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Balzer, Peter (1847-1907)

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Christlicher Bundesbote obituary: 1907 Dec 19 p. 6

Birth date: 1847 Nov 6

Text of obituary:

† Ältester Peter Balzer. †

Der teure Dahingeschiedene ist in Südrußland in dem Dorfe Gnadenfeld geboren den 6. November 1847. Schon früh in seiner Jugend fühlte er den Zug des guten Geistes an seinem Herzen, und wurde den 5. Juni 1865 in die Gemeinde durch die Taufe aufgenommen. Er trat in den Ehestand mit Sara Unruh am 10. Oktober 1870, welche den 13. Febr. 1901 in St. Louis in einem Hospital in Folge einer Operation gestorben ist. Mit eignen Kindern hat der Herr seinen Ehestand nicht gesegnet. Er hat in treuer Liebe versucht an 3 Pflegekinder Vaterstelle ersetzen zu helfen — zeitweilig an zwei: Isaak Penner und Elisabeth Heinrichs, besonders an Karl Balzer, den er durch unsere Mission in Darlington als elternlose Waise überkam; hat er doch unter viel Tränen, Gebet und Flehen um Errettung seiner Seelen bis zum letzten Augenblick seines Lebens Vaterstelle ersetzt. Etwa 29 Jahren ist er als deutscher Lehrer zeitweilig unter erschwerenden Umständen tätig gewesen. Auch in der Trübsalsschule des Herrn ist er geübt worden, besonders in den letzten Jahren, wo er viel an Katarrh zu leiden hatte.

Im Jahr 1874 ist er von Rußland nach Amerika eingewandert. In das Predigtamt wurde er gewählt den 16. Dez. 1883 und als Ältester unserer Gemeinde den 6. Sept. 1896 befestigt.

Den 3. August 1902 ist er noch zum zweiten Male, mit Helena Richert, Witwe des verstorbenen Predigers Heinrich Richert, in den Ehestand getreten. Er war ein treuer Gatte und Vater. — Am letzten Dienstag abend etwa um 9 Uhr traf ihn bei seiner Arbeit in der Scheune ein Schlaganfall. Der Arzt hatte noch etwas Hoffnung auf Besserung. Man pflegte ihn so gut es ging, aber am 3. Tage stellte sich Fieber ein, und am Sonntag mittag, den 8. Dezember, rief der treue Gott seinen Knecht heim. Wie wohl wird ihm die Ruhe tun! Er starb im Alter von 60 Jahren, 1 Monat und 2 Tagen. Seine Hinterbliebenen empfehlen sich der Fürbitte. (Bezüglich der Begräbnisfeier gibt die Korrespondenz von Alexanderwohl in dieser Nr. das Weitere.)

(p. 4)

Korrespondenzen.

Alexanderwohl Gemeinde, Goessel, Kansas, 12. Dez. Werte Bundesbotenleser! Gestern, der 11. Dezember, war für unsere liebe Gemeinde ein Tag, den wir nicht so bald vergessen werden; es war das der Begräbnistag unsers geliebten Ältesten Peter Balzer, der, wie ja die Todesanzeige meldet, Sonntag, den 8. Dezember durch den Tod zu seiner Ruhe einging. Daß die l. Familie, wie auch die Gemeinde, ihn betrauert, ist selbstverständlich, doch hat ja auch die Konferenz in ihm einen treuer Arbeiter in der Innern und Äußeren Mission verloren. Der Gemeinde kommt der Fall um so schwerer zu tragen, weil ihr Seelsorger so schnell mitten aus der Arbeit genommen wure, und nun von allen Seiten sofort die Arbeit der Erledigung harrt. Wir wissen wohl, daß der treue Gott nichts verfehlen kann, aber verwaist fühlen wir doch sehr. Wir empfehlen uns der treuen Fürbitte unserer Schwestergemeinden.

Das Begräbnis fand unter großer Beteiligung, von nah und fern statt. Die Kirche war nicht nur bis auf den letzten Sitz gefüllt, sondern viele standen in den Gängen und Hallen, und wir erkennen darin dankbarlich die Teilnahme und Freundschaft. — Bruder David Goerz aus der Bethel Gemeinde leitete nach Gemeindegesang die Begräbnisfeier ein mit Lesen der Seligpreisungen aus Matth. 5 und Gebet. — Darauf hielt Br. H. Banman von unserer Gemeinde eine Ansprache, welcher er Hosea 6, 1 zu Grunde legte: "Kommet, wir wollen wieder zum Herrn; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen; er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden." — Als zweiter Redner trat Br. Gustav Harder von der Emmaus Gemeinde bei Whitewater auf, und sprach über Joh. 14, 19: "Ich lebe, und ihr sollt auch leben." Nach diesem haben noch eine Anzahl Presigerbrüder durch Gedenksprüche das Fest wertvoll gemacht. —

Nachdem nun die Lebensbeschreibung durch Br. P. H. Richert vorgelesen worden, schloß Br. Peter A. Wiebe von der Springfield Brüdergemeinde, Lehigh, Kansas, mit Gebet. Die Gemeinde sang noch den Vers: "Nimm, Jesu, meine Hände." Zwischenein sang ein Männerchor unter der Leitung von Br. J. J. Banman schöne Lieder. Nach Beerdigung der Leiche hielt Br. W. J. Ewert eine kurze Ansprache am Grabe über die Worte Jes. 53, 10: "Der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben, und des Herrm Vornehmen wird durch seine Hand fort gehen." Br. Abr. Ratzlaff von der Hoffnungsau Gemeinde bei Moundridge, Kansas, hielt das Gebet.



Monatsblätter aus Bethel College obituary: 1908 Jan p. 5

Text of obituary:

† Peter Balzer. †

Aeltester der Alexanderwohl-Gemeinde in Kansas, Präsident der Missionsbehörde der Allgemeinen Konferenz der Mennoniten von Nordamerika, Vorsitzer des Komites für Diakonie in der Westlichen Distriktskonferenz, Präses der Bethesda Hospitalgesellschaft zu Gössel, Kansas, Mitglied der Bethel College Korporation, emeritierter Schullehrer und aktiver Mitarbeiter in verschiedenen andern Gemeinde- und Gemeinschaftsbestrebungen.

Das war eine erschütternde Nachricht, als es hieß, Br. Peter Balzer sei vom Schlage getroffen worden und liege hilflos darnieder. Da dieser Schlaganfall nicht der erste war, den Br. Balzer erlitt, so war ja Ursache zu ernsten Befürchtungen um sein Leben vorhanden und nur zu schnell ist das Befürchtete eingetroffen. Am fünften Tage nach dieser letzten Erkrankung trat schon das Ende ein. Ein arbeitsreiches Leben ist damit zu einem jähen Abschluß gekommen und eine tiefempfundene Lücke ist nicht nur im engeren Familien- und Gemeindekreise, sondern auch im weiteren Bereiche der Mennonitengemeinschaft von Nordamerika entstanden. An dem Verstorbenen hat die Missionsbehörde der allgemeinen Konferenz ihren umsichtigen Präsidenten, die Westliche Distriktkonferenz den ersten Vorsitzer ihres Komites für Diakonie, die Alexanderwohl-Gemeinde ihren beliebten Ältesten, die Bethesda Hospitalgesellschaft ihren fleißigen Präses und die Bethel College Korporation ein einflußreiches Mitglied verloren. Selbst kinderlos war der Verstorbene doch durch das Eingehen einer zweiten Ehe mit der Witwe des früher schon verstorbenen Predigers H. Richert der Stiefvater von dessen hinterlassenen Kinderschar geworden, und hatte sich deren Achtung und Liebe in dem Maße erworben, daß sie mit einer Trauer wie um den rechten Vater seinen Sarg umstanden und ihn zu Grabe trugen.

Wenn eine solche Säule in der Gemeinde und Gemeinschaft plötzlich bricht, da müssen dem nachdenkenden Beobachter doch gar mancherlei Erwägungen kommen, und das Gebet Moses, des Mannes Gottes, gewinnt an Umfang und Bedeutung, wenn er spricht: "Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden." Auf ein Leben, das köstlich war, weil's Mühe und Arbeit gewesen, schaute betend der Mann Gottes zurück, und wünschte sich ein ausreichendes Maß von Lebensweisheit, und im Angesichte seines Feierabends erbat er sich die rechte Sterbensklugheit. An Mühe und Arbeit hat's ja auch dem l. Br. Balzer während seiner Lebzeiten nicht gefehlt, und von dem Köstlichen des Lebens, das Mühe und Arbeit geben können, ward ihm ein gutes Maß zu teil. Daß es ihm aber auch an Sterbensklugheit nicht gemangelt, können diejenigen am besten bezeugen, die sein Kranken- und Sterbelager umstehen durften. Aber bei aller Anerkennung des Reichtums der Mühe und Arbeit im Leben des Verstorbenen und anderer Arbeiter im Reiche Gottes, die gleich ihm dahingesunken sind, ehe sie die Altersgrenze erreicht haben, welche der Mann Gottes in seinen Sterbensgedanken mit den Worten bezeichnet: "Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind's achtzig Jahre," — kommen unser einem doch auch noch andere Erwägungen, die mitunter auch wohl auf einige Berechtigung Anspruch machen dürften. Zu solchen Erwägungen gehöhrt die keineswegs müße Frage, ob es nicht machmal (sic) auch eine Überbürdung von Arbeit für solche Knechte im Dienste der Kirche geben kann, welche über eine fast unbegrenzte Dienstbereitschaft und Schaffenswilligkeit zu verfügen scheinen? Daß es körperlich überarbeitete Menschen giebt, die im Alter schwer an den Folgen davon zu tragen haben, wovon sie in ihren jüngeren Jahren sich zu viel aufbürdeten oder aufbürden ließen, wird ja wohl allgemein zugestanden werden. Aber wird im großen und ganzen es auch schon genügend gewürdigt, daß geistige Arbeit, besonders hierzulande, die Lebenskräfte ebenso schnell, und oft noch viel schneller aufreibt, als körperliche Arbeit, und daß es darum auch eine Überbürdung an geistiger Arbeit und Anstrengung geben kann?

Und sollten wir dann bei dem Gebet: Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden, nicht auch dem Gedanken Raum geben dürfen: Herr, laß uns auch daran denken, daß unsre und unsrer Arbeiter Kraft eine Endgrenze hat, und daß wir klug genug handeln möchten, damit nicht durch Ueberbürdung die anvertrauten Arbeitskräfte zu sehr geschwächt, anstatt gestärkt und erhalten werden?

G.



Christlicher Bundesbote obituary: 1908 Jan 9 p. 1

Text of obituary:

Zur Notiz.

Den vielen nahen und fernen Lieben, welche mir anläßlich des so schnell erfolgten Heimganges meines l. Mannes, Peter Balzer, auf brieflichem Wege ihre Teilnahme bezeugt haben, möchte ich hiemit meinen tiefempfindenden Dank aussprechen. Es ist wohl schwer, allein nun weiter zu pilgern; aber, wo der Verweigte seine Ruhstatt gefunden, dahin geht ja auch unser aller Sehnen und "über ein Kleines," gibt es dort für uns alle ein frohe Wiedersehen.

Witwe Helena Balzer.


Christlicher Bundesbote obituary: 1908 Jan 9 p. 2

Text of obituary:

Leichenrede über John 14, 19.

Vom Ält. Gustav Harder.

(Folgendes ist eine, dem l. heimgeganenen Br. Peter Balzer, Präsidenten der Missionsbehörde und Ältesten der Alexanderwohl Gemeinde, bei der Begräbnisfeier in der Alexanderwohl Kirche bei Goessel, Kan., am 11. Dezember 1907 gehaltene Leichenrede und auf den Wunsch vieler Glieder der Gemeinde im Bundesboten veröffentlicht.)

Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, des Lebensfürsten und Todesüberwinders, und die Liebe Gottes, des treuen Vaters der Seinen im Leid, wie in der Freude, im Tode wie im Leben, und die Gemeinschaft des hl. Geistes, unsers besten Trösters in Trübsal und einzigen Führers zum Himmel, sei mit uns allen; sei ganz besonders mit Ihnen, teure Leidtragende.

Im. Ev. Johannes im 14. Kap. im 19. Vers lesen wir folgende köstliche und tröstl. Heilandsworte: "Ich lebe und ihr sollt auch leben." Diese t. Worte unsers geliebten Heilandes möchte ich einer kurzen Betrachtung in dieser feierlichen Stunde zu Grunde lege. — Werte Trauerversammlung! "Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Hause sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen." (Jes. 35, 10). An dieses heilige Prophetenwort wurde ich zunächst erinnert, als uns die Trauerbotschaft von dem seligen Heimgang des teuren Daningeschiedenen mitgeteilt wurde. Das war gleichsam der erste Gedanke, der mich erfaßte, wenn ich an ihn dachte, der doch bereit war seinen Heiland zu empfangen. Wenn ich mir den lieben Bruder vorstellte, wie er als Erlöster des Herrn heimgekommen sein wird ins Vaterhaus, und stand mir dieses Wort lebendig vor der Seele: Die Erlösten des Herrn werden gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein u. s. w. Wenn ich daran dachte, wie dieser teure Heimgegangene in der Nähe sich seines Heilandes freuen wird, dann wurde ich an das Wort des Evangelisten Joh. erinnert, Kap. 20 Ver 20: "Und da Jesus das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen." Der Herr wird auch ihm liebevoll entgegen gegangen und zu ihm gesprochen haben: "Ei du frommer und getreuer Knecht. — Du bist über wenigen getreu gewesen, ich will dich über viel setzen: Gehe ein zu deines Herrn Freude; denn ich lebe und ihr sollt auch leben." Dann aber, Geliebte, bleiben doch bei solchen unerwartet schnellen Heimgang die Trennungs- und Abschiedsgedanken nicht aus. — Man frägt sich wohl bei solchen Gelegenheiten: wann hast du das letztemal mit dem l. Heimgegangen gesprochen? Wann hat er dir den letzten Brief geschrieben? und unwillkürlich wird man an des lieben Heilands Abschiedswort erinnert: "Über ein Kleines, so werden ihr mich nicht sehen, denn ich gehe zum Vater." Ja, wenn ich so daran dachte, daß der liebe Heimgegangene, den wir so gerne auch in unsern Kreisen hatten, mit dem ich siebenzehn Jahre in der Missionsarbeit eng verbunden gewesen, nun nicht mehr unter uns weilt, dann fällt es uns schwer uns an die Gedanken zu gewöhnen, daß wir ihn nicht mehr unter uns haben, aber um so köstlicher tönt in unser Herzen unser l. Heinlandswort nach unserm Text: "Ich lebe und ihr sollt auch leben."

Ja, meine Lieben, 17 Jahre habe ich die Freude und das Vorrecht gehabt mit dem teuren Dahingeschiedenen in inniger Herzensgemeinschaft zu leben. Wir haben uns gemeinsam im Missionswerk gefreut und haben gemeinsam getrauert. Wir haben gemeinsam gearbeitet und sind oft zusammen gereist, und haben in mancher vertraulichen Stunde einander tief ins Herz geblickt und in der Seele gelesen. — O wie vieles könnte ich hier noch sagen, aber es ist nur ein kurzes Wort, auf das ich mich beschränken möchte. Ich lehne mich an das Wort unsers lieben Heilandes: Ich lebe und ihr sollt auch leben! So gilt es auch im Blick auf den lieben Heimgegangenen. Er hat getragen Christi Joch; er ist gestorben und lebt noch. — Wenn ich nun an die teure Leidtragende gedenke, an die liebe Gattin, die heute zum zweiten Male diesern schweren Gang gehen muß, die ihrem lieben Gatten in den Jahren ihres gemeinsamen Wanderns so treu zur Seite gestanden und so treulich Freude und Leid mit ihm geteilt hat, die ihm die Lasten seines mannigfachen und weit umfassenden Wirkungskreises so treulich hat tragen helfen, dann beten wir wohl von Herzensgrund: "Tröste Du sie, Herr unser Gott, mit Deinem Troste und mit Deiner Nähe und wenn nun nach der Lage des Verlierens die Lage des Vermissens kommt, o dann richte sie auf mit dem Heilands-Wort: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Wenn ich an die Söhne des Hauses denke, denen der l. Heimgegangene stets ein treuer Berater gewesen, und an die lieben Töchter, die ja ihren, lieben zweiten Vater auch in den letzten Leidenstagen noch mit so hingebender Liebe pflegen durften, o sie alle haben viel verloren und werden heute mit uns sprechen: Ach Herr, zu frühe hast du den l. Heimgegangenen nach unsrer Meinung von uns genommen. Eine rechte Freude wird es ihm gewesen sein, als letzte große Amtshandlung die eine Tochter des Hauses in den Gemeindedienst als Diakonissin einführen zu dürfen. — Den Tag vorher schrieb der liebe Bruder (und das war der letzte Brief, den ich von ihm erhielt): "Gedenke meiner vor dem Herrn, auch bei dieser wichtigen Handlung, denn ich fühle wohl die Wahrheit des Heilandswortes: ' Ohne mich könnt ihr nichts tun. " Dieses Heilandswort, Geliebte, war gleichsam des l. Dahingeschiedenen Losungswort geworden. Ohne seinen Herrn wollte er nichts tun. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt; aber mit dir, Herr Jesus, an deiner Hand und in deinem Auftrage.

Ja Geliebte, der liebe Entschlafene war ein treuer Jünger seines Herrn, ein inniger Beter. Nun sieht seine Seele den Herrn und ist froh wie ein heimgekehrter Wanderer, der nach langer Entbehrung die Luft des Vaterlandes atmet. Er ist daheim. "Daheim, o welch ein schönes Wort; Daheim, o welch ein lieber Ort; Daheim, wie gerne möcht ich heim, Auf ewig bei dem Herrn zu sein." Ich weiß, sie alle lieben ihn, Gattin, Söhne und Töchter des Hauses, Amtsbrüder, Anverwandte und Freunde des Entschlafenen. Nun, wenn wir ihn lieben, wollen wir uns freuen, daß er nun schaut, was er geglaubet hat, daß seine Seele daheim ist beim Herrn und fröhlich und selig im Herrn. Nichts ist beruhigender als das Emporschwingen über die Erde. Seine Seele ist von den Engeln empor getragen und ist eingegangen in die selige Ruhe, die im Paradiese vorhanden ist für die Kinder Gottes. — Dahin, dahin lenken auch Sie, teure Leidtragende, ihren Sinn. Selig sind, die in diesem Sinne leidtragen; sie sollen getröstet werden.

Und nun im Blick auf dich, teure Gemeinde. Mitten in diese Adventsfreude hinein, die der großen Weihnactsfreude den Weg bahnen soll, sind für Euch, liebe Geschw. der Alexanderwohl Gemeinde, diese Trauertage gekommen. Der Tod, der König der Schrecken, hat seine Hand ausgestreckt nach Eurem lieben Ältesten und er ist zusammengebrochen unter der totbringenden Berührung. Die Freudenzeit, da die Christenheit singt: Gelobt sei, der da kommt, ein König in dem Namen des Herrn, ist zur Trauerzeit für Euch geworden. Des Herrn Gedanken waren so ganz andere als Eure Gedanken, und doch, Ihr LIeben, waren es Gedanken des Friedens und nicht des Leides.

In dieser Adventszeit hat der Herr auch Eurem lieben Ältesten zugerufen: Siehe, ich komme bald; halte was du hast, daß niemand deine Krone nehme. — Dein Heiland trug die Dornenkrone, damit Du eine liebliche Krone würdest vor dem Herrn; der König der Wahrheit litt den Tod um die Krone des Lebens zu erwerben. Du hast ein Kleinod, das dir auf Erden kein Mensch rauben darf. Wache darüber. Und Euer l. Ältester, er hat gewacht. — Er hat das Wort seines l. Heilandes beherzigt: Siehe, ich komme bald. — Am zweiten Adventssonntag, der uns ja ganz besonders hinweist auf das Kommen des Herrn, durfte er seinem Herrn entgegen gehen. — War es nicht so, Geliebte, daß er dieses Bald recht gefühlt hat? — War es nicht so, als ob ein ahnungsvolles Heimweh ihn erfaßt hätte? Darum wollte er noch gerne in der Gemeinde dieses und jenes geordnet wissen und so auch auf dem Missionsfelde, um dann auf den Ruf seines Heilandes: "Siehe, ich komme bald," antworten zu können: Ja, komm, Herr Jesu. — Auf ewig bei dem Herrn ganz, wie der Vater will. Nur bitt ich, Herrn sei mir nicht fern und bringe mich ans Ziel. — Unser l. Heiland sagt in Luk. 12, 35-37: "Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten. Selig sind die Knechte, die der Herrn, so er kommt, wachen findet. Er hat ihn wachend gefunden. Darum durfte er heimgehen und eingehen in die Ruhe, die dem Volke Gottes verheißen ist. Du aber, liebe Gemeinde, hast heute keinen Ältesten mehr. Es ist Euch schwer, Gel., und Ihr habt vorher wohl alle von Herzensgrund eingestimmt in die Worte, welche Euch soeben von Eurem l. Prediger H. Banman zugerufen wurden: "Kommt, wir wollen wieder zum Herrn; denn er hat uns zerrissen, er will uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden, nach Hosea 6, 1. Werte Trauerversammlung des Heimgegangenen, er gehörte wohl in erster Linie seiner l. Famille, seiner werten Gemeinde; aber nicht wahr, er gehörte auch uns, als mennonitische Gemeinschaft an. Darum darf ich wohl sagen, die ganze Westliche und die ganze Allg. Konferenz trauert heute mit uns um diesen Mann; und im Namen unserer genzen Gemeinschaft darf ich sagen: Es ist uns leid um dich, du warst uns sonderlich lieb und wert; wir haben Freude und Segen von dir gehabt.

Lieb und wert war er uns als langjäriges Glied der Missionsbehörde, und in den letzten 5 Jahren ganz besonders als Missionspräsidenten. Er war ja der dritte in der Reihe unserer Missionspräsidenten und mir wurde das Vorrecht vom Herrn unter allen dreien zu dienen. Wenn es unter den beiden ersten mehr väterliche Liebe war, die mir von Beiden in reichem Maße zuteil geworden, mit der sie einen jungen Bruder allmählich in die großen Aufgaben hineinführten, so war es bei dem lieben Heimgegangen mehr brüderliche Liebe, mehr ein gemeinsames Tragen, Schulter an Schulter, ein gemeinsames Beten, ein gemeinsames Arbeiten, und doch hatte ja er das verantwortungsvollere Amt. Darum rufe ich es him noch besonders nach: Es ist mir leid um dich, mein lieber Bruder Jonathan.

(Schluß folgt.)


Christlicher Bundesbote obituary: 1908 Jan 16 p. 2

Text of obituary:

Leichenrede über Joh. 14, 19.

Vom Ält. Gustav Harder.

(Schluß.)

Ja, das dürfen wir heute mit Dank gegen Gottes Gnade rühmen, der nun Heimgaganene ist ein warmer Freund und entschiedener Förderer aller Werke in der inneren und äußeren Mission gewesen. Mit welcher Hingabe und mit welcher LIebe und sichtbarem Erfolg hat er noch in diesem Jahre all die Neubauten, die da auf unserem Missionsfelde in Okla. notwendig wurden, geleitet und angeordnet. Mit eben solcher Liebe hat er auch in den Bestrebungen der inneren Mission gearbeitet in der Krankenpflege, in der Diakonissensache, im Schul- und Erziehungswesen.

In all diesen Zweigen ist der liebe Heimgegangene in maßgebender Weise tätig gewesen. Bei alledem hat er stets als Kollege und Amtsbruder die Palme des Friedens und guten Einvernehmens vorangetragen.

Fragen wir, woher hat er die Kraft genommen? so lautet die Antwort: "Die Liebe Christi war die Triebfeder, war die treibende Macht, die ihn bewog sich selbst im Dienste seines Herrn und Meisters zu verzehren.

Nun hat der Herr ihm so unerwartet schnell den Feierabend geboten.—"Endlich kommt so leise, nimmt uns bei der Hand, führt uns von der Reise heim ins Vaterland. Dann ists ausgerungen, ach dann sind wir da — Droben wird gesungen ein Hallelujah." — In unseren Kreisen aber ist eine fühlbare Lücke, ein empfindlicher Verlust entstanden, bei den Arbeiten für das Reich Gottes.

Wir fragen mit David im 39. Psalm: "Herr, wes sollen wir uns trösten?" und erhalten von oben dort die Antwort: Wir hoffen auf dich, Herr. Keiner wird zu Schanden, welcher deiner harrt. Wir hoffen auf dich, Herr, der du gesaget hast: "Ich lebe und ihr sollt auch leben. O Geliebte, der hier Ich sagt, das ist der große Missionsherr, der auf dem Berge in Galiläa steht und sagt: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden." Es ist derselbe Herr, der gesagt hat: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." — Es ist derselbe Herr, der einst an Lazarus Grab getrauert, der in Gethsemane blutigen Schweiß geschwitzt, der am Kreuz sein Haupt geneigt und gesprochen: Es ist vollbracht! Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist." Es ist derselbe Herr, der am großen, herrlichen Ostermorgen siegreich auferstanden und es seinen Jüngern bezeugt: "Ich lebe", und wir sprechen im Glauben: Jesus lebt, mit ihm auch ich. Er hat gesagt: "In meines Vaters hause sind viele Wohnungen usw. Vater, ich will, daß wo ich bin, auch die bei mir sein, die du mir gegeben hast. Und zu Martha sagt der Herr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.

Ich lebe und ihr sollt auch leben. Er, um den wir heute trauern, er war, das wissen wir alle, aus Gnaden ein treuer Bekenner seines Herrn und Meisters Jesu Christi, unsers hochgelobten Heilandes. Wie sollte dann auf ihn seines Herrn und Meisters Wort nicht Anwendung finden: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Darum möchte ich Ihnen, teure Leidtragende, dieses Wort als ein Trostwort zurufen: Ich lebe, sprach der Herr dort zu seinen Jüngern. Ich lebe, spricht hier der Entschlafene zu seinen Hinterbliebenen; ja, gerade jetzt, da er die Zeit mit der Ewigkeit vertauscht hat, kann er mit Recht zu ihnen sagen: Ich lebe, denn war wir gemeinhin Leben nennen, das ist eigtentlich ein beständiges Streben,(sic) und was die Welt Streben (sic) nennt, das ist dem Christen der Weg zum wahren Leben.

Ich lebe, und wir wissen es auch, der nun Entschlafene lebt, lebt im Himmel. Er hat an seinen Gott und Heiland geglaubt, und Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen. Ihm leben sie alle; alle, die an ihn geblaubt. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an usw.

Wir dürfen auch den lieben Heingeganen zählen zu der seligen Schar, die nach Offb. 7 vor dem Stuhle stehen und vor dem Lamm angetan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhle sitzt, unserem Gott und dem Lamm. Selig unsere Toten, die in dem Herrn sterben, sie leben und warten unser im Vaterhause. Die Liebe hört nimmer auf: "Selig auch die Heimweh haben, sie sollen nach Hause kommen."

Ich lebe, und wir wissen, der teure Entschlafene lebt, und zwar nicht nur im Himmel allein. Er lebt auch auf Erden fort, in den Herzen derer, die ihn lieben. Er lebt in dem Herzen seiner Gattin, der er ein vergeßlicher Gefährte war. — Er lebt in dem Herzen ihrer Kinder, denen er ein treuer Berater gewesen. Er lebt in dem Herzen vieler, vieler Freunde, hier, und weit über die Granzen unseres Staates hinaus und auch in der alten Heimat. Ja er lebt auch in deinem Herzen fort, teure Gemeinde, denen er eine Reihe von Jahren das Evangelium verkündigt hat. Das Andenken des Gerechten bleibt im Segen. Fürwahr, es ist an ihm erfüllt, was Gott dem Abraham gesagt hat: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Er war gesegnet durch die Gnade unseres Jesu Christi und ist vielen zum Segen geworden. Er hat in den vordersten Reihen gestanden und hat es hoch und in starker Hand gehalten, das Panier des Glaubens, auf Welchem geschrieben steht: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes; und ist in keinem anderen Heil usw. — Fragen wir, Geliebte, was seiner Predigt die Herzen öffnete, so müssen wir sagen: Es war das Bekenntnis zu Jesu Christo, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, und daß er das, was er lehrte, am eigenen Herzen erfahren hatte. — Jesus Christus, gestern und heute und derselbe in alle Ewigkeit; das war das A und das O, der Kern und Stern aller seiner Predigten. Ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch ohne allein Jesum Christum, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Das klang durch alle seine Predigten hindurch. So stand er fest auf dem Fundament des Heils in dem Glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen, darum ist er eingegangen in die Ruhe, die dem Volke Gottes verheißen ist. O wie selig wird es nun bei ihm sich erfüllen: Ich lebe und ihr sollt auch leben!

Wir alle, meine Geliebten, wollen an diesem Sarge nicht vergessen dem Herrn zu danken, daß er gesagt hat, ich lebe, und es am Stamm des Kreuzes erworben hat, daß auch wir duch ihn leben sollen.

Ihr sollt auch leben. O dieses Wort gießt Trost ins bekümmerte Herz, denn es tröstet mit der Hoffnung des gemeinsamen Lebens mit Christo und mit der liebl. Hoffnung des Wiedersehens mit denen die uns im Glauben vorangegangen sind.

Wenn der Herr im seligen Stündlein die Gefangenen Zions erlösen wird, aus dem Leibe dieses Todes, wenn die Lazarus-Engel die müde Seele heim tragen in Christi Schoß, dann werden wir sein wie die Träumenden.

Aber es geht von Licht zu Licht, von Klarheit zu Klarheit, wenn es hinein geht durch die Perlentore und die goldenen Gassen, hinein in den Chor des tausendmal tausend Engel, in die Scharen der Palmenträger und Harfenspieler am krystallenen Meer, hinein zu der Gemeine der vollendeten Gerechten, hinein, hinein zu Jesu, zu seinen Füßen, ihm die durchgrabenen Füße zu küssen und ihm in sein Angesicht zu schauen, dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll ewigen Rühmens sein, dann wird es herauftönen zu dem Gnadenthron unseres Gottes: Ja der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich!

O meine Lieben, dieser Blick in die Zukunft läßt einen Christen singen auch mitten im Elend. Im Worte läßt Gott uns erblicken im Glauben die Herrlichkeit der zukünftigen Welt und sein Geist gibt uns hienieden schon Stunden seliger Freude, daß wir gleichsam wie Moses vom Berge Nebo aus das gelobte Land erblicken, wie es der Sänger ausspricht:

Ich hab von ferne, Herr, Deinen Thron erblickt
Und hätte gerne mein Herz vorausgeschickt,
Und hätte gerne mein müdes Leben,
Schöpfer der Geister, Dir hingegeben.

Das war so prächtig, was ich im Giest gesehn,
Du bist allmächtig, drum ist Dein Licht so schön.
Könnt ich an diesen hellen Thronen
Doch schon von heute an ewig wohnen!

Ich bin zufrieden, daß ich die Stadt gesehn
Und ohn ermüden, will ich ihr näher gehn,
Und ihre hellen goldenen Gassen
Lebenslang nicht aus den Augen lassen.

O diesem Trost wollen wir niemals loslassen. Teure Gemeinde, zum letztenmal predigt uns heute der erblaßte Mund unsers geliebten Bruders und Seelsorgers. Eins ist not, wer hat dies Eine? der allein, der Jesum hat. Darum lasset uns heute aufs neue unsere Glaubenshand fest in die durchgrabene Hand unsers Heilandes legen, der gesagt hat: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

Ihm entgegen, das soll unsere Losung bleiben. Ihm entgegen, gleich treuen Knechten mit gegürteten Lenden, gleich klugen Jungfrauen mit geschmückten Lampen; Ihm entgegen, der da ist und der da war und der da kommt. Dazu verhelfe uns allen der Herr, der gnädige Gott, dazu stärke er uns nach dem Reichtum seiner Barmherzigkeit. Amen.



Bundesbote-Kalender obituary: 1909 p. 26


Text of obituary:

Peter Balzer.

In der Sonntagsstille des 8. Dezember 1907 durfte zu Alexanderwohl, Kansas nach einem arbeitsvollen und vielbewegten Leben ein treuer Arbeiter in Gottes Weinberg zu seines Herren Ruhe eingehen. — Eine vielseitige Tätigkeit im Gemeinde- und Gemeinschaftsleben ist durch Bruder Balzers Hinscheiden für ihn zum Abschluß gekommen. Am Ende seiner irdischen Wirksamkeit bekleidete der Verstorbene verschiedene Aemter und Arbeitsposten. Er war Aeltester der Alexanderwohl Gemeinde, Präsident der Missionsbehörde der Allgemeinen Konferenz, Vorsitzer des Komitees für Diakonie in der Westlichen Distriktskonferenz, Präses der Bethesdahospitalgesellschaft zu Gössel, Kansas, Mitglied der Bethel College-Korporation und aktiver Mitarbeiter in verschiedenen andern Gemeinde- und Gemeinschaftsbestrebungen. — Wie der Meister ein solches Werkzeug durch Erziehung und Lebensführung sich zubereitet hat, ist gewiß auch für andere Freunde der Reichssache Gottes von Interesse. —

In dem Dorfe Gnadenfeld in der Molotschnaer Mennonitenkolonie Südrußlands hat Bruder Balzers Wiege gestanden. Sein Geburtstag war der 6. November 1847. Schon in früher Kindheit (1855) verlor er seinen Vater und die verwittwete Mutter hatte allein die Versorgung von vier Kindern, von denen nur das älteste zuweilen schon andere Dienstarbeiten übernehmen konnte, zu leiten. Zwei ältere Geschwister waren schon verheiratet. Im Jahre 1863 ging auch die Mutter heim und ließ die Kinder in bescheidenen äußern Verhältnissen zurück. — Kurz vor ihrem Tode rief sie ihre beiden Söhne Peter und Heinrich, die noch bei ihr wohnten und zur Schule gingen, zu sich ans Bett und sagte, indem sie beider rechte Hände faßte: "Ihr beide habt mich noch zurückgehalten, aber ich habe euch dem Heiland übergeben und will nun gerne sterben." Heinrich ist jung gestorben. Peter war es beschieden, unter dem als Erbteil von frommen Eltern ihm hinterlassenen Segen aufzuwachsen und auch andern zum Segen zu werden. Betend war auch sein Vater Peter Balzer, welchen in Westpreußen am 9. Januar 1807 geboren worden war, in seiner Jugend als Leinwebergeselle und auch als Knecht gedient und im Jahre 1831 sich mit Susanna Voth verehelicht hatte, dann im Jahre 1834 nach Rußland ausgewandert war und in dem Dorfe Gnadelfend sich niedergelassen hatte, nach 21jährigem Wohnen daselbst aus diesem Leben geschieden. Er konnte vor dem Abscheiden noch alle seine Kinder an sein Sterbebette rufen, sie zum Wandeln in Gottes Wegen und zum Gehorsam gegen ihre Mutter ermahnen und dann den folgenden Gebetsvers sprechend entschlummern:

Laß mir, wenn meine Augen brechen,
Herr, Deinen Frieden fühlbar sein.
Komm Deinen Trost mir zuzusprechen
Und segne mein Gebeine ein.
Reich mir die blutbefleckten Arme,
Darin ich Gnad und Frieden fand,
Und trag mich vollends mit Erbarmen
Sanft zu Dir heim ins Vaterland.

Dieser Elternsegen war der Kinder bestes Erbteil und mußte ihnen ersetzen, was an irdischen Gütern ihnen etwa versagt war. Peter, der zweitjüngste Sohn, hatte schon frühe Gaben zum Lernen gezeigt und sein Lehrer H. Franz in Gnadenfeld hatte die Aufmerksamkeit das wohlbegüterten Peter Schmidt von Steinbach auf ihn gelenkt. — Bereitwillig übernahm letzterer die Kosten der Ausbildung des lernbegierigen Knaben; in jene Zeit fällt auch die Wirksamkeit des Pfarrers Wüst, dessen Arbeitsfeld sich in der Nähe der Mennonitenkolonien Südrußlands befand und der besonders auf den jährlich zu Gnadenfeld abgehaltenen Missionsfesten ein gerngesehener Gast und Festredner war. Seine Predigten wirkten anregend auf die Zuhörer und weckten auch in dem Jünglinge Peter Balzer eine Neigung, Missionar zu werden. — Äußere Verhältnisse nötigten den letzteren aber, sich zunächst dem Schulsache zuzuwenden, und so wurde er nach Vollendung seiner Ausbildung in der Heinrich Franz'schen Schule einstweilen Schullehrer. Als solcher war er fünf Jahre lang in dem Dorfe Liebenau tätig. Im Jahre 1870 verehelichte er sich mit Sarah Unruh von Nikolaifeld. — Seine Gemeindezugehörigkeit hatte er sich in Gnadenfeld bewahrt, wo er im Jahre 1865 vom Ältesten Lenzman getauft worden war.

Als im Jahr 1874 die Alexanderwohl Gemeinde nach Amerika auswanderte, schloß sich Br. Balzer mit andern seiner und besonders seiner Frau Verwandten dieser Übersiedlung an und ließ sich in Kansas nieder. — Die Beschwerden, mit welchen ein mit irdischen Gütern nur sehr bescheiden ausgestatteter Ansiedler in einem fremden Lande auf neuem Boden zu kämpfen hat, wurden auch Br. Balzer in reichem Maße zu teil. — Er war ein tüchtiger Schullehrer, aber nicht ein ebenso fachmäßiger Landwirt. In letzter Beziehung mußte seine Frau ihm eine rechte Stütze werden. Ein kleines Erdhaus war sein erstes Heim auf der Kansas Prairie und ein Gespann Ochsen samt Pflug die Ausrüstung für seine landwirtschaftliche Pionierarbeit. Zu der Zeit hat er einmal auf die Frage, wie es ihm gehe, geantwortet: Ich stehe manchmal im Felde stille und weine mich aus. — "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten," tröstete ihn dann wohl seine Schwägerin, und besser ists ihm ja auch im Laufe der Zeit in wirtschaftlicher Beziehung ergangen. — Aber von größerer Bedeutung für ihn und die Gemeinde und Gemeinschaft ist doch seine Wirksamkeit auf geistigem Gebiete geworden. Besonders um Schulen hat er sich ein bleibendes Verdienst erworben, wenn er auch der Mahnung seines Lehrers H. Franz treu zu bleiben gesucht hat, nicht zu scheinen und zu gleißen in einer hohen Schule sondern sich lieber mit einer Dorfschule genügen zu lassen. — Innerhalb der Alexanderwohler Gemeinde stand er einer Schule vor, die zu einer Vorbildungsschule auch von auswärtigen Schülern gern benutzt wurde; aber als später von der Kansas Konferenz die Kansasfortbildungsschule gegründet wurde und nach deren Verlegung von Alexanderwohl nach Halstead die Schulbehörde ihn als eine wünschenswerte Lehrkraft auch dorthin ziehen wollte, lehnte er solchen Ruf bescheiden ab. Überhaupt war Bescheidenheit ein Hauptzug seines Charakters. —

Im Jahre 1884 wurde er von der Alexanderwohler Gemeinde zum Prediger und 1896 zum Ältesten gewählt. — Sein Schwager Prediger H. Richert war schon seit längerer Zeit Mitglied der Missionsbehörde der Allgemeinen Konferenz gewesen, erkrankte aber fünf Jahre vor seinem Tode so, daß er nicht ohne Hilfe seinen Pflichten nachkommen konnte. In dieser Zeit war Br. Balzer seinem kranken Schwager eine treue Hilfe und wurde nach dessen Ableben im Jahre 1895 selbst Mitglied der Missionsbehörde. Vier Jahre später wählte diese Behörde ihn zu ihrem Präsidenten, in welcher Stellung er bis zu seinem Tode verblieb. — Für die Missionsbehörde ist das Hinscheiden Br. Balzers ein herber Verlust und ebenso schmerzlich empfindet die Alexanderwohl Gemeinde den Verlust ihres Ältesten. — Seit Gründung der Bethesda Hospitalgesellschaft zu Gössel, Kansas war Br. Balzer Präsident derselben und blieb es auch bis zu seinem Ende. — Auf den Konferenzen war Br. Balzer stets ein gern gesehener Mitarbeiter und es gab keinen Zweig unsrer Gemeinschaftsbestrebungen, an dem er sich nicht mit lebhaftem Interesse in einer oder der andern Weise beteiligt hatte. — Seine Milde im Urteil, sein friedlicher Sinn bei Beratungen und während der Diskussion von schwierigen Fragen, seine große Bereitwilligkeit überall mitzuhelfen, wo man seine Mitarbeit wünsche, seine Treue und Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung übernommener Pflichten verschaffte ihm viele Freunde und er durfte sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreuen. —

Ein schwerer Schlag war es für ihn, als im Jahre 1901 seine treue Lebensgefährtin durch den Tod von seiner Seite gerissen wurde. Sie starb infolge einer schweren Operation im St. Anthoneys Hospital zu St. Louis. Sterbensbereit und getrost im Glauben schied sie von hinnen, mehr um ihren trauernden Gatten als um sich selbst besorgt. Geschwister Balzers Ehe war kinderlos geblieben, aber an drei Pflegekindern haben sie doch versucht Vater- und Mutterstelle zu vertreten. Unter diesen war auch der Indianerknabe Karl Balzer, der seinen Pflegeeltern manche Sorge bereitete, aber doch als ein bußfertiger Sünder in seinem 21. Lebensjahre gestorben ist. — Als Witwer hat sich Br. Balzer bei allen seinen Amtsbürden und -Sorgen wohl recht einsam gefühlt und konnte es darum als eine freundliche Fügung des Herrn ansehen, daß er in der Witwe des verstorbenen Predigers H. Richert wieder eine Gehilfin fand, die bereit war, Freud und Leid des Ehestandes mit ihm zu teilen. Sie hat in Br. Balzer ihren zweiten Gatten zu Grabe geleitet und überdauert ihn in einem erinnerungsreichen Leben ihres Witwenstandes. — Allen seinen Stiefkindern, die durch seine zweite Frau ihm zugeführt wurden, war Br. Balzer ein freundlicher und liebevoller Vater, dessen Abscheiden sie samt ihrer Mutter mit tiefen Schmerz bedauert haben. Ein wiederholten Schlaganfall hat seinem Leben ein Ende gemacht zu einer Zeit, da man seiner noch so wenig entbehren zu können meinte. Der Vater im Himmel aber hat in seiner göttlichen Weisheit es für besser gefunden, jetzt schon der Lebensarbeit das Br. Balzer eine Grenze zu setzen und ihn heimzurufen zu der Ruhe, die da vorhanden ist dem Volke Gottes.




Date of Birth: 1847 November 6, Russia
Date of Death: 1907 December 8, Kansas



MLA Personal Photos Collection

Biographical note:
Gnadenfeld, Russia
Son of Peter and Susanna (Voth) Balzer
Married Sara Unruh 1870 October 10
Married Helena (Unruh) Richert, Sara's sister, 1902 August 3 (husband 2)
Teacher, minister -- Goessel, Kansas

Bethel alumni note:


Photo holdings:
Individual (screen print)
With wife 1
With wife 1 and two adopted children -- Lehigh, Kansas
-- Charles Littletree, adopted Arapaho, also known as Karl Balzer; Elizabeth Heinrichs (Possibly Elizebeth Heinrich Neufeld 1875-1945, strong resemblance in this photo to her photo with cousins, see Jacob Heinrichs Funk 1878-1951.)
See Manasses Shelly Moyer (1845-1903) for group photo

Sources:
MF Alexanderwohl Church Records Part II p. 122 (70)
Photos from Helen (Goertzen) Bachman 2001 and H. R. Voth
Grandma Profile 30813
Find A Grave 33455493