderen Siedlungen der Mennoniten in Westpreußen erfolgte ihre Ansiedlung hier verhältnismäßig früh. Am 22. Aug. 1553 gewährte König Sigismund August den Mennoniten das Recht der Niederlassung. Wahrscheinlich haben sie sich im Dorf Schönsee (Sosnowka) zuerst niedergelassen. Der erste Pachtvertrag ist zwar nicht überliefert; den zweiten schloß der Rat von Kulm am 26. Sept. 1595 mit den Holländern Joachim Michels, Petter Vogt, Junge Cornels, Alte Cornelius, Arend Jantsche, Frantz Lussenburgk, Johann von Lauben, Greger Vogtt, Baltzer Mathisen auf 30 Jahre ab. Zu verzinsen waren 17 Hufen (1 Hufe = ca. 16,5 ha.), 10 Morgen, 167 Ruten. Der folgende überlieferte Vertrag wurde am 1. Mai 1670 abgeschlossen. Für 7000 polnische Gulden Gottespfennig und einen jährlichen Zins von 650 Gulden wird Peter Steffen und Hans Meister als Vertretern der Nachbarschaft das Dorf Schönsee auf weitere 30 Jahre überlassen. Wie bisher dürfen vier Handwerker (ein Leineweber, ein Böttcher, ein Grobschmied und ein holländischer Schuster) ihren Beruf ausüben.

Zum ersten Male finden wir den Ansiedlern das Recht verbrieft, eine deutsche Schule zu halten. 1700 kaufen sich der Schulze Michael Meister, die Ratmannen Georg Buller und Georg Boltz, die Nachbarn Ferdinand Hube, David Fot, Andreas Decker und Peter Siewert auf 15 Hufen für 40 Jahre neu ein. Auch der letzte in die friderizianische Zeit reichende Pachtvertrag, der 1739 durch den Schulzen Hans Fot, die Ratmannen Jakob Eckert und Peter Nickel, die Nachbarn Georg Bremer und Tyman Bolt abgeschlossen wurde, galt für 40 Jahre (1740-1780). Bei der preußischen Besitzvergreifung waren bis auf einen Lutheraner sämtliche Nachbarn Mennoniten. 1936 kamen in Schönsee die Namen Bartel, Blenkle, Franz, Kliewer, Knels, Penner und Rosenfeld vor.

Wie Schönsee wurde auch das Nachbardorf Jamerau schon im 16. Jh. von Mennoniten besiedelt. Das erste erhaltene Pachtabkommen von 1626 stellt die Erneuerung des Vertrages von 1597 dar, der wahrscheinlich die Besiedlung einleitete. Der vom 26. Juni 1626 datierte Vertrag wurde durch den Schulzen Joachim Rathe, seinen Compan Joachim Leskau und die Nachbarn Hans Fot, Steffen Baltzer, Michel Decker, Hans Zimmermann und Ertmann Stube auf 30 Jahre (1627-57) geschlossen. Die Pachtverträge waren von 1627 an lückenlos überliefert und wiesen während der ganzen Polenzeit vorwiegend mennonitische Namen auf. Mennoniten bildeten auch im 18. Jh. die Mehrheit der Einsassen. 1936 kamen in Jamerau (Brankowka) die Namen Bartel, Kerber, Knels und Wichert vor. (Bei Wiebe S. 82 befindet sich eine Liste der Einsassen der Jahre 1750 und 1772.)

Allein bei Gr. Lunau kann das genaue Jahr der Niederlassung der Mennoniten angegeben werden; am 6. Nov. 1603 gab der Bischof Laurentius Gembicki der Stadt Kulm die Genehmigung, Lunau für 30 Jahre an Holländer zu verpachten unter der Bedingung, daß diese keine unkatholischen Lehren öffentlich verbreiteten und keine fremden Gotteshäuser errichteten. Die Ansetzungsurkunde vom 19. März 1604 nennt die "Ehrbaren und Vorsichtigen Tewes Gertschen, Eberhardt Hermans, Hans Thiere und Hans Geyker". 1664 wurde den Einsassen von Gr. Lunau bei der Erneuerung des abgelaufenen Vertrages gestattet, eine Schule zu bauen und einen deutschen Schulmeister zu halten. In allen Pachtverträgen über Gr. Lunau sind überwiegend mennonitische Namen. Unter 21 Emphyteuten befinden sich 1773 16 Mennoniten. 1936 trifft man in Gr. Lunau (Wielki Lunawy) die Namen Bartel, Goertz und Goerz an.

In den drei Kämmerdörfern Schönsee, Jamerau und Gr. Lunau sind somit die ersten Mennoniten der Kulmer Stadtniederung zu finden. Die meisten Namen der einzelnen Pachtverträge fanden sich auch in den Kirchenbüchern von Montau und Schönsee. Das Gotteshaus der Gemeinde Schönsee stammt aus dem Anfang des 17. Jhs. Von Gr. Lunau nahm auch die um 1725 gegründete Feuerversicherung ihren Ausgang. Damals gehörten folgende Orte zur Lunauer Feuer- und Brandordnung: Gr. Lunau, Schönsee, Brankau (Jamerau), Horst, Schöneich, Roßgarten und Dorposch; 1727 noch Kl. Lunau, 1730 Gogolin, 1739 Steinwage, seit 1750 noch Podwitz, Kolenken, Nieder- und Oberausmaß. In diesem Jahre wurden Gr. Lunau durch Jacob Bartel, Schönsee durch Isaac Wilhelm, Jamerau durch Peter Sievert, Horst durch Sievert Tiahrt, Roßgarten durch Martin Weirgraf und Dorposch durch Dirk Wichert als ihre Dorfschulzen vertreten.


Map from Mennonitisches Lexikon article

Schwer zu leiden hatten die Bauern der Niederung durch die Hochwasser der Weichsel, die das Land durch Versanden teilweise völlig unbrauchbar machte.

Der zwischen Jamerau und Lunau gelegene Ort Horst, 3 Hufen umfassend, wies 1739 die Nachbarn Sievert Tiahrt und Abraham Becker auf. 1772 heißen die Nachbarn Johann Vot, Andreas Kneth und Johann Wichert; ferner wohnen dort die Leineweber Johann Becker und Goert Eckert und der Schneider Andreas Vot.

Im katholischen Schöneich waren die Mennoniten in der Minderheit; ähnlich lagen die Verhältnisse in Grenz und Podwitz. 1936 kamen in Podwitz (Podwiesk) die mennonitischen Namen Balzer, Foth, Nickel und Wichert vor. In Roßgarten (Rosgarty) ist ein Thomas Nickel 1653 Vertreter der Nachbarschaft, 1750 tragen von 8 Einsassen drei mennonitische Namen. 1936 lebten dort die Familien Bartel und Tiahrt. In Dorposch kauften sich 1696 Mennoniten ein (Schulze Jacob Eckern, Ratmannen Tobias Schellenberg und Simon Lindgern). Das 1773 erneuerte Abkommen enthält wieder mennonitische Namen. 1936 wohnten in Schöneich (Szynych) die Mennonitenfamilien H. Bartel, B. Knels und W. Penner.

In den Elokationsländereien findet man Mennoniten in den Bürgerdörfern Kl. Lunau, Venedia und Niederausmaß. In Kl. Lunau sind 1727 etwa die Hälfte der Nachbarn mennonitisch, 50 Jahre später zählen sie bereits 11 von 17 Einsassen. 1936 kommen in Kl. Lunau (Maly Lunawy) die Namen E. Buller und A. Schroeder vor. Das an Kl. Lunau grenzende Venedia (2 Hufen 1 Morgen) wird von 4 Mennoniten bewohnt. In Niederausmaß gehört 1750 etwa ein Drittel der Nachbarn zu ihnen, zur preußischen Zeit sind von 20 Hofbesitzern 13 Mennoniten. 1936 kommen in Niederausmaß (Dolne-Wymiary) die Namen Dirks, Franz, Kliewer, Plennert und Stobbe vor. In Oberausmaß sind 1772 unter 36 Einsassen nur 4 Mennoniten. In der Minderheit sind sie ferner in den Döfern der Kulmer Stadtschule Gogolin und Steinwage, in die sie wohl erst im Laufe des 18. Jhs. eingezogen sind. 1936 kommen in Gogolin die Namen Penner und Glienke, in Steinwage der Name Franz vor.

Gegen Ende der polnischen Zeit war somit ein zusammenhängender mennonitischer Siedlungsbereich entstanden, der sich über die Dorffluren von Schönsee, Jamerau, Gr. Gunau [sic], Horst, Dorposch, Kl. Lunau, Venedia und Niederausmaß erstreckte.

An Mennonitengemeinden gab es in Schönsee eine größere der friesischen und eine kleinere der altflämischen Richtung. Das Gotteshaus der friesischen Gemeinde hieß "Die große Schule" und wurde 1618 erbaut. Das Bethaus der altflämischen (Groninger) Gemeinde hieß "Die kleine Schule". 1719 zählte die flämische Gemeinde 48 getaufte Glieder und war vermutlich Teil der Gemeinde Przechowka (s. d.) und Konopath auf dem Westufer der Weichsel und Posterwolt auf dem Ostufer. Erst 1760 wurde Schönsee unabhänig und wählte Laurens Sperling zu ihrem Ältesten.

Häufig kamen niederländische Glaubensbrüder zu Besuch. So 1676 Jan Siebes (Seebes), Gerrit Roose und Stievesand. Um 1700 kam Alle Derks (s. d.) auf seiner Reise zu den alten Flamingern in Preußen auch nach Schönsee; 1719 und 1733 besuchte der Älteste Hendrik Berents (Hulshoff, s. d.) Schönsee und schrieb einen ausführlichen Bericht über seine Eindrücke. 1727 ließen sich einige Mennoniten der friesischen Gemeinde (Waterländer) nach ihrer Ausweisung aus Ostpreußen bei Schönsee nieder. Unter ihnen waren die Prediger Heinrich Nickel und Gabriel Frantz, deren Briefwechsel mit der niederländischen "Comissie voor buitenlandsche Nooden" sich im mennonitischen Archiv zu Amsterdam befindet und die Lage der Mennoniten in Schönsee um das Jahr 1730 schildert.

1765 zog eine Anzahl der altflämischen Mennoniten von Przechowka und Schönsee nach Brenkenhoffswalde (s. d.) und Franztal in der Neumark; andere wanderten um 1780 nach Deutsch-Kazun (s. d.) aus, weitere zu Beginn des 19. Jhrs. nach Wolhynien (s. d.). Die Auswanderungen schwächten besonders den flämischen Anteil der Mennoniten in diesem Gebiet.

Die holländische Naamlijst (s. Art. Namenverzeichnisse) von 1743 bis 1802 nennt u. a. auch die Prediger von Schönsee. Bei der altflämischen Gemeinde werden genannt: Laurens Sperling, Ältester 1760; Peter Pancratz, Prediger 1760; Jacob Wedel, Prediger; Peter Jantz, Prediger 1773; 1780 wird nur Peter Pancratz genannt, 1786 fehlt er. Prediger sind Benjamin Wedel und Tobias Jantzen, beide gewählt 1785. Vollständiger ist die Liste der friesischen Gemeinde: Peter Dirks vor 1743 bis um 1758; Gabriel Frantz, Sievert Tjart, Jan Siebrandt vor 1743 bis um 1750; Peter Nickel vor 1743 bis um 1780; Cornelius Frantz, Ältester um 1750 bis 1758; Andries Gertz, Prediger um 1750 bis 1762; Hendrik Cornelissen 1757 bis 1759; Peter Tjart 1757 bis 1762, Gertgen Knoop 1759 bis um 1781; David Bartel um 1752 bis 1765; Cornelis Frantz, Prediger 1763, Ältester 1776 bis um 1788; Heinrich Siebrandt 1786 f.; Peter Baltzer 1771 bis um 1796; Jacob Gertz 1775 bis um 1798; Heinrich Tjart 1788 bis nach 1802; Timotheus Boltz 1788 bis nach 1802; Jacob Frantz, Prediger 1791, Ältester 1794 bis nach 1802.

Am 12. Oktober 1849 schlossen sich die kleine altflämische Gemeinde Schönsee mit damals 39 Mitgliedern mit der friesischen zusammen. "Die kleine Schule" wurde aufgegeben, während "Die große Schule" bis 1945 benutzt wurde. Die vereinigte Gemeinde zählte 1852 364, 1880 320, 1927 273 und 1941 179 getaufte Mitglieder. Um 1806 war Abraham Nickel (s. d.) Diakon; nach ihm wurde der "Nickelstein" benannt. Johann Stobbe war 1851 Prediger, 1875-1906 Ältester; Johann Bartel Prediger 1898. Ältester 1906-1945. Die Gemeinde hatte ihr eigenes Altersheim.

Am 23. Januar 1945 hörte die Mennonitengemeinde Schönsee auf zu bestehen; sie wurde ein Opfer des zweiten Weltkrieges.

Lit.: Johann Bartel, Schönsee, Menn. Gem. Kal. 1955, S. 30-33; Peter J. Dyck, Auf Spuren der Väter, Der Mennonit 1959 S. 20; Christian Neff, Mennonitisches Adreßbuch, Karlsruhe 1936; Erich Keyser, Die Mennoniten im Weichsellande, Menn. Gesch.bl. 5, 1940 S. 1-6; Kerber, Abraham Nickel, Christlicher Gem. Kal. 16, 1907 S. 108; Mannhardt, Jahrbuch der Mennoniten-Gemeinden in West- und Ostpreußen 1882 S. 17-19; 1888 S. 15; Menn. Bl. Dez. 1939 S. 75; Christlicher Gem. Kal. 1941 S. 80, 94 u. 145; Herbert Wiebe, Das Siedlungswerk niederländischer Mennoniten im Weichseltal, Marburg 1952 S. 8. 33 f. 81. 87-91, 95 f.; ders., Mennonitische Familiennamen in den Weichselniederungen von Graudenz bis Thorn, Menn. Gesch.bl. 4, 1939 S. 34; Bezoekreis van Hendrik Berents Hulshoff aan de Doopsgezinde gemeenten der Oude Vlamingen in Pruisen en Polen in: Bijdragen en Mededeelingen van het Historisch Genootschap te Utrecht, 59. 1938 S. 32-82; Inv. Arch. Amst. Bd. 1; Naamlijst 1743-1802; J. A. Duerksen, Przechowka and Alexanderwohl in: Mennonite Life 10 1955 S. 76.