Prussian/Polish Mennonite History

Primary Sources


Verzeichniß der gehaltenen Predigten samt andern vorgefallenen Merkwürdigkeiten in der Gemeine Gottes in Elbing u. Ellerwald. Von Anno 1778 d. 1ten Januar.


[transcription by Ingrid Lamp of Swift Current, Saskatchewan, in 1987, for the Mennonite Heritage Centre, Winnipeg; she converted all umlauts to ae, oe, ue, and ß to sz]

[This is vol. OK 45 at Weierhof, on microfilm CHR 52 at MLA.]

[an introduction of about 6-7 pages and pages 1-113 were not transcribed by Ingrid Lamp; there are also some other gaps noted in the text below; it appears that the focus of her transcription was on segments related to the beginnings of the migration to Russia]

[p. 114 is blank]


[p. 115] Anno 1786 Monath Januar

Gott segne uns durch seine Guete, sich gnaedig gegen uns erzeigen
d. 1 Januar Am H. Neujahrs-Tage Predigte in der Stadt Eb. Arth. Woelke und ich G. W. im Neuen Hause ueber Luc. 2, 21. Vortrag: Die Beschneidung des alten Bundes als ein Vorbild der geistl. Beschneidung. 1) derselben Ursprung u. Bedeutung, 2) Vorbild so zum Wesen fuehrt.
8 In der Stadt Predigte Es. Is Reimer

im Neuen Hause predigte Ich ueber Jes. 60, 1-6

15 Ich Pred. in der Stadt ueber Text Rom. 12, 1-2. Vortrag: Von dem vernuenftigen Gottesdienst wahrer Christen. 1) Was uns dazu bewegen soll, 2) wie er zu ueben sei.
Claas u. Heinr. Wiebe nebst Joh. Penner vor die Brued. Nach der Predigt waren des verstorbenen Klaas Wiebe in der Sparrau hinterlaszenen Soehne Klaas und Heinrich Wiebe nebst ihrem Schwager Johann Penner vor die Brueder, weil sich nach Absterben ihrer Mutter wegen Theilung einiger Mobilien sich gezankt, und endlich, da der Wortstreit auch auf andre Dinge gegangen sich miteinander geschlagen, vor die Brueder gefordert. Sie bekannten insgesamt ihr veruebtes Unrecht, baten um Vergebung und versprachen, fernerhin vorsichtiger zu wandeln. Nach rechter Ueberlegung fand ihre Abbitte statt; nur wurde ihnen, nebst einem Verweisz, aufgetragen, sich hinfort fuer dergleichen Dinge zu hueten, sonst koennte auch dieses ihnen noch zu wahrer Last[?] gerechnet werden. So ward die Sache abgethan.
Der gleiche Vorfall war auch am verwichenen Sonntag mit Abraham Penner von Schwarztam vor die Brueder im neuen Hause und wurde auf dieselbe Art verhandelt.
15 Es. Harm Regier Predigte im neuen Hause.
22 in Elbing hat Es. Isaaac Reimer die Vorbereitungs-Predigt gethan, ueber Vorrede Ps. 13, 4. Text: 2 Cor. 13, 5. Vortrag: Die Selbstpruefung. 1) derselben Notwendigkeit, 2) Beschaffenheit und 3) Nutzen.
in Ellerwald predigte Es. Fr. v. Riesen ueber Text: Matth. 22, 34-46.
29 In Elbing unterhielten wir das h. Abendmahl, mit 143 Personen, ich Predigte ueber 2. Cor. 5, 21. Es war Thauwetter u. schlechter Weg.
Es. Isaac Reimer hielt in Ellerwald die Vorbereitungs-Predigt.
Nachmittags Predigte Es. Anth. Woelke in der Stadt, ueber Rom. 12, 17-21.
[p. 116]
d. 5. Febr. Wegen des schlechten Weges konnten wir nicht das h. Abendmahl unterhalten;

Ich predigte ueber Col. 3, 12-17.

In der Stadt predigte Es. G. v. Bergen.

am 2ten Hans Penner getraut. Zu Lichtmesztag ward Hans Penner, ein Sohn von Behrend Penner, mit Helena Thieszen die Tochter meines Nachbarn Heinrich Thieszen, bei diesem von G. Frantz v. Riesen getraut.
12 In der Stadt Pred. Es. H. Regier,

In n. Hause Es. Fr. v. Riesen ueber Text Mat. 22, 34-46.

19 In der Stadt pred. Es. G. v. Bergen,

Im n. Hause unterhielten das h. Abendmahl mit 271 Personen und predigte ueber 1 Cor. 11, 23-27.

H. Penner ds. Abendmanl untersagt. Am vorigen Sontag sandten wir zwei Brueder, Hans Warkentin u. Abraham Dyck, an den Hans Penner in Schlamsack, wegen seines Trunken Trinkens, u. haben ihn deswegen vom Abendmahl ausgeschlossen.
Maria Dycken Attest An Maria Dycken ein Attest gegeben, welche mit dem Ja. Luetkeman ehelich verlobet, der auf Altendorf wohnt.
26 In der Stadt Predigte Es. Harm Regier

Im n. H. Es. Harm Niefeld von Blumenort ueber Mat. 11, 28, 29

d. 1. Mart.

Klaas Wiebe

Es. Fr. v. Riesen trauete den Klaas Wiebe, ein nachgeliszener Sohn von Jacob Wiebe mit Hans Entzen Tochter, und
d. 2. Mart. Abr. Penner getraut Abraham Penner, ein nachgelaszener Sohn von Abr. P., wurde mit Maria Kroeker auch von Es. Fr. v. Riesen getraut.
5 In der Stadt Predigte ich ueber 1 Pet. 2, 24.
H. Wieler u. P. Zachariaszen Frau vor die Brueder. Nach der Predigt war Heinrich Wieler und des Paul Zacharias Ehefrau wegen ihres fordauernden verdaechtigen Umgangs vor die Brueder, und weil keine voellige Ueberzeugung oder Gestaendnis ihrer vermuthlich schlecht gefuehrten Lebensart nicht zu finden, wurde ihnen, in Namen der Brueder, aller verdaechtiger Umgang aufs nachdruecklichste untersagt, mit den Andeuten, wenn desgleichen weiterhin von ihnen gespuert wuerde, sie von der Gemeine abgesondert werden solten.
In n. H. Predigte Es. G. v. Bergen.
12 In der Stadt predigte Es. Anth. Woelke.

In n. H. Es. Klaas Reimer, ueber Luc. 18, 31-33.

[p. 117]
d. 19. Mart. In der Stadt predigte Es. Anth. Woelke,

Im n. Hause Es. Dirck Thieszen, Aeltester von Petershagen, ueber Text Marc. 13, 33 bis zu Ende des Cap. Eine erbauliche Predigt.

21 Klaas Johst getraut. Klaas Johst, ein nachgelassener Sohn von Martin Johst, ward mit Anna Wielerin, eine Tochter von Behrend Wieler, auf der Hospitals Camp von Es. Anth. Woelke getraut.
23 Am Donnerstag stellte Es. G. v. Bergen in Gesellschaft des Dienstes vor, dasz er gesinnt sei nach Lichtenau in die Heubudsche Gemeine zu ziehen, und deswegen gern in unserer Gemeine des Dienstes erlaszen seyn wolle. Nach einiger Rede ward beschloszen, die Sache vor der ganzen Bruederschaft zu Probiren.
26 Es. Anth. Woelke predigte in Elbing, da dann nach dem Gottesdienst die Sache wegen Es. G. v. Bergen vor die Brueder gestellett ward.
Gebr. Wiebe aufgenommen

die Sache wegen Oh. G. v. Bergen ueberlegt

Es. Isaac Reimer predigte in n. H. u. nach dem Gottesdienst ward Gebrand Wiebe, ein nachgelaszener Sohn von meinem Bruder H. Wiebe, wiederum als ein Bruder bei der Gemeine aufgenommen. Ferner wurde den Bruedern vorgestellt, dasz Es. G. Bergen gesinnt sei weigzuziehen, und deswegen seines Dienst erlaszen seyn wolle. Nach einige Wortwechsel ward einhellig von der Bruederschaft beschlossen, dasz er, weil keine dringende Ursache zu seinem Wegziehen anzuzeigen sei, Er auch seines Dienstes nicht erlaszen werden koenne, so er aber seinen Vorsatz nicht aendern wolle, koennten wir ihm nicht wehren, stellen ihm aber vor, sein Vornehmen in Gewiszen wohl zu erwegen; ob er auch recht handele? und ob ihm nicht hernach sein Thun gereuen koennte?
d. 2 April In der Stadt predigte Es. Isaac Reimer,

G. Wiebe in n. Hause gepredigt ueber Hebr. 9, die Epistel.

Martin Johst getraut Denselben Tag ward Martin Johst, ein nachgeliszener Sohn von Martin Johst aus dem Ellerwald, mit Elisabeth Penners, des Gerh. Penners Tochter von Elbing, in der Stadt von Es. Anth. Woelke getraut.
9 In der Stadt predigte ich G. W. ueber Phil. 2, 5-12. Vortrag: Der Sinn Christi im wahren Christen 1) die Beschaffenheit des Sinnes Christi, u. 2) der darauf folgende herrl. Loh.

Im n. H. predigte Es. Anth. Woelke.

14 am Charfreitag Predigte in der Stadt Es. Anth. Woelke,
[p. 118]
d. 14. April Am Charfreitag predigte ich G. W. ueber Hebr. 5, 7-6. Vortr. der grosze Versoehntag der Christen. 1) Wie Christus an demselben das grosze Werk der Versoehnung volbracht. 2) Wer dieser Versoehnung theilhaftig wird.
16 Am h. Ostertag predigte in d. Stadt Es. Frantz v. Riesen,

im n. Hause Es. Isaac Reimer, beide ueber das Haupt.

17 Am zweiten h. Ostertag pred. Es. Is. Reimer in der Stadt, und Es. Fr. v. Riesen im neuen Hause. Bei dem Schlusz der Predigt stellte vor, wie auf d. 25. April nach Koenigsberg Kreisen berufen worden, da dann nach meiner Zurueckkunft die Glaubens Lehre vorzutragen, u. die Unterweisung der Jugend anzufangen gesinnet sei. Uebernahm auch den Grusz von unserer Gemeinde an die Koenigsbergsche zu bestellen.
23 Sonntag nach Ostern Predigte ich in der Stadt, ueber Vorrede Jes. 9, 6: Sein Name heiszt Friede Fuerst. Text: Joh. 20, 19-23. Vortr: Die Offenbarung Jesu als des wahren Friede Fuersten. 1) die Offenbarung, 2) die Sendung der Juenger.

Im n. H. predigte Es. G. v. Bergen.

Von der Stadt Gemeine habe den Grusz an die Koenigsbergsche Gemeine abzustatten uebernommen.

27

Fr. Wieler getr.

Am Donnerstage ward Frantz Wieler, ein Sohn von Abraham Wieler, mit Sara Wiensen, die Tochter von Joh. Wiens, in deszen Hof auf Kl. Winterau, von Es. Fr. v. R. getraut.
30 In der Stadt Pred. Es. G. v. Bergen,

Im n. Hause - Es. Is. Reimer

Joh. Wiens getraut Johann Wiens von dem Koenigsberger Chor, ward mit Anna Toewsen, die Tochter von Abr. Toews, von Es. Fr. v. Riesen getraut.
Reise bis Koenigsberg Dienstag, d. 25 dito reisete in Gesellschaft unsres lieben Mitdieners A. Woelke nach Koenigsberg, um daselbst, bei dem schwachen Zustand ihres Aeltesten Isaac Kroecker, das Abendmahl des Herrn zu bedienen, welches auch Sontag, d. 30. dito, durch des Herrn Gnade, von mir bedienet ward. Es. A. Woelke hielte am Sonnabend [p. 119] die Vorbereitungs-Predigt ueber Text: Mat. 18, 23-27. Meine Abendmahls-Predigt hielte ueber 2 Cor. 5, 21. Die Zahl der Tischgenossen waren 84 Personen. Nach Mittag Predigte Es. Wilhelm Zimmerman ueber Text: Col. 1, 12-14. Den 1ten May reiseten wir von Koenigsberg ab, und gelangten folgenden Tages gluecklich zu Hause an.
d. 7 In der Stadt predigte Es.

u. im N. Hause Es.

10 Am Bettage pred. Es. in der Stadt, und

Im N. Hause bedienete ich ueber Vorrede Hohel. 2, 14. Text: Psalm 130 ganz. Vortrag: D. glaeubige Gebet, als eines der Vornehmsten Pflichten des Glaeubigen. 1) deszen Beschaffenheit, 2) Hofnung der Erhoehung, u. 3) Trost.

14 In der Stadt habe die Glaubens-Lehre vorgetragen.

Im N. Hause Es. Isaac Reimer.

21 In der Stadt pred. Es. A. Woelke, u. ward zugleich der Anfang mit dem Vorstellen der Jugend gemacht; den Bruedern ward Nachricht von das Abraham Dycken boeser Wirthschaft gegeben, wie er in dem gemietheten Hause bei dem Bierschenken mit Music und Kegelbahn eine ruchlose Lebensart angestellet, deswegen selbiger vor die Brueder genoetigt werden soll.

Im neuen Hause habe die Glaubens-Lehren vorgetragen, u. die Jugend ward auch vorgestellt.

25 Am Himmelfahrts-Tage Predigte ich im n. Hause ueber Vorrede Joh. 20, 17. Text: Ap. Gesch. 1, 9-11. Vortrag: Die Himmelfahrt Christi. 1) Wie Jesus sichtbarlich vor die Augen seiner Juenger aufgenommen, u. 2) die Juenger von den Engeln Unterrichtet u. getroestet worden.
28 In der Stadt predigte ich ueber die benanndte Worte.
Abr. Dueck vor die Br. genoetigt Nach der Predigt wurde die Jugend gestellet, und folgend Falle Abraham Dueck, der auf dem Vorberg ein Haus gemiethet und wider Rath und Ermahnung des Ehrsamen Dienstes ein Wirthshausz mit Musick und Kegelbahn angelegt, vor die Brueder, wegen dieser schlechten Sache, samt seine Frau sich stellen; aber sie erschienen nicht. Da ward von der Bruederschaft beschloszen, dasz sie abermal genoetigt werden solten um auf den 2ten Pfingsttag vor die Brueder zu erscheinen.
[p. 120]
d. 28 May Im neuen Hause bedienete Ehrs. Isaac Reimer

Nach der Predigt wurden die jungen Leute vor die Brueder vorgestellt.

d. 4. Juny Am ersten h. Pfingsttage predigte in der Stadt Es. A. Woelke ueber Text Joh. 14, 23. und im neuen Hause Es. Fr. v. Riesen ueber Vorrede 1. Mose 28, 17. Text Ap. Gesch. 2, 1-23.
5ten Im neuen Hause Es. Is. Reimer ueber Joh. 14, 23, und in der Stadt Es. Fr. v. Riesen ueber vorigen Text Ap. Gesch. 2, 1-23.
Nach der Predigt war Abr. Dyck mit seine Frau vor die Brueder, weil aber Jac. Warkentin, der bereits die boese Wirthschaft hatte, nicht erschien, so ward die Sache bis ueber 8 Tage verlegt. Die Sache basirte am 21. Mai.
11 In der Stadt habe die Glaubens-Artikel vorgetragen, u. die Jugend wurden, vor die Brueder vorgestellet, 7 Personen.
Im N. Hause pred. Es. Anth. Woelke, u. die Jugend wurde vorgestellt, 19 Personen.
15

Es. G. v. B. nimmt Abschied

Am Donnerstage war Es. Gerhard v. Bergen in Gesellschaft des Dienstes, und erklaert dasz er anjetzo mit seiner Wohnung voellig veraendert, und in die Heubudsche Gemeinde sich begeben, nahm also von uns allen Abschied; wir wuenschten ihm alles Gute von Gott, erklaerten aber, wie es uns lieber gewesen, wenn Er bei uns geblieben, und seinen Dienst am Wort des Herrn unter uns auch weiterhin gefuehret, ersuchten dabei, so oft es Gelegenheit gaebe, uns ersuchen und mit dem Wort der Predigt bedienen wolle. Dasz ist ein Vorfall unter uns ohne Beispiel.
Nach Mittage ward auf dem Lande die Jugend von mir unterrichtet.
18

A. Dyck u. J. Warkentin abgesondert

In der Stadt pred. Es. A. Woelke ueber 1. Joh. 4, 17. 18. 19. Nach der Predigt wurden die Taeuflinge aufgezeichnet, 26 Personen, und dann auch zugleich die Sache von Abr. Dyck und Jac. Warkentin, wegen ihrer wider Rath und Willen der Gemeinde bisher gefuehrten Krug-Wirthschaft, mit Musick und Kegelbahn, und weil ersterer vieler Luegen und einiger Dieberei schuldig erfunden, der andere aber bereits ueber zwei Jahre von dem h. Abendmahl ausgeschloszen gewesen, weil er um Schlaegerei Willen sich nicht in die Ladekopsche Gemeine zu Verantwortung gestellen wollen, als ungehorsame und lose Leute von der Gemeine abgesondert, zu ihrer Beszerung.
[p. 121]
d. 18 Im neuen Hause Prd. Es. Jacob v. Riesen von Rosenorth ueber Text Rom. 7,
25 In der Stadt pred. Es. Anth. Woelke ueber Text
Nach der Predigt wurden von Ihm der Jugend, 7 an der Zahl, die gewoehnlichen Fragen vorgestellt.
Im neuen Hause wurden von mir die Glaubens-Artikel vorgetragen, und der Jugend, 19 Personen, die bekannte Frange vorgelegt. Nach Mittag ward Catechisiret, und zum Eingang eine Rede gehalten, ueber 1. Joh. 3, 23. Vortrag: Glauben und Leben, die zwei Hauptsaeulen des Christenthums.
d. 2 July In der Stadt habe unter goettl. Beistand die Taufpredigt gethan ueber Vorrede 1. Joh. 5, 11. 12. Text. Mat. 28, 18-20.

Folgende Personen wurden mit der Taufe bedient: deren

Geburts Orth Vaeter und Nahmen der Stief Vater

Taeuflinge

Elbing Isebrand Gosen Peter Gosen

Arend Woelk Christina

Dantzig Isaac Buller Abrah. Buller

Dantzig Julius Kroeker Klaas Kroeker

Ellerwald Harm Neufeld Jacob Neufeld Frantz Isaac

Spittalskamp Behrend Wieler Eva

Koenigsberg Cornelius v. d. Cornelius; der Vater wohnt jetzt

in Warschau Meers Dieser ward zurueck gesetzt, weil Er von

ueblem Verhalten, von seinem Herrn

Hingelsberg, Abschied bekommen. Ward

am 16 dito bedient.

Im Neuen Hause predigte Es. Harm Regier, Text Luc.
Vom 26 Juny Es. I. Kroeker d 25 dito gestorben Aus Koenigsberg erhielte ein Schreiben von dem lieben Mitdiener Zacharias Schroeder, darin das Absterben ihres wuerdigen Aeltesten Isaac Kroeker bekannt gemacht ward. Er schreibt unter anderen Worten also: - So dienet dieses nur den sehr schmerzlichen Todesfall bekant zu machen. Es gefiel dem Groszen Herrscher ueber Leben u. Tod, Ihn gestern gleich Nachmittage um halb 2 Uhr aus der Zeit in die Ewigkeit zu versetzen. Er starb mit einer gesunden [p. 122] Vernunft, u. ist aufs letzte gantz sanft eingeschlafen. - Ich war vor drei Tage bei Ihm - Er hat noch viel, weiwohl mit einer schwachen Stimme, mit mir gesprochen, unter andrem -: Ich gehe von euch; haltet aber fest am Glauben; wendet allen Fleisz und Kraefte an, die Gemeine zu erhalten etc. Kurz, der Verlust ist nicht so bald zu ersetzen; wir sind elend daran. Die Gemeine ist klein, die noch sind, wollen das Lehramt nicht annehmen. Wie dann weiter? Die Krone unseres Haupts ist gefallen. O wehe, das wir so gesuendigt haben! Verbl. euer - - - Zach. Schroeder.

Ich habe an diesen Mann einen Herzens Freund verloren. Der Herr erbarme sich, und schicke einen tichtigen Mann an des Verstorbenen Stelle!

d. 9 July [1786] Im neuen Hause bedienete die Taufe an 19 Personen, und predigte ueber Vorrede Joh. 3, 15. Text: Ap. Gesch. 2, 37-42. Vortrag: Die wahre Gestalt glaeubiger Taeuflinge. 1) dasz sie ueber ihre Suenden bekuemmert sind; 2) Glaeubig zu Jesu kommen u. sich bekehren; Auf den Glauben sich taufen laszen, u. 4. den Weg der Wahrheit wandeln, u. im Guten bestaendig bleiben.

Die Taeuflinge waren folgende:

Namen der Taeufl. Geburts Orth Vaeter Stiefvater

Cornelius Wieler (1) Ellerwald 1 Trift Hans Wieler

Abraham Wiebe - - - Klaas Wiebe

Isaac Toews - - - 3 Trift Isaac Toews

Gerhard Dyck Poselge Peter Dyck

David Dyck Poselge Peter Dyck

Michael Dyck Doerichthoff Philip Dyck Loewens

Agneta Dycken Doerichthoff Philip Dyck Loewens

Heinrich Gosen Grosz Wickerau Hans Gosen

Agneta Gosen Grosz Wickerau Hans Gosen

Maria v. Riesen Reinland Cornelius v. Riesen

Sara Boschm. Walddorf Heinrich Boschman

Catharina Hieberts Sommerauer Sand Hans Hiebert

meine Tochter Margareta Wieben Ellerwald 1 Trift Gerhard Wiebe

Maria Bachmans Einlage Samuel Bachman

Maria Neufelds Ellerwald 3 Trift Jacob Neufelds

Agneta Dycken " Jacob Dyck Jacob Dyck

Catharina - - Milentz Abraham Dyck Peter Klaaszen

Helena Isaacen Ellerwald 1. Trift Jacob Isaac

Cornelia Harms - - 3. - - Hans Harms

[p. 123]
9 [July 1786] In der Stadt Pred. Es. Fr. v. Riesen.
13 [July 1786]

Jac. Litkeman u. Frau vor den Dienst

Am Donnerstag, waren Jacob Litkeman mit seine junge Frau, die vor etliche Wochen von Ihm, in der Nacht, da Er nicht zu Hause gewesen, entlaufen, und unterschiedene von seinen Guetern mitgenommen hatte, vor das Gesellschaft des Diensts, weil er mit ihrer Untreue gar nicht zufrieden. Sie gab auch ungehaltene Worte, nannte Ihn einen Hurenbruder, an den sie durch Luegen und Betrug gerathen. Ihr Stiefvater hatte schon zuvor die Gebrueder Thimmen beschuldigt, wegen dieser schlechten Heirath, weil sie die Anwerbung sehr ausbillig behandelt; selbige aber ueberzeugten sowohl Ihn als die junge Frau, dasz von ihnen wegen der Heiraths-Sache nichts weiter als die Warheit, und wie es Werbungs-Crutten[?] gezieme, geredet worden. Jacob Wiebe u. sein Sohn Isaac wurden hart beschuldiget, dasz sie die groeszten Schuldner in der Sache, weil ersterer die ganze Heirath mit Wiszen und Willen seiner Frauen selber zu stande gebracht, und letzterer habe die Weglaufung befoerdert, weil er mit einem Kahn sowohl die junge Frau, als seine Halbschwester, wie auch die Gueter des Mannes selber abholen halfen. Endlich versprach Jacob Wiebe, dasz er alles was weggeholt worden, wieder hinschaffen wolle; womit beide Parteien zufrieden waren.
16 [July 1786] In der Stadt hielte Es. Anth. Woelke die Vorbereitungs-Predigt, und im n. Hause predigte Es. Frantz v. Riesen.
In der Stadt ward nach der Predigt, in Gegenwart der Brueder, Corn v. d. Meersch, weil seine Sache am verwichenen Sontag vor die Bruederschaft gestellet u. nicht so wichtig befunden worden, dasz Ihm die Taufe entzogen werden solte, dieser v. d. Meersch mit der Taufe bedient.
20 [July 1786] Am Donnerstag meldete sich J. Litkeman, dasz Jac. Wiebe das gethane Versprechen schlecht gehalten, indem er ihm zwar die Frau, aber nicht alle entwante Gueter wieder geliefert. Seine Frau waere auch gleich darauf wieder von ihm gegangen.
23 [July 1786] In der Stadt unterhielten wir das h. Abendmahl mit 183 Personen; ich redete ueber Joh. 3, 16. Also hat Gott die Welt . . . Nachmittags hielt Es. A. W. die Dankpredigt.
Christina Fr. aufgenommen Im n. Hause hielt Es. Fr. v. Riesen die Vorbereitungs Predigt. Nach der Predigt ward Christina Friesens, die eine geraume Zeit auszer der Gemeine gestanden, durch Es. Frantz v. R. in die Gemeine aufgenommen.
30 [July 1786] In der Stadt Pred. Es. Is. Reimer.

Im Neuen Hause unterhielten wir das h. Abendmahl mit Personen.

Mein Vortrag war ueber Jes. 63, 6. 7.

[p. 124]
d. 6. Aug. [1786] In der Stadt predigte

Im n. Hause pred. Es. Isaac Reimer.

13 [Aug 1786] In der Stadt predigte

Im neuen Hause Es. Harm Regier ueber

J. Letkeman u. J. Wiebe vor die Brueder Am 6ten Aug. war Jacob Letkeman und deszen Schwieger Vater Jac. Wiebe vor die Brueder, wegen dem, dasz des Letkemans Frau ihn abermals verlaszen; Er klagte auch, dasz J. W. sein Versprechen nicht gehalten und die entwanten Gueter ihm nicht alle zurueck gegeben, auch sein ausgelegt Geld ihm nicht wieder gegeben. Von den Bruedern ward darauf beschloszen, dasz J. Letkeman Fleisz anwenden solte, seine Frau mit Liebe zu anderer Gesinnung und zur Wiederkehr zu bewegen, und dasz noch etwas auf die Zeit gesehen werden soll. Dem Jac. Wiebe aber ward aufgegeben; dasz er dem Letkeman das ausgelegte Geld, ohne Aufschub, richtig bezahlen soll.
20 [Aug 1786] In der Stadt predigte Es. Frantz v. Riesen, ueber Text

Im neuen Hause Es. Anth. Woelke ueber Text Luc. 19, das Evangelium.

P. Klaszen abgesondert Nach der Predigt ward Peter Klaszen, ein Stiefsohn des Behrend Wieler von der Gemeine abgesondert, weil er seine Ehefrau verlaszen, den Hans Dyck von der Weiszen[?] auf eine gewisze Summa Geld betrogen, und vielmahl trunken gewesen, auch mit Fluchen und schandbare Worte seinen schlechten Wandel bezeuget. Gott wolle ihm sein Herz ruehren, u. eine rechtschaffene Busze in ihm wuerken.
Des Koenigs v. Pr. Friedrich II. Absterben. An diesem Tage, gegen abend, kam in Elbing ein Courir an, mit der wichtigen Nachricht, dasz Sr. Magestat Friedrich II. Koenig von Preuszen, am verwichenen dito, durch den zeitl. Tod in die Ewigkeit berufen worden, in einem Alter von 74 Jahr 6 Monath, 3 Wochen und 4 Tage.
Ich war an demselbe Tag bis Heubuden verreiset, und Predigte daselbst ueber Vorrede; dasz eines wahren Christen Ruhm in Christi Kreuz u. Tod. Text: 1 Pet. 2, 21-24 Vortrag: Die Gedult im Leiden als ein nothwendiges Stueck des wahren Christentums. 1. Weil wir dazu berufen sind, u. 2. durch Christi Vorbild dazu angewiesen werden.
27 [Aug 1786] In der Stadt predigte Es. Harm Regier,

Im N. H. Es. Fr. v. Riesen.

Ich verreisete bis Rosenorth, u. Predigte daselbst ueber Vorrede Jes. 66, 2. Text: Luc. 18, 9-14. Vortrag: Die eigene Gerechtigkeit u. wahre Buszfertigkeit. 1. an den Pharisaeer u. 2. an den Zoellner.

Daselbst beredete auch mit G. Dirck Tieszen wegen eine Zusammenkunft.

[p. 125]
d. 3. Sept. [1786] In Elbing predigte Es. Fr. v. Riesen,

Im N. Hause Es. Anth. Woelke ueber Text: Jer. 18, 7. 8.

4 [Sept 1786] Auf Heubuden war Zusammenkunft wegen dem Absterben des alten und Antritt des neuen Koeniges; wie wir uns dabei zu verhalten? Von uns reiseten dahin Es. Fr. v. Riesen u. Es. Isaac Reimer. Es ward beschlossen, dasz zwei Abgeordnete bis Koenigsberg zur Huldigung des Koenigs reisen u. um Bestaetigung unseres Privileges bitten solten.
10 [Sept 1786] In Elbing pred. Es. Harm Regier -

Im N. Hause pred. Es. Fr. v. Riesen.

11[?] [Sept 1786]

19

Huldigung des Koenigs

Unsere Deputirten reiseten nach Koenigsberg, naemlich Es. Heinrich Donner von Orloffer Feld, und Es. Cornelis Warkentin von Rosenorth; sie wurden am 19ten dite mit zur Huldigung gezogen u. muszten /: nach den Grundsaetzen unseres Glaubens :/ den Eid der Treue in Gesellschaft des Lehrers unserer Koenigsbergschen Gemeine Es. Wilhelm Zimmerman und der beiden Mennonisten Deputirten aus Litthauen leisten, welches auch zugleich alle Staende von Ost- und West Preuszen, auf ihre Art und Weise thun muszten. Nachgehends wurden sie ein jeder mit einer Silbern Huldigungs-Medaille beschenkt, davon auch eine zum Andenken erhalten. d 22ten langten sie gesund und gluecklich mit dieser erfreulichen Nachricht in Elbing an. Mein Sohn Gebrand war auf der Reise ihr Aufwaerter.
17 [Sept 1786] In der Stadt pred. Es. A. Woelke ueber 1 Kron. 18, 8. Und habe dir einen Namen gemacht, etc. Dieser Text ward durchs ganze Koenigreich, als eine Gedaechtnis Predigt auf das Absterben des Koenigs zu Predigen verordnet: Weil aber unserer Gemeine nichts gemeldet ward, habe auch nicht darueber gepredigt, Es. Fr. v. Riesen pred. im N. Hause.
24 [Sept 1786] In der Stadt pred. Es. A Woelke,

Ich pr. im neuen Hause ueber Gal. 6, 7. 8.

d 28ten [Sept 1786] Ehrw. Cornelis Regier, der Aelteste von Heubuden reisete mit Gesellschaft nach Koenigsberg, um daselbst Taufe, Abendmahl u. Wahl eines Lehrers zu bedienen. Sie waren die Nacht bei Ehrs. I. Reimer.
[p. 126]
d 1 Octobr. [1786]

P. Hiebert getraut

Ehrs. Anthony Woelke predigte in der Stadt die Erndte Predigt

Ich G. W. hielte im N. Hause die Erndte Predigt ueber Text: Ap. Gesch. 14, 15-17. Wir predigen euch ds. Evangl.

Vortrag: Das Zeugnis der Guete Gottes. Wie 1. die Predigt des Worts, u.2. die Gaben der Natur deutl. Zeugnisse der Guete Gottes sind. In der Stadt ward Pet. Hiebert, Jacob Hieberts Sohn, mit Anna Penners, die Tochter von Abr. Penner, in der Versammlung getraut.

In der Sparrau predigte Es. Fr. v. Riesen.
8 [Oct 1786] Ich Predigte in der Stadt, ueber Rom. 8, 1-2. Vortrag: Der selige Zustand derer, die in Christo sind. 1) Was es eigentl. heiszt: In Christo seyn. 2) Der selige Zustand derselben, a) ds. fuer sie keine Verdammnis sei, b) auch die Suende nicht ueber sie Herrsche. 3) Wie sie in diesem seligen Zustand befestigt werden.
Es. Isaac Reimer predigte im neuen Hause ueber Joh. 15, 5.
10 [Oct 1786] Es. Cornelius Regier kommt von Koenigsb. zurueck Es. Cornelius Regier kam von Koenigsberg in Gesellschaft seines Mitdieners Peter Braun, u. des Bruders Isaac Jantzen; sie waren abermals bei Es. Isaac Reimer die Nacht.

Sie brachten die erfreuliche Nachricht, dasz alles, unter Goettl. Beistand, daselbst glueckl. vollzogen, 6 Personen mit der h. Taufe bedient, 2 Mahl das h. Abendmahl gehalten, und ein Lehrer Heinrich Penner, auch ein Diacon Johann Wieler erwehlet worden. Folgenden Tages setzten sie ihre Reise weiter fort.

P. Jantzen u. H. Wiebe vor die Brueder Am verwichenen Sontag waren Peter Jantzen und Hans Wiebe, ein nachgelaszener Sohn von Jacob Wiebe, vor die Brueder wegen Trunken trinken. Auf gethane Bitte und Zusage von Beszerung, ist beschloszen, auf ihren zukunftigen Wandel zu sehn; ob sie ihr Versprechen nachkommen wuerden? Wo nicht, so solle dieses Verbrechen auch kuenftighin gedacht werden.
I. Loewens getraut Am Verwichenen Sontag ward Isaac Loewens, des Is. Loewen Sohn von Tiegenhof, mit Margaretha Entzen, die Tochter von Hans Entz, von Es. A. Woelke in der Versammlung getraut.
15 [Oct 1786] Es. Isaac Reimer predigte in Elbing,

Ich bediente im Neuen Hause, ueber 1. Cor. 13, 1-8. Vortrag: dasz die wahre Liebe die allernothwendigste u. fuertrefflichste Gabe sei. 1) deren Nothwendigkeit, u. 2) deren Fuertrefligkeit.

[p. 127]
J. Wiens mit Susanna Goosen getr. N. B. Ungefaehr im September-Monath ward der Wiens, ein Sohn von Frantz Wiens in Herrnhagen, mit Susanna Goosen, eine nachgelaszene Tochter von Frantz Goosen in Balau, daselbst von Es. Harm Regier getraut.
22 Oct. [1786] In der Stadt predigte Es. Anth. Woelke,

Im neuen Hause predigte Es. Ernst Voot von Brenkenhofswalde bei Driesen, ueber Vorrede Micha 6, 8. Text: Hebr. 4, 1. Eine erbauliche Predigt.

24 [Oct 1786] Am Dienstage predigte Es. Ernst Voot in der Stadt, ueber Text: 2 Cor. 5, 20. und sein Reise Gefaehrter der Es. Aelteste Peter Jantz hielte auch eine kurze und buendige Nachrede, und endlichen liebreichen Abschied.
29 [Oct 1786] Es. Anth. Woelke predigte in der Stadt,

Ich predigte im neuen Hause ueber Eph. 5, 15-21. Vortrag: Von der Fuersichtigkeit und wahren Weisheit der Christen.

d. 5 Nov. [1786] In der Stadt predigte Es. Anth. Woelke.
Hans Wiebe vor die Brued. Hans Wiebe, ein nachgelaszener Sohn von Jacob Wiebe war vor die Brueder wegen Trunkenheit: ueber welches Laster sowohl Er als Peter Jantzen d. 8ten Oct. vor die Brueder gewesen sind, ist nochmals auf versprochene Beszerung uebersehen worden.
Im neuen Hause predigte Ich ueber Vorrede 1. Kor. 9, 26. Dasz das Christenthum einem Lauf u. Kampf aehnlich sei. Text: Eph. 6, 10-18. Vortrag: Christen als geistl. Kaempfer. 1) gegen wen sie zu kaempfen haben, 2) wie d. Kampf zu fuehren;
12 [Nov 1786]

Peter Bauer abgesondert

Es. Isaac Reimer predigte in der Stadt.

Ich im neuen Hause ueber Vorrede Ps. 130, 1-4. Text: Matth. 18, 23-35. Vortrag: Die wichtige Sache der Vergebung unserer Suenden. 1) die Nothwendigkeit derselben, u 2) wozu uns die Vergebung der Suenden bewegen soll. Peter Bauer ward wegen Hurerey von der Gemeine abgesondert.

19 [Nov 1786] Ich predigte in der Stadt ueber Vorrede Joh. 5, 28. 29. Text: 1 Tess. 4, 13-18. Vortrag: Von der Auferstehung der Todten. 1) derselben Gewiszheit. 2) Umstaende, und 3) Trost.
H. Wieler und die Zachariasche von der Gem. abgesondert Nach der Predigt ward Heinr. Wieler, der wider Rath und Willen des Diensts bei Paul Zacharischen seine Wohnung genommen, da es ohnedem offenbar, dasz er mit deszen Ehefrau einen [p. 128] unzuechtigen Umgang gefuehrt, von der Gemeinde abgesondert, und die Ehefrau des P. Z. wurde auch von der Gemeine gethan.
Im N. Hause pred. Es. Fr. v. Riesen.
d. 23. Nov. [1786] Catharina P. vor den Dienst Am Donnerstag war Catharina Peterschen, eine nachgelassene Tochter von Elias Peters zu Baumgart bei Christburg, in Gesellschaft ihrer Mutter und Bruders, vor dem Dienst: Weil sie sich mit dem Grosz Mausdorfschen Organist, nahmens Baltzer ehelich verlobt, auch darauf von dem Luth. Prediger Silber bei Elbing, ohne vorhergehende Unterweisung in der Lutherischen Religion, als ein Mitglied auf- und angenommen worden. Sie bekannte, dasz ihr die ganze Sache sehr gereue, und daher den Organisten abgesagt habe, auch gern wieder zu unserem Glauben zurueckkehren wolle. Ihr wurde von uns die Heirath nachdruecklich wiederrathen, und wegen des Zurueckkehrens zu unserer Religion ein gruendliches Umdenken angeraten: damit sie nicht so ohnbedacht wiederkomme, wie sie weggegangen war. So blieb die Sache bis zu ihrem genugsame Entschlusz ohne Entscheidung stehen. Gott gebe ihr das Beste!
26 [Nov 1786] Ehrs. Anth. Woelke predigte in der Stadt,

Ehrs. Isaac Reimer im neuen Hause,

und Ich lehrte in Sparrau ueber Vorrede Math. 25, 6. Text: 1 Tesz. 5, 1-5. Vortrag. Von der Zukunft des Tages des Herrn. 1) die gewiszheit der Zukunft, u. 2) die noethige Zubereitung gegen dieselbe.

Nach der Predigt liesz Peter Bauer an die Bruederschaft bittlich ersuchen, dasz er wiederum bei der Gemeine moege auf und angenommen werden.
d 3 Dec. [1786] Am ersten Advent predigte Es. Anth. Woelke in der Stadt.

Im neuen Hause predigte Es. Frantz v. Riesen ueber 5 Mos. 18, 19.

7 [Dec 1786]

Heinr. Suderman vor d. Dienst.

Am Donnerstag war Heinr. Sudermann vor dem Dienst, weil er genugsam ueberzeugt war, dasz er sein Versprechen, wegen Unterlassung des trunken Trinkens, nicht gehalten, auch sonst, durch Umgang mit schlectgesinnten Leuten, seine Unart zu erkennen gegeben. Seine Frau ward auch wegen verdaechtigem Umgang mit einem Feldscher beschuldigt; sie war aber nicht gegewaertig. Beide solten den folgenden Sontag vor die Brueder erscheinen. Er versprach viel Beszerung, und bat instaendigst, dasz er und seine Frau nur noch dieses Mahl [p. 129] nicht vor die Brueder sich gestellen duerften. Ihre schlechte Sache soll doch den Bruedern vorgestellet werden.
d 10 Dec. [1786] In der Stadt predigte Es. Frantz v. Riesen ueber verbranndten T.

Im N. Hause Es. Harm Regier ueber

17 [Dec 1786] In der Stadt predigte

Im N. Hause Es. Fr. v. Riesen abermahl die vorige Predigt.

24 [Dec 1786] In der Stadt predigte Es. Harm Regier.

Im N. Hause Es. Isaac Reimer ueber Text: Luc. 21, 3a. Aber huetet euch, das eure Herzen nicht beschweret werden mit Freszen usw.

25 [Dec 1786] Am ersten h. Weinachtstage predigte ich im neuen Hause ueber Text: Jes. 9, 2-7. Vortr. eine prophetische Weissagung von der Zukunft Christi im Fleisch usw.

Es. Anth. Woelke in der Stadt; u. Es. Harm Regier in Sparrau.

26 [Dec 1786] Am 2ten H. Weinachtstage predigte Es. Is. Reimer in der Stadt und Harm Regier im Neuen Hause, ueber Text: Luc. 2. Evangel.

Ich predigte zu Tiegenhagen ueber Text: Tit: 2, 11-14.

31 [Dec 1786] Am letzten Tage des Jahres predigte in Elbing Es. A. Woelke.

Im neuen Hause predigte Es. Frantz v. Riesen von Petershagen ueber Vorrede Jes. 46, 8. 9. Text Psalm 119, 176.

Gerhard Dyck getraut Am verwichenen 3ten Advent ward Gerhard Dyck, ein Sohn von Frantz Dyck, mit Agatha Penners, eine Tochter von weiland H. Penner von Dantzig, in der Versammlung in Elbing getraut.
Im verwichenen Jahre vom 15. Nov. bis zum 15 Nov. 1786 sind in unserer Gemeine 14 Getraute Paare, Gebohrene Soehne 15, Toechter 22, Summa 37. Gestorben: 11 maennliche, und 9 weibl., Summa 20.
[p. 130] Anno 1787 Januar

Gott segne uns durch seine Guete.

d. 1. Jan. [1787] Am h. Neujahrstage predigte ich in Elbing, ueber Vorrede 1. Sam. 7, 12. Bis hieher usw. Text Luc. 2, 21. Und da 8 Tage . . .
Pet. Bauer angenommen Nach der Predigt ward Peter Bauer, der wegen seines unzuechtigen Wandels von der Gemeine abgesondert gewesen, wieder aufgenommen.
Im Ellerwalde predigte Es. Isaac Reimer.
7 [Jan 1787] In Elbing predigte Es. Is. Reimer.

Im N. Hause Es. Anth. Woelke, ueber Text. Mat. 2, 1-11. Vortrag: Die Redlichkeit in ihrem Kampf und Sieg. 1) Der Kampf. 2) Der Sieg.

14 [Jan 1787]

G. Behrends Tochter abgesondert

In Elbing predigte ich. G. W. ueber Vorrede Phil. 1, 27. Text. Roem. 12, 7-16. Vortr.: Die Pflicht und Schuldigkeit wahrer Christen. 1) bei besonderen Umstaenden. 2) insgemein. George Behrends Tochter wegen Unzucht abgesondert.

In Ellerwald Es. Harm. Regier gepredigt.

16 [Jan 1787]

Attestat von Pet. Entz

Aus dem Ladekoppschen Quartier erhielten wir Attestat wegen Peter Entz, ein nachgelaszener Sohn von weiland Arend Entz daselbst, der sich mit Peter Klaaszen Wittwe ehelich verlobt und bei uns getraut zu werden verlangt.
21 [Jan 1787]

Letkemann u. Wiebe vor die Brueder

In Elbing predigte Es. A. Woelke die Vorbereitungs-Predigt ueber Text.

Im Ellerw. pred. ich, ueber Vorrede Mat. 11, 29. Lernet von mir, denn ich bin sanftmuetig und von Herzen demuetig. Text. Rom 12, 17-21. Vortrag: Die Uebung des wajrem Christenthums in Demuth und Sanftmuth. Nach der Predigt waren Jac. Letkemann u. J. Wiebe vor die Brueder; Jacob Wiebe ward beschuldiget, dasz er sein Wort nicht gehalten, weil er dem Letkemann das Geld, was er ausgelegt, nicht wieder gegeben. Er antwortete: dasz er solches seiner Frau gegeben, welches aber nicht fuer hinlaenglich gerechnet ward, weil die Frau von ihm (: dem Letkemann :) entlaufen, auch nicht wiederkommen will. Die Sache blieb ohnentschieden. Dem Jac. Wiebe wurde samt Frau und Sohn, auch der Letkemansche, das Abendmahl entsagt;

28 [Jan 1787] In Elbing unterhielten wir das h. Abendmahl mit 155 Personen. Ich predigte ueber Vorrede Joh. 1, 29. Text: Jes. 53, 6. 7.

Im Ellerwald hielt Es. Fr. v. Riesen die Vorbereitungs-Pred.

[p. 131]
28. Januar [1787] Nachmittage ward von Es. Anth. Woelke eine Dankpredigt gehalten, ueber Vorrede 1. Cor. Text. 1. Kor. 5, 6. 7.
d. 4. Febr. [1787] Es. Is. Reimer predigte in Elbing. Text:

Im Ellerwald unterhielten wir das h. Abendmahl mit 319 Personen; mein Vortrag war wie am 28. Januar.

11. [Feb 1787] In Elbing predigte Es. Harm Regier ueber Vorrede 1. Mos. 12, 1. Text: Joh. 10, 27. 28.

Im Ellerwald hielt Es. Anth. Woelke die Dankpredigt.

Letkemann und seine Frau abermals vor die Brueder Nach der Predigt war der Jacob Letkemann mit seiner entlaufenen Frau vor die Brueder; Sie wollte sich noch nicht bequemen, bei ihrem Mann sich zu begeben, obwohl ihr von dem Dienst und den Bruedern solches aufs aller instaendigste gerathen ward, und auch noch etwas Bedenkzeit gelassen wurde.
18. [Feb 1787] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke ueber Text: 1. Kor. 13, 1-13.

Im Ellerwald Es. Harm. Regier ueber vorigen Text.

25 [Feb 1787] In Elbing predigte Es. Isaac Reimer ueber

Ellerwald bediente ich, ueber Vorrede 1. Joh. 4, 9. 10. Text: 1. Cor. 13, 1-13.

d. 1. Mart. [1787] Catharina Peters haelt an um Vergebung weg. ihrem Irrthum. Am Donnerstag kam die Tochter von weiland Elias Peters aus eignem Trieb vor den Dienst, u. hielte bittlich an, wieder bei der Gemeine angenommen zu werden. Nach genugsamer Ueberlegung wurde ihr geanthwortet; dasz ihr Begehren den Brudern kund gethan werden soll, darauf sie denn, bei besserm Weg, und guter Ueberlegung um fernerhin getreu zu sein, sich bei Es. Anth. Woelke und Is. Reimer weiter zu melden habe; Da dann ihre Sache abermahl vor die Brueder gestellet werden soll, um zu vernehmen, ob nach geschehener Abbitte ihr das grobe Vergehen vergeben, und ihr die Freiheit ertheilt werden wird, wiederum zu den geistlichen Handlungen, davon sie eine Zeitlang ausgeschlossen gewesen, zugelassen werden koenne.
4. [Mar 1787] In Elbing predigte Es. Frantz v. Riesen

und in Ellerwald Es. Isaac Reimer ueber Text Joh. 1, 29.

Nach der Predigt ward die Sache von Catharina Peters den Bruedern vorgestellt, und zum Ueberdenken gegeben, weil dergleichen unseres Wissens noch niemahls in der Gemeine vorgefallen, damit, wenn kuenftig dieselbe entschieden werden soll, wir dann mit guter Ueberlegung handeln moechten.

Auch wurde den Bruedern um Rath gefragt, wie es mit unserm ins Stocken gerathenen Schulwesen zu bessern sey?

[p. 132]
Pet. Entz getraut. Im Monath Januar ward Peter Entz, ein nachgelassener Sohn von Arend Entz in Ladekopperfeld, mit der hinterbliebenen Witwe von Peter Klaaszen in Studhof, vom Ehrs. Frantz v. Riesen getraut.
Harm Wiens getraut d. 27. Februar ward Hermann Wiens, ein nachgelassener Sohn von Julius Wiens zu Marienburg, mit Christina Reimers, eine Tochter unseres Mitlehrers Isaac Reimer in Elbing von Ehrs. Anthony Woelke getraut.
d. 11. Martius [1787] In Elbing predigte Ehrs. Anthony Woelke ueber Text: Mat. 26, 36.

Im Ellerwald predigte Ehrs. Frantz v. Riesen ueber Text. Eph. 5, 1-9.

18. [Mar 1787] In der Stadt pred.

u. in Ellerw.:

20. [Mar 1787] Hans Dyck getraut Hans Dyck, ein nachgelassener Sohn von Hans Dyck in Finkenstein, ward mit die hinterbliebene Wittwe von Behrend Wieler, von Es. Fr. v. Riesen getraut.
25. [Mar 1787] In Elbing predigte Es. Frantz v. Riesen,

u. im Neuen Hause Es. Isaac Reimer ueber Text, wie am 4. Mart.

d. 1. April [1787] In Elbing predigte Es. A. Woelke ueber Text:

In Ellerwald - Es. Harm Regier ueber Text Jes. 66, 2.

6. [Apr 1787] Charfreitag, in d. Stadt Es. Is. Reimer

in Ellerwald Es. Fr. v. Riesen ueber Text: Ebr. 9, 11-15.

8. [Apr 1787] Ostertag, in der Stadt Es. Anth. Woelke ueber Text.

in Ellerwald ich G. W. ueber Joh. 20, 1-18.

Ostermontag, Elbing ich - ueber Luc. 24, 13-35.

Ellerwald - Harm Regier ueber Text Marc. 16, 1-8.

15. [Apr 1787] Predigte in Elbing Es.

- - - Ellerwald Es. Harm Regier, ueber Text Es. 66, 2. Ich . . .

22. [Apr 1787] - - - Elbing E. Anth. Woelke ueber Text Joh. 10. Evangl.

- - - Ellerwald. Harm Regier ueber vorigen Text.

29 [Apr 1787] Habe ich in Elbing die Glaubens-Lehren vorgetragen.

im Ellerwald predigte Es. A. Woelke, ueber Text:

Isaac Tieszen getraut Am verwichenen 22. ditoward Isaac Tieszen mit Maria Dycken, eine nachgelasseneTochter von Abr. Dyck von Milnuther Feld von Es. Anth. Woelke in der Stadt-Versammlung getraut.
[p. 133]
d. 22. April Andr. Koop getraut ward Andreas Koop von die Zeyersche Kampen mit Maria Jantzens, eine nachgelassene Tochter von Kornelius Janzen von Klein Holstein, von Es. Frantz v. Riesen getraut.
d. 2. May [1787] Am Bethtage predigte in der Stadt Es. Anthony Woelke.

- - - im Ellerwald Es. Isaac Reimer ueber Sir. 18, 22.

6. [May 1787] In der Stadt pred. Es.

Im Ellerwald habe die Glaubens Lehren vorgetragen. An beiden Stellen wurden die Ankoemmlinge gestellt.

Von Heubuden erhielte abermahl ein Schreiben wegen Klaas Entz, welcher seiner verstorbenen Frauen Tochters Tochter, wieder allen guten Rath erstlich lange bei sich gehabt, unzuechtig mit ihr gelebet, und endlich sie geheyrathet, und bei einem reformierten Prediger sich trauen lassen. Nun aber beide eine Zeitlang mit vielem Bitten und Flehen bei der Gemeine um Vergebung u. Aufnahme in die Gemeine angehalten, so dasz die allermeiste unter den Bruedern gern sehen moegten, dasz ihnen geholfen wuerde. Darueber wurde auch unser Gutachten befraget. Wir haben zuvor muendlich, dieses Mannes Verbrechen fast hoeher in der Verschuldigung, gegen den Ehrs. Dienst zu Heubuden, zu erkennen gegeben, als wenn jemand eine Auszentrau gethan, u. daher ihre Annahme sehr schwer geachtet. Nun aber antworteten im Nahmen des Ehrs. Diensts: Die Sache scheint uns sehr bedenklich. Die gebrauchte Vorsichtigkeit, mit Zuziehung der ganzen Bruederschaft alles wohl zu ueberlegen, gefaellt uns wohl, und was darin beschlossen worden, ueberlassen wir gern der G. G. á Costi, u. wuenschen herzlich, dasz hinfort der gleichen Vorfaelle sich nicht mehr hervor thun moegten. Man mag die Sache betrachten, von welcher Seite man wollte, so bleiben allemahl viel Bedenklichkeiten deswegen uebrig. Indessen soll unsre Liebe und Duldung sich so weit erstrecken, dasz wir H. Gemeine wegen der Sache keinen Vorwurd zur Beschuldigung machen werden.
13. [May 1787] In der Stadt habe die Glaubens-Lehre vorgetragen.

Auf dem Lande predigte Es. Frantz v. Riesen, ueber

17. [May 1787] Am Himmelfahrtstage predige Ich im Ellerwalde ueber Act. 1, 9-11.
[p. 134]
d. 20. May [1787] In der Stadt pred. Es. A. Woelke,

im Ellerwald habe ich die Glaubens-Lehre vorgetragen.

27. [May 1787] In der Stadt pred. Es. Is. Reimer, ueber Text:

im Ellerwald Es. Anthony Woelke ueber Text: Ap. Gesch. 2, 1-

28. [May 1787] Am 2ten h. Pfingsttage: pred. Ich in der Stadt ueber Ap. Gesch. 16, 42-48.

Und im Ellerw.: Es. H. Regier ueber Text Ap. Gesch. 2, 1-

d. 3. Juny [1787] In der Stadt predigte Es. Fr. v. Riesen

in Ellerwald Es. Isaac Reimer.

10. [June 1787] In der Stadt pred. Es. Isaac Reimer

im Ellerwald Es. Fr. v. Riesen, ueber Text. Offenb. 2, 7.

d. 14. [June 1787] H. Entz mit Wittw. Neust. getraut Am Donnerstag ward Hans Entz mit die nachgebliebene Wittwe von Gert Neustaedter im Elbingschen Kirchenhause von Fr. v. Riesen getraut.
Auf die Zusammenkunft in Kozelitczke war ich und Es. Anth. Woelke gereiset, wegen der Reise, nach Berlin die beiden Deputierte Heinr. Donner und Cornelius Warkentin zu vernehmen: welche wegen Confirmation unsres Privilegiums und Aufhebung der Concessionen beim Ankauf bei dem Koenige angehalten. Die Confirmation haben sie erlangt, aber der Ankauf soll nicht ohne Concession vom Dirrectorium geschehen, welche aber gantz ohne Entgeld, auch ohne Stempel Bogen und Post Porto ertheilt werden soll.
17. [June 1787] Ich predigte in Elbing ueber Luc. 14, 16-24. Vortrag: Die Guete und Gnade Gottes, u. die Undankbarkeit der Menschen. 1. Die Guete Gottes durch die zuvorkommende Gnade, 2. Die Undankbarkeit der Menschen, durch Verachtung dieser Gnade. 3. Wie wir beschaffen seyn muessen, wenn wir dieser Gnade theilhaftig werden wollen.
Es. Frantz v. Riesen predigte ueber vorigen Text Offbb. 2, 7.
19. [June 1787]

H. v. Riesen getraut

Am Dienstag ward Hermann v. Riesen in Alt-Rosengart mit Agneta Zacharisschen die Tochter von Johann Zacharias aus der Heubudschen Gemeine von Es. Fr. v. Riesen getraut.

NB. Dieser Hermann hatte zu seiner vorigen Ehegattin eine Person aus der Thiensdorfschen Gemeine, worueber Er etliche Jahre lang, so lang diese bemeldte Person lebte, aus der geistlichen Gemeinschaft von unserer Gemeine ausgeschlossen ward. [p. 135] Nachdem er aber, nach dem Absterben bemeldter Ehegattin, sich mit vorbenante Person, als eine Schwester unserer Gemeine, ehelich verlobt, ist Er, auf sein Schuldbekaenntnis und Abbitte, vor unserer Gesellschaft des Diensts, wiederum der geistl. Gemeinschaft gewuerdigt worden. Welches schon etliche Wochen vor der Trauung geschehen.

J. Luetkemann mit seine Frau sind wieder eins geworden. Die schwierige Sache zwischen Jacob Luetkeman und seine Frau Maria geborne Dycken hat endlich, wie es scheint, ein gewunschtes Ende genommen: denn auf vielfaeltiges Zurathen hat sie sich ueberreden lassen, und ist ihrem Manne zu seiner Heimath gefolget.
d. 24. Juny [1787] In Elbing wurden die Taeuflinge von mir mit der h. Taufe bedient; ich predigte ueber Vorrede Joh. 3, 16. Text: Ap. Gesch. 2, 37-42.

Folgende Personen wurden getauft:

Geburths Orth Taeuflinge deren Vaeter Stiefvater

Elbing Anth. Woelke Anth. Woelke

- - - Daniel Reimer Isaac Reimer

- - - Gerhard Penner Gerhard Penner

- - - Judith Entzen Hans Entz

- - - Helena Wiensen Isaac Wiens

Schoensee David Driedger - - Driedger

Maria Jantzen Wilhelm Jantzen

Stubbendorf Dirck Rempel - - Rempel

Kerbswald Dirck Entz Dirck Entz

Spittalhof Agatha Penner Hans Penner

Balau Anna Gosen Martin Gosen

Schwartzdam Anna Wieben Hans Wiebe

27. [June 1787] Wir hielten auf Gurken bei Es. Corn Regier Zusammenkunft wegen alle in der Gemeine-Sache gehabte Lasten, in dem [p. 136] Gesuch der Concessionen beim Ankauf der Grundstuecke, als auch der Reise bis Koenigsberg zur Huldigung, und der Berlinschen Reise, wegem dem Gesuch der Confirmation unsers Privilegiums und gaenzlichen Aufhebung der Concessionen zum Ankauf. Die gantze Lasten beliefen sich auf 2152:24 und wurde zu Bezahlung derselben per Hube 1 6 gl. ausgesetzt. Die Sieberts Parthei aus der Marienburgschen Niederung, die den unruhigen Jacob Siebert zur Zusammenkunft gesandt hatten, machten viele Gegenwuerf wegen diese Kosten, und es schien als ob die Culmsche, Graudentzsche und Stumschen Abgeordnete auch von diesen Unruhigen ausgebracht waren. Endlich begab sich doch alles zur Stille, und die Verrechnung bestund.

Unsere Huben Zahl ist in gantz Preuszen 2166 Huben 26 Morgen.

d. 1ten July [1787] In Elbing pred. Es. Frantz v. Riesen.

Im neuen Hause bedienete die Taeuflinge und predigte ueber Vorrede Hesek. 16, 8. Ich gelobete dir - Text. 1. Pet. 3, 21. Vortrag: Der Bund eines guten Gewissens mit Gott in der h. Taufe. 1. Die Nothwendigkeit. 2. Vortreflichkeit, u. 3. den Nutzen des Bundes.

Geburtsorth u. Nahmen d. Taeufl., deren Vaeter und Stiefvaeter

Schwartzdamm Helena Albrecht Peter Albrecht

Gr. Wickerau Christina Wark. Hans Warkentin

Krebsfeld Anna Gysbrecht Jacob Gysbrecht

Ellerwald 4 Tr. Anna Wieben Jacob Wiebe

3 Tr. Thomas Wiens Thomas Wiens

" Barbke Dycken Hans Dyck Simon Dyck

" Hans Neufeld Harm Neufeld Frantz Isaac

" Catharina Rempel Jan Rempel

2 Trift Peter Neufeld Jacob Neufeld

4 Tr. Behrend Kroeker Peter Kroeker

Kampe Judith Dycken Philip Dyck

Laakendorf Anna Preuszen Wilhelm Preusz

[p. 137]

Marienwerder Isaac Woelke Isaac Woelke

- - Margaretha D. Heinrich Dyck

Agatha Bachm. Samuel Bachmann

Robach Isaac Wittenberg Jacob Wittenberg

Also habe dieses Jahr unter goettl. Beistand die heil. Taufe an 28 Personen bedienet, darunter zwoelf Maennliche u. 16 Weibliche waren.
Es. Dirck Tieszen war nach Koenigsberg gereiset, um auf Begehren (der Rest durchgestrichen)
d. 19. July [1787] Klaszen getraut Am verwichenen 19 dito ward Hans Klaszen von Dammfeld, mit Hans Warkentins Tochter Catharina von Es. Frantz v. Riesen getraut.
Seite 138 fehlt
Seite 139 fehlt
[p. 140]
16. [Sept 1787] In der Stadt predigte Es.

In Ellerwald Es. Harm Regier ueber den Text wie am 29. July.

Peter Klaszen aufgenommen Nach geendigtem Gottesdienst ward Peter Klaaszen, des Behrend Wielers Stiefsohn, wiederum in die Gemeine aufgenommen, nachdem Er lange Zeit, wegen Trunkenheit abgesondert gewesen.
23. [Sept 1787] In der Stadt predigte ich G. W. ueber Vorrede Luc. 12, 42. Text: Eph. 3, 14-19. Vortrag: Getreuer Lehrer Pflicht und Schuldigkeit, das Gute zu befoerdern. 1. Wodurch das Gute zu befoerdern sei. 2. Worin es bestehe.
B. Janssons Sache abgethan. Nach der Predigt ward den Bruedern von Bernhard Janssons Sache, wie Er nach dem Verkauf seines Hauses und Gueter dennoch seine Kreditores nicht gehoerig auszahlen koennen. Weil er aber mit allen in Liebe sich verglichen, u. Kornelius von Almonde, als der vornehmste seiner Glaeubiger, ihm weg. voelliger Zufriedenheit attestierte, auch Seine des B. Janssons auszer diesem Vorfall jederzeit erwiesene Aufrichtigkeit, und vielen Verlust bei Russen Zeiten, nebst andere Umstaende, die seinen Untergang befoerdert, in betracht genommen wuerden, so ist von den Bruedern einhellig beschlossen, Ihm diesen ueblen Vorfall zu vergeben.
In Ellerwald predigte Es. Isaac Reimer.
3 per Hube Es ward beschlossen per Hube 3 gemuenztes Geod. zu Bezahlung der Koenigsbergschen u. Berlinschen Reise, wie auch zu andern Gemeindes Ausgaben zu erlegen
30. [Sept 1787] Am Erndtefest predigte in der Stadt Es. Anth. Woelke ueber Jer. 5, 24. 25.

Im Ellerw. pred. Es. Isaac Reimer.

d. 7. Oct. [1787] In der Stadt predigte Es. Peter Klaaszen von Fuerstenwerder.

Im Neuen Hause hielt ich die Erndte Predigt ueber Vorrede Ps. 52, 3. Text Psalm 106, 1-3. Vortrag: Das dankbare Andenken der Wohlthaten Gottes. 1.) Wie wir uns der Wohlthaten Gottes ueberhaupt, und auch besonders zur Zeit der Erndte erinnern sollen. 2.) Wozu diese Wohlthaten uns bewegen muessen; naeml. zur wahren Dankbarkeit.

14. [Oct 1787] Ich predigte in der Stadt ueber Text: Mat. 9, 1-8. Vortr.: Der wahre Glaube und die Kraft Christi. 1) Der wahre Glaube in seinem Anfang und Fortgang. 2) Die Kraft Christi im Vergeben und Heilen.
[p. 141]
d. 14. Oct. [1787] Es. Fr. v. Riesen predigte im neuen Hause ueber 1. Chron. 30, 17.
d. 21. [Oct 1787] In Elbing predigte Es. Cornelius Warkentin ueber Ap. G. 24, 25.

Ich bedienete im Ellerwald ueber Vorrede Jer. 31, 3. Text: Matt. 22, 2-19. Vortrag: Die Guete Gottes und Undankbarkeit d. Menschen.

28. [Oct 1787] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke,

Im Ellerwald Es. Herman Neufeld von Blumenort, ueber Text: Luc. 14, 16-24. eine erbauliche Predigt.

d. 4. Nov. [1787] In Elbing predigte ich G. W. ueber Matth. 18, das Evangelium.

Im Ellerwald Es. Fr. v. Riesen ueber vorigen Text: 1. Chron. 30, 17.

11. [Nov 1787] Am Tage Martini bedienete Es. Fr. v. Riesen in Elbing, ebenda.
D. Antrittspred. Im Ellerwald hielt unser neuerwaehlte Lehrer Peter Dyck seine Antritts-Predigt ueber Vorrede Jer. 1, 6. Text: Matth. 4, 17.
I. Westerwick getraut. Nachmittag ward der Wittwer Isaac Westerwick mit Catharina Wieben, eine Tochter des Gerhard Wiebe von Klein Millerau von Es. Frantz v. Riesen getraut.
18. [Nov 1787] In Elbing predigte unser neuerwaehlte Lehrer P. D. die vorige Pred.

Es. Frantz v. Riesen predigte im Ellerwald ueber vorigen Text.

25. [Nov 1787] In Elbing bediente Es. Frantz v. Riesen, ebend.

Im Ellerwald Es. Peter Dyck, die vorige Predigt zum 2ten Mahl.

Hans Toews getraut Hans Toews ein nachgelassener Sohn von Hans Toews im Ellerwald, ward mit Agatha Dycken, die hinterlassene Tochter von Hans D., der in Finkenstein gewohnt, in der Versammlung getraut.
G. Penner getraut Gerhard Penner, ein Sohn des Gerhard Penner bei Dantzig, ward mit Anna Preusze eine nachgelassene Tochter von Wilhelm Pr. von Laakendorf, in Wiensen Hof auf Klein Millerau getraut.
27. [Nov 1787] Hans Dyck getraut Hans Dyck, ein hinterlassener Sohn des Hans Dyck von der 3ten Trift Ellerw. ward mit Helena Dycken, eine Tochter von weiland Abrah. Dyck von Milentz, bei Es. P. D., von Herman Neufeld getraut.
d. 2. Dec. [1787] In Elbing pred. Es. Pet. Dyck, die vorige Pred.

Im Ellerwald bedienete Ich ueber Vorrede Offenb. 14, 15. Text: aus 1 Thess. 4, 13-18. Vortrag: Der selige Zustand derer, die im Herrn Sterben.

[p. 142]
d. 9. Dec. [1787] In der Stadt predigte Es.

Im Ellerwand bediente Ich ueber Vorrede Hebr. 9, 27. Text: 1. Thessal. 5, 1-6. Vortrag: Von der Zukunft des Tages des Herrn. 1) dessen Gewiszheit und schneller Einbruch. 2) Wie die Glaeubigen sich dagegen zu verhalten haben.

16. [Dec 1787] In der Stadt predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald Predige Ich ueber Text Matt. 11, 2-6. Die Offenbarung Jesu als der verheiszene Messias und Heiland der Welt.

23. [Dec 1787] Am 4ten Advent predigte in der Stadt Es. Isaac Reimer

und im Ellerwald Es. Harm Regier, ueber 1. Joh. 4, 16. 17. Gott ist.

25. [Dec 1787] Am 1ten Christtag predigte in der Stadt Es. Anth. Woelke ueber Luc. 2, 1-7.

Im Ellerwald Es. Frantz v. Riesen ueber Text: Luc. 2, 1-14.

26. [Dec 1787] Am 2ten Weinachts-Tag bediente Ich in der Stadt ueber Vorrede 1. Tim. 3, 16. Text. Luc. 2, 15-20. Vortrag: Das kuendlich grosze Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes.

Im Ellerwald pred. Es. Harm Regier, Text: Luc. 2, 1-14.

30. [Dec 1787] In Elbing pred. Es. Harm Regier ueber Text 1. Joh. 4, 16. 17.

Im Ellerwald Es. Peter Dyck, Text: wie am 11. Nov.

Sudermann vor die Brueder Heinrich Sudermann in Elbing war diesen Herbst vor die Brueder gefordert wegen sein Trunken-Trinken, auf sein Versprechen, dasz er sich ferner vor dergleichen hueten wolle, ist ihm noch Frist zur Besserung gegoennet, und den Bruedern aufgetragen worden, auf seinen Wandel Achtung zu geben; Er sollte, samt seiner Frauen, sich des Abendmahls, bis auf Besserung, enthalten.
In diesem verflossenen Jahr sind in unserer Stadt- und Land-Gemeine 53 gebohren, 8 Paar getraut, 30 gestorben. Zu Rosenorth 83 geboren, 19 Paar getraut, 49 gestorben. In der Stadt Elbing und deren Territorio sind in Summa: 312 getraute Pahr, geborene Soehne 735. Toechter 671. Summa 1406. Gestorben: 577 maennliche, 604 weibliche. Summa . . . 1181

Mehr geboren als gestorben 225.

[p. 143]
Januar 1ten [1788] An dem heiligen Neujars-Tage Predigte in Elbing Es. Anth. Woelke, ueber Text Klagelieder 3, 22. 23.

Im Ellerwalde predigte Ich, ueber Vorrede 1. Sam. 7, 12. Text: Gal. 4, 4. 5. Vortrag: Von der durch Christum geschehenen Erloesung. 1. Wenn und wie diese Erloesung geschehen. 2. Was uns dadurch zu Theil geworden: 1) Die Befreiung vom Gesetz. b) Die Kindschaft Gottes.

6. [Jan 1788] Am Fest der Weisen predigte in der Stadt Es. Isaac Reimer, ueber Text:

Im Ellerwald bediente Es. Frantz v. Riesen, ueber Mat. 2, 1-12.

13. [Jan 1788] In Elbing predigte Es. die Vorbereitungs-Predigt, ueber

Im Ellerwald Es. Harm Regier die vorige Predigt.

20. [Jan 1788] In der Stadt unterhielten wir des Herrn Abendmahl mit 156 Personen; mein Vortrag war ueber 1. Kor. 11, 23-28.

Im Ellerwald predigte Es. Harm Regier ebend.

27. [Jan 1788] In Elbing predigte Es. Harm Regier.

Im Ellerwald hielte Es. Anth. Woelke eine Vorbereitungs-Predigt, ueber Text. Matth. 18, 23-27.

Attestatum Am Donnerstag erhielten von Dantzig ein Attestatum, wegen Gerhard, Penner, Elisabeth Vooten und Anna Hechtin.
d. 3t. Februar [1788] In Elbing predigte Es. Isaac Reimer.

Im Ellerwald unterhielten wir des Herrn Abendmahl mit 468 Personen; mein Vortrag war ueber Vorrede Joh. 3, 16. Text 2. Cor. 5, 21. Es war besonders angenehm Winter-Wetter, daher waren aus der Rosenorthsche Gemeine eine ziemliche Anzahl als Gaeste mit zugegen;

10. [Feb 1788] In Elbing predigte Es. Abraham Siemens von Rosenorth.

Im Ellerwald Es. Isaac Reimer,

Ich predigte in Dantzig ueber Vorrede Matth. 22, 37-40. Text: 1. Kor. 13, 1-8. Vortrag: Von der Liebe, 1) deren Nothwendigkeit, u. 2) Fuertrefflichkeit. Ich war auf Ersuchen des lieben Aeltesten Peter Epp dahin gefahren, in Gesellschaft des Es. Aeltesten Corn. Regier, um eine Unterredung zu halten, wegen die Leute so nach Ruszland zu ziehen gesinnet sind, und wie selbige, wenn sie dahin ziehen, mit Lehrer versorget werden sollen. Wir waren darin einstimmig, dasz erstl [p. 144] erwartet musz, ob das Ziehen fortgehen werde, und wie viel, und welche Leute reisen wollen, da sie dann mit Lehrern versorgt werden muessen.

d. 17. Febr. [1788] In Elbing predigte Es. Harm. Regier die voriege Pred.

Im Ellerwald bediente ich ueber Text Matt. 15, das Evangel.

24. [Feb 1788] In Elbing predigte Es. Is. Reimer.

Im Ellerwald Es. Fr. v. Riesen ueber Text Hebr. 9, 11-15.

Pet. Dyck getraut Peter Dick, ein nachgelassener Sohn von Isaac Dyck, mit Catharina Rempels, die Tochter des Jan Rempel, von Es. Frantz v. Riesen getraut.
d. 2. Mertz [1788] In Elbing predigte Es. F. v. Riesen. - -

Im Ellerwald Es. Isaac Reimer ueber Text Joh. 7, 29.

6. [Mar 1788] Jacob Thieszen getr. Am Donnerstag ward Jacob Thieszen, ein nachgelassener Sohn von Abraham Thieszen, mit die Wittwe von weiland Peter Wieler von mir getraut.
9. [Mar 1788] In Elbing predigte Es. Is. Reimer.

Im Ellerwald Es. Fr. v. Riesen.

In Sparrau predigte ich ueber Text Mat. 26, 36-46, von dem Seelenleiden Jesu in Gethsemane.

d. 16. [Mar 1788] Am Palm Sontage predigte in Elbing Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwalde bediente ich ueber Text Phil. 2, 5-11.

21. [Mar 1788] Am stillen Freitag predigte in der Stadt Es. Anth. Woelke.

im Ellerwald Es. Isaac Reimer ueber das Leiden Christi aus den 4 Evangelisten.

23. [Mar 1788] Am ersten h. Ostertage pred. in Elbing Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwalde bediente ich ueber Matth. 28, 1-7.

24. [Mar 1788] In Elbing predigte Es. Isaac Reimer.

Im Ellerwald Es. Harm. Regier ueber Mat. 28, 1-7.

d. 30. [Mar 1788] In Elbing predigte Ehrs. Anth. Woelke.

Im Ellerwald hatte ich den Vortrag ueber Evangel. Joh. 20.

d. 6ten April [1788] In Elbing predigte Es. Frantz v. Riesen ueber Text Joh. 10, 12-16.

Im Ellerwald pred. Es. Pet. Dyck ueber Text Eph. 3, 8. 9.

[p. 145]
d. 13. April [1788] In Elbing gepredigt Im Ellerwald gepredigt

In Elbing predigte Es. Peter Im Ellerwald habe ich unter des Herrn Bei-

Dyck ueber Text Eph. 3, 8. 9. stand die Glaubens-Lehre vorgetragen.

16. Bettag. [Apr 1788] Ehrs. Is. Reimer ueber Es. Anth. Woelke ueber Text:

20. [Apr 1788] Es. Peter Dyck ebend.
27. [Apr 1788] Peter Dyck das vorig. Text: Frantz v. Riesen ueber vorigen Text:
C. Jantzen u. d. 20 April [1788] ward Cornelius Jantzen, ein nachgelassener Sohn von Cornelius Jantzen von Holstein, mit Catharina Dirksen, die Tochter des David Dirksen, von Es. Frantz v. Riesen getraut.
Dirk Goosen getraut d. 27. dito [Apr 1788] ward Dirk Goosen, ein nachgelassener Sohn von Jacob Goosen aus der Tiegenhagenschen Gemeine, mit Susanna Goosen, die nachgelassene Tochter von Martin Goosen zu Balau, von Fr. v. Riesen getraut.
d. 1ten May [1788] Am Himmelfahrts-Tage predigte Es. Is. Reimer in Ellerwald.
4. [May 1788] In der Stadt predigte Es. Es. Harm. Regier predigte ueber

Anth. Woelke die Himmelf.-Predigt. Text Matth. 20, 1-7. Die Jugend ward das

ds. erste Mahl gestellet.

11ten [May 1788] Am Pfingstfest predigte Es. Isaac Reimer ueber Text Joh. 14, 23.

Anthony Woelke ueber Text:

12. [May 1788] Am 2ten h. Pfingsttage Es. Es. Harm Regier ueber Act. 2, 1-4.

Isaac Reimer. d. 13ten habe die Jugend unterwiesen.

Atteste An Peter Friesen und dessen Vetter gleiches Nahmens, item an Abraham Jantzen und Claas Wieler habe jedem ein Attestatum ertheilt, weil sie mit der Wohnung ins grosze Werder in die Tiegenhagensche Gemeine ziehen wolten.
18ten May [1788] an Claas Kroeker, den Sohn des Julius Kroeker zu Dantzig eine Zeugnisschrift ertheilt, dasz Er 1786 d. 2. July bei uns in Elbing mit der h. Taufe bedienet worden sei.
18. [May 1788] Ich predigte die Glaubens-Lehre. Es. Harm. Regier in Ellerwald.
19. [May 1788] Habe die Jugend zum 2ten Mahl aus dem

Catechismus unterwiesen.

18. - 4. Suderman abgesondert. Heinrich Suderman wurde wegen

Trunkenheit von d. Gemeinde

abgesondert.

[p. 146]
d. 20. May [1788] Joh. Dyck getraut Johann Dyck, ein Sohn des Philip Dyck aus der Zeyersch. Hoalaubude, mit Helena Martens, die Tochter des Jacob Martens, an der ersten Trift des Ellerwaldes ward von mir daselbst im Hause getraut.
25. [May 1788] In Elbing predigte Ehrs. Peter Dyck, wie zuvor.

Im Ellerwald habe die Glaubens Lehre vorgetrageen.

27ten [May 1788] Die Jugend habe zum 3ten Mahl die Katechismusfragen vorgestellt.
22. [May 1788] Die Frau Sudermansche muszte vor den Dienst erscheinen, weil sie beschuldigt worden, dasz sie wegen schlechter Lebensart viel zu ihres Mannes Verfall beigetragen; sie wurde ermahnt, kuenftig fuersichtiger zu wandeln. ---
d. 1. Juny [1788] In Elbing predigte Es. Harm Regier.

Im Ellerwald Es. Peter Dyck ueber Vorrede Jes. 42, 16. Text: Ephes. 3, 8. 9.

Nach der Predigt wurden die Jugend aufgezeichnet; es waren 20 Personen.

5ten [June 1788] Hans Guenther vor den Dienst. Am Donnerstage war die Ehegattin des Hans Guenthers von der Mittelkampe vor den Dienst genoethigt, weil sie ihre Magd, eine Schwester der Gemeine, geschlagen. Der Mann erschien in ihrer Stelle, und bat um Vergebung, weil sein Frau solches im Eifer gethan, auch durch die Magd dazu wegen Ungehorsam verursachet worden; wollte auch, dasz selbige wieder in den Dienst kommen solte. Er sagte gut davor, sie solte keine Schlaege mehr bekommen. Das Maedchen wollte dazu nicht willigen, weil sie schon oft mit Schlaege traktiert worden; Ihm ward nachdruecklich gerathen, sie losz zu lassen und fuer ihre Arbeit zu entrichten. Er wolte aber nicht. Ihm wurde 8 Tage Bedenkzeit gegeben. Die Frau soll auch erscheinen.
H. Dyck getraut An dem Tage ward Heinrich Dyck mit die nachgelassene Wittwe von Hans v. Bergen von mir getraut.
[p. 147]
d. 8. Juny [1788] In der Stadt habe ich die Glaubens-Lehren vorgetragen, und die Taeuflinge aufgezeichnet, 6 Personen.

Im Ellerwalde predigte Es. Harm. Regier.

10ten [June 1788] Wegen dem Ruszland-Ziehen Am Dienstag war in dem Gemeinhause zu Rosenorth eine Zusammenkunft von Lehrern und Brueder, wegen dem Auswandern nach Ruszland. Es waren daselbst folgende Lehrer und Diaconen beisammen:

1. Aus der groszen Gemeine im groszen Werder; Rosenorthsches Quartier: Cornelius Warkentin, Abraham Siemens, Abraham Siemens, Herman Neufeld. Herman Wiens, Diacon.

Tiegenhagensches Quart.: Dirk Thieszen, Aeltester. Martin Hamm.

Ladekopfsches Quartir: Isaac Toews.

von Dantzig: Peter Epp, Aeltester. Cornelius Epp, Jacob de Veer, Peter Thieszen; Gerhard Barthach - Cornelius Focking - Diaconen.

von Heubuden: Cornelius Regier, Aeltester. David von Riesen, Gerhard v. Bergen.

Elbingsche Gemeine: ich, Gerhard Wiebe, Aeltester. Peter Dyck.

Und dann waren eine ansehnliche Anzahl Brueder versammlet, von denen der groeszte Teil nach Ruszland zi ziehen gesinnet waren. Es wurde daselbst erstlich im versammleten Dienst, die von Berlin verlangte Freiheit wegen dem Auswandern, [p. 148] vorgelseen, die also lautet:

Decret

auf das Vorstellen des Cornelius Huebert und Wilhelm Thieszen vom 2 Juny 1788.

Notificctur dem Magistrat zu Elbing, dasz vom Hofe die Emigration der Mennonisten Familien welche zu Emigri. verlangen, nach vorheriger Berichtigung des Abschatzens, wenn sie mit keinen Grundstuecken angesessen sind, nachgegeben worden. Sie haetten dahere zu berichten, ob die Gebrueder Huebert und Thieszen mit Grundstuecken angesessen, oder wenn sie nicht poszessionirt waeren, wenn eher sie solche veraeuszert haetten, und wann der Fall eintraet, dasz denselben die Emigration nachgegeben werden koente, haette sie die etwaige Glaeubiger derselben edictaliter vorzuladen, und soll demnaechst das weitere verfuegt werden.

Marienwerder d. 2 Juny 1788

Koenigl. Westpreusz. Regierung

Hiernaechst teilte der Ehrs. Aelteste Cornelius Regier vor der versammleten Bruederschaft eine erbauliche Rede ueber Jes. 46, 11, da insonderheit die letzte Haelfte des Verses ausgebreitet wurden.

Folgend wurde denen, die auszuziehen willens, vorgestellt, dasz ihnen, wenn sie Freie Paesse bekommen, aus ihrer Mitte solten Lehrer erwaehlt und geordnet werden, worum sie denn herzlich zu Gott beten solten, dasz er ihnen Maenner nach seinem Herzen geben wolle. Da aber von ihnen verlangt wurde, dasz auch ein Aeltester, und wohl vorzueglich ein Mann, der bereits eine Zeitlang schon im Dienst gestanden, ihnen sollte gegeben werden: So ward versprochen ihnen, so viel moeglich behuelflich zu seyn, wenn sie nur erst an den Ort ihrer Bestimmung angeseszen waeren, Darauf [p. 149] wurde zum Abschied gesprochen, und mit Gebet und Gesang geschieden.

d. 26 May [1788] N. Dyck weggezogen Unser Schullehrer Nicolaus Dyck bekam einen Ruf zum Schuldienst in Schoensee und ward dahin abgeholt; nun blieb unsere Schulstube ledig stehen. Wir haben ihm ein Attestat an die dortige Gemeine ertheilt. Wir bekommen Jac. Andreas zum Schullehrer.
In vorbenannter Zusammenkunft wurden in Gesellschaft des Ehrs. Dienst drey Briefe aus Amsterdam bekannt gemacht. Der erste, von unserer altflamischen Gemeine daselbst, worin gemeldet wird, dasz sie ihren bisherigen harten Begrif, wegen der Heirath mit den andern Mennonitischen Gemeindes Gliedern ganz abgeschaft, und solches keine Auszentrau zu seyn achtten; sie rathen auch, dasz die Emigranten in Ruszland es also einrichten moegen.

Der andere Brief war von der verinigten Gemeine in der Sonne zu Amsterdam, und eben aus dem Grund an unsere hiesige preuszische Gemeine gerichtet, und sehr zur Vertragsamkeit aufmunternd, um doch nicht laenger die Heirath zwischen zweierlei Mennonisten Gemeindes-Glieder als eine Auszentrau anzusehen. Das dritte Schreiben gelangte an die nach Ruszland emigrierende Mennoniten von beiderlei Gesinntheiten, worin sie ermahnet worden, dasz sie doch miteinander in Liebe und Vertragsamkeit in Ruszland leben, und wegen dem Heirathen unter- und miteinander weiterhin kein Bedenken machen solten. Dabei wird aufgefuehrt, wie sie in Holland / nur einige Wenige ausgenommen / solch harte Begriffe wegen dem Freien mit andern Gesinntheiten u. christlichen Personen ganz abgeschafft.

15 [June? 1788] In Elbing predigte Es. Harm Regier.

Im Ellerwald pred. Ich ueber 1 Cor. 9, 24.25. Vortrag: Von dem geistl. Lauf u. Kampf der Christen, da dann endlich denen vor mir sitzenden Taeuflingen zum rechtschaffenen Lauf und Kampf im Christenthum aufmunterte. Ihnen ward zugleich angesagt, dasz ueber 8 Tage in Elbing und ueber 14 Tage im Ellerwald die Taufbedienung geschehen soll.

22. Juny [1788] [p. 150]

In Elbing predigte ich ueber Vorrede Ez. 16, 8. Und ich gelobete dies; u. begab mich mit dir etc. Text: 1 Pet. 3, 21. Vortrag: Der Bund eines guten Gewissens mit Gott in der heiligen Taufe. 1. Die Wichtigkeit, 2. Nothwendigkeit, und 3. herrliche Nutzen derselben.

Folgende Personen wurden mit der h. Taufe bedient.

Geburths-Orth Taeuflinge deren Vaeter

Elbing Anna Woelken Ers. Anth. Woelke u. Magdalena, geb. Schroeder

Magdalena J. Zachar. Janszon

Ellerwald Jacob Wiens Jacob Wiens

Maria W. Gerhard Wiens

Jacob Dyck Franz Dyck

Bolwerk Catharina G. Jacob Guenther

Ehrenfried W Cornelius Wall

Kerbswald Peter Wiens Pet. Wiens, Praceptor.

Es waren also 4 maennliche und 4 weibliche Personen. Ich wuensche von Herzen, dasz sie in dem mit Gott aufgerichteten Bund getreu seyn, und bis an ihr selige Ende beharren.

Im Ellerwald predigte Es. Frantz v. Riesen.

29. [June 1788] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald predigte ich ueber Vorrede Joh. 3, 16. Text: Apostel. Gesch. 2, 37-42. Vortrag: Die wahre Gestalt glaeubiger Taeuflinge, dasz sie 1. ueber ihre Suende bekuemmert sind; 2. glaeubig und buszfertig zu Jesu kommen; 3. Auf den Glauben sich taufen lassen, und 4ten den Weg der Wahrheit wandeln, und im Guten bestaendig bleiben.

Die Taeuflinge waren folgende: [p. 151]

Geburtsorth Taeuflinge deren Vaeter Stiefvaeter

Grosz Wickerau Hans Gerbrand Thomas Gerbrand

Anna Gerbr.

Ellerwald 1. Tr. Isebrand Wiebe mein juengster Sohn (x 20.12.1770) u . . . 245

Abraham Kroeker Peter Kroeker

Agatha Thieszen Isaac Thieszen

2. Tr. Klaas Dirksen Jacob Dirksen

Behrend Loewens Dirk Loewens Jacob Braun

3. Tr. Catharina Harms Hans Harms

5. Tr. Abraham Penner Hans Penner

Elbing Hans Zacharias Johan Zacharias

Ellerwald 1. Tr. Isaac Hahn Hans Hahn

Krebsfeld Maria Wulf Gottfried Wulf

Sparrau Agatha Regier Harm Regier

Roszgarten Jacob v. Riesen Peter v. Riesen

Schleusemthamm Catharina Andr. Jacob Andreas

Robach Catharina Wittenb. Jacob Wittenberg

Krebsfeld Anna Penner Hans Penner

Pr. Koenigsdorf Jacob Penner Jacob Penner

In Summa 18 Personen, darunter waren 10 maennliche und 8 weibliche, denen alle wuensche, dasz sie als recht Buszfertige zu Jesu moegen gekommen seyn.

Attest wegen Catharina Hueberts. An die G. G. zu Rosenorth haben wir eine Zeugnis-Schrift wegen Catharina Huebert die nachgelassene Tochter von Abrah. Huebert, ertheilt, die mit Peter Stobbe in den Ehestand sich begeben will.
d. 6. July [1788] In Elbing wurde die Vorbereitungs-Predigt von Es. Isaac Reimer gehalten, ueber Text 2. Cor. 13. Versuchet euch selbst . . .

Im Ellerwald predigte Es. Frantz v. Riesen ueber Vorrede 1. Mos. 32, 10. Text: Joh. 10, 12-16.

10. [July 1788]

H. Penner vor den Dienst

Am Donnerstag war Hans Penner, der zuvor in Reichenfeld gewohnt, vor dem Dienst wegen Trunkenheit; ihm ward aufgegeben, kuenftigen Sonntag im neuen Hause vor die Brueder zu [p. 152] erscheinen, worin er aber gar nicht willigen wolte. Die Folge wird's zeigen.
d. 13. July [1788] In Elbing unterhielten wir das h. Abendmahl mit 156 Personen, ich predigte ueber Text Jes. 53, 6.7.

Im Ellerwald hielte Es. Frantz v. Riesen die Vorbereitungs-Predigt.

In Elbing hielte Es. Anth. Woelke nachmittag eine Dankpredigt ueber Ps. 103, 1-3.

20. [July 1788] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald unterhielten wir das h. Abendhaml mit 330 Personen; ich predigte ueber 1. Cor. 11, 23-28. Ich nahm Abschied von der Gemeine, um mit Gesellschaft nach Koenigsberg zu reisen.

24. [July 1788] Reise nach Koenigsberg Am Donnerstag reisete, unter goettl. Geleite, in Gesellschaft meines Mitarbeiters Ehrs. Isaac Reimer aus Elbing, und meines Schwieger Sohnes Peter Behrends, um 5 Uhr von Elbing, unter einer drueckenden Hitze des Tages, und kamen abends
25. [July 1788] mit Sonnen Untergang bis Fedderau, und folgenden Tages um 11 1/4 Uhr in Koenigsberg gluecklich und gesund an. Sonnabend ruheten wir.
27. [July 1788] Sontag bedienete an 3 Personen die h. Taufe daselbst, und predigte ueber Ap. Gesch. 2, 37-42, vor eine zahlreiche Versammlung.
29. [July 1788] Dienstag nachmittag hielte Ehrs. Is. Reimer die Vorbereit.-Predigt.
30. [July 1788] Mittwoch Vormittag hielten wir zum ersten mahl das Abendmahl des Herrn, mit 40 Personen. Nachmittag hielte Ehrs. W. Z. eine Dankpredigt ueber Text Mat. 26, 29.
d. 2. August [1788] Ehrs. Isaac Kouwenhowen hielte die Vorbereitungs-Predigt, nachmittage.
3. [Aug 1799] Am Sontag vormittag hielten wir zum 2ten Mahl das h. Abendmahl mit __ Personen. Text: Jes. 57, 6. 7. Nachmittag predigte ich ueber Text Ps. 106, 1-3.
4. [Aug 1788] Am Montag reiseten wir des Morgens gegen 6 Uhr von Koenigsberg ab, und gelangte des Abends bis Frauenburg, und den folgenden Tag Uhr 12 zu Mittage in Elbing, und endlich zu Hause an.

N. S. In Koenigsberg bin an Durchfall etliche Tage unpaeszl. gewesen.

H. Wiens getraut Herman Wiens, ein nachgelassener Sohn von Herm. Wiens aus dem Ellerwald, ward mit die Tochter des Heinrich Bock getraut.
A. Dyck getr. d. 27. July Abraham Dyck, ein Wittwer, ist mit Sara Boschmans getraut.
In Elbing predigte Es. [crossed out: Anth. Woelke] Harm Regier.

Im Ellerwald Es. Anth. Woelke ueber Col. 1, 12-14.

[p. 153]
d. 10. August [1788] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald predigte Es. Harm Regier.

17. [August 1788] In Elbing pred. Es. In Sparrau P. Dyck.

Im Ellerwald bedienete Ich, ueber Text Luc. 10, 25-37.

24 [August 1788] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke,

Ellerwald Es. Isaac Reimer, Luc. 10, 38-42.

Ich war bis Heubuden gereiset, und predigte daselbst ueber die Worte Pauli Gal. 5, 16-24.

Peter Harms getraut Peter Harms, ein Sohn des Hans Harms von der 3ten Trift des Ellerwaldes ward mit Agatha Thieszen, die Tochter des Isaac Thieszen getraut, von Es. Fr. v. Riesen.
31. [August 1788] In Elbing predige ich ueber Vorrede 1. Mose 8. 22. Text: Gal. 6, 7. 8. Vortrag: Der grosze Unterschied zwischen dem Fleisch und Geist, Saeen und Erndten der Menschen. 1. Das Saeen und Erndten ueberhaupt, und 2. was sowohl das fleischl. als geistl. Saeen sei, und was beider Erndte bringen werde.

Im Ellerwald bedienete Es. Anth. Woelke ueber Text: Gal. 6, 7. 8.

d. 26. Aug. [1788] Abraham Schroeder, ein nachgelassener Sohn von Bernhard Schroeder, Diacon in Elbing, ward mit Margareta Hammen von Es. A. Woelke getraut.
d. 7. Sept. [1788] In Elbing predigte Es.

Im Ellerwald bedienete Ich ueber Text. Eph. 3, 14-19.

14. [Sept 1788] In Elbing pred. Es. Dirck Thieszen, Aeltester zu Tiegenhagen, ueber Text: 1. Cor. 9, 24.

Im Ellerwald predigte Es. Cornelius Regier, Aletester in Heubuden, ueber Text 5. Mose 1, 6. 7. 8. Es war eine erbauliche Pred. Denselben Nachmittag waren diese Maenner bei mir versammlet, und wir erhielten auch zugleich ein Schreiben von Es. Aeltesten Peter Epp von Dantzig, worin Er um eine Zusammenkunft wegen die nach Ruszland gezogene Leute ersuchte. Wir beredeten uns auch bereits deswegen, weil sie an uns schriftlich ersucht hatten, ihnen mit einem Aeltesten und Lehrer zu besorgen. Es wurde von uns eine Zusammenkunft auf den 23. September festgesetzt.

21. [Sept 1788] In Elbing predigte Es. Isaac Reimer.

Im Ellerwald Es. Martin Hamm von Petershagen, ueber 1 Joh. 2, 15-17.

[p. 154]
d. 23. [Sept 1788] Zusammenkunft wegen unserer Ruszlaender. Eine Zusammenkunft ward gehalten bei Frantz Klaszen in Tiegerfeld, darin beredet ward, wie die Emigranten in Ruszland mit einen Aeltesten und Lehrer zu versorgen. Von Dantzig, Heubuden und Grosz Werder waren die Aeltesten und unterschiedene Lehrer. Ich lag an dem Tage krank, daher Es. Peter Dyck nur allein dahin gereiset war, mit dem meine Meinung schriftlich abfertigte: dasz in jeder Gemeine, ueber die von ihnen dorthin gezogenen Brueder, die Lehrer-Wahl gehalten werden koennte, und dieses koenne sodann an die Emigranten schriftlich uebersandt werden, wen die Stimmen, sowohl zu Lehrer als Diaconen getroffen, und selbige mueszten dann mit gehoerigem Unterricht ihr Dienst aufgetragen werden. Die Werdersche hielten auf meine Meinung, aber die Dantziger bestunden darauf, dasz nothwendig ein Aeltester mit Gesellschaft dorthin reisen muesse, die neue ruszlaendische Gemeine ordentlich zu Pflanzen, und mit Lehrer - zu besorgen. Der Schlusz ward endlich dahin abgefaszt, den Emigranten schriftlich zu fragen: Ob sie es fuer genehm hielten, wenn wir bei uns waehleten, und die gehaltene Wahl, mit einen Auftrag an denen die getroffen waren, ihnen schriftlich uebersandten.
28. [Sept 1788] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald Es. Isaac Reimer ueber Text Luc. 10, 38-42.

d. 5. Oct. [1788] Am erndtefest predigte Es. Anth. Woelke ueber Text Ps. 106, 1-3.

Im Ellerwalde predigte Ich ueber Jer. 5, 24. 25.

12. [Oct 1788] In Elbing predigte Ich ueber Eph. 6, 10-18.

Im Ellerwald predigte Es. Frantz v. Riesen, ueber

19. [Oct 1788] In Elbing predigte Es. Isaac Reimer,

Ellerwald - - Es. Anthony Woelke, ueber

26. [Oct 1788] In Elbing predigte Es. Anthony Woelke ueber Matt. 22, 15-21, darin er die Freigeisterei sehr deutlich und hart angriff und bestrafte.

Im Ellerwald predigte Es. Peter Dyck ueber Matt. 22, 34-46.

d. 2. Nov. [1788] In Elbing predigte Es.

Im Ellerwald pred. Es. Frantz v. Riesen ueber Mat. 22, 1-14.

9. [Nov 1788] in Elbing - - Es. Fr. v. Riesen ueber denselben Text.

[p. 155] Im Ellerwald bedienete Es. Peter Dyck das vorige.

16. [Nov 1788] In Elbing predigte Es. Peter Dyck ebend.

- - Ellerwald - - Fr. v. Riesen - -

W. Rempel abgesondert Der Wilhelm Rempel von Stobbendorf, welcher im vorigen Fruehjahr nach Elbing sich begeben, ward wegen Diebstahl, da er von den Zeyerschen Kampen Schwein gestohlen und verkauft, und deswegen gefangen sasz, auf gutbefinden des Grosz Werderschen Dienstes, bekam die Straf der Absonderung von der Gemeine.
23. [Nov 1788] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke,

Im Ellerwald Es. Peter Dyck, ebend.

27. [Nov 1788] Abraham Barg in Elbing ward vor das Gesellschaft des Dienst genoethigt, weil er einen falschen Brief ausgefertiget, als ob Es. Abrah. Suderman fuer eine Ladung Getreide sich fuer A. Barb verbuerget hatte. Er gestund dieses.
30. [Nov 1788] In der Stadt predigte Es. Anth. Woelke, ueber Rom. 13, 11-14.

Im Ellerwald - - Es. Harm Regier ueber Ps. 32, 1-5.

d. 4. Decembr. [1788] Am Donnerstag war Heinrich Wiebe vor den Dienst, weil Er schon seit Ostern in dem Kruge vor dem Hollaender Thor, wo mit Musick und allerhand boesen Dingen eine schlechte LebensArt gefuehret wird, als Schenker diehnt, und wolte auch nicht eher davon abstehen als bis kuenftige Ostern. Seine Sache soll vor die Brueder kommen.
d. 7. dito - [Dec 1788] Ich predigte in Elbing ueber Matth. 25, 1-13. Von der nothwendigen Vorbereitung und Wachsamkeit gegen die Zukunft Christi zum Gericht.
A. Barg vor die Brueder. Nach der Predigt war Abr. Barg vor die Brueder und bekannte, dasz Er nicht wohl gethan, dasz er den Brief geschrieben, wozu ihn die dringende Noth getrieben; versprach, dasz solches niemahls von ihm mehr geschehen soll. Er ward mit einer scharfen Ermahnung wieder frei gesassen.
Im Ellerwald bediente Es. Harm Regier mit der vorigen Pred.
14. [Dec 1788] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke, ueber Mat. 25, 13.

Im Ellerwald bediente Ich, ueber Txt Matth. 11, 2-6.

d. 21. Dec. [1788] [p. 156] Am. 4. Advent, predigte Es. Anthony Woelke, ueber Text.

Im Ellerwald Es. Harm Regier ueber Vorrede Offenb. 2, 5. Text Psalm 32, 1-5. Es waren nur etliche 20 Zuhoerer.

22. [Dec 1788] Is. Reimer gestorben Am Montage, des Morgens um 5 Uhr, starb unser wuerdige Mitdiener Es. Isaac Reimer an einer hitzigen Krankheit. Er war ein Mann, der wegen seines rechtschaffenen und gewissenhaften Wandels, und treufleiszigen Bedienung seines Predigtamts, eine guten Namen hinterlassen. Der Herr erfreue ihn in der seligen Ewigkeit mit einer Freude, die ihm niemand rauben wird.

Er ward den 29. dito zur Erde bestaettiget, dabei Es. Anthony Woelke im Trauer-Hause eine Rede hielte, ueber 1. Cor. 2, 2.

d. 25ten [Dec 1788] Am h. Christtag predigte Es. A. Woelke in der Stadt,

im Ellerwald Es. Frantz v. Riesen ueber Luc. 2, 15-20.,

und Ich predigte in Sparrau ueber Vorrede 4. Mos. 24, 23. Text Hag. 2, 7. 8. Vortrag Jesus der verheiszene Heiland u. Trost der Heiden. 1. Die verheiszene Zeit seiner Geburt. 2. Die Zeichen seiner Zukunft, u. 3. dasz Jesus der rechte Trost der Heiden sei.

26. [Dec 1788] Am 2ten Christtag predigte in der Stadt Es. Frantz v. Riesen.

Im Ellerwald predigte Ich G. W. ueber Vorrede 1. Tim. 1, 15. Text: Tit. 2, 11-14. Vortr.: Von der allen Menschen heilbringenden Gnade Gottes. 1. woher diese Gnade uns zu theil worden, u. 2. was sie in uns wirken musz.

28. [Dec 1788] In Elbing predigte Es. Harm Regier. Vorrede Offenb. 2, 5. Text: Ps. 32, 1-5.

Im Ellerwald war ledig.

Also ist unter dem gnaedigen Beistand des Allerhoechsten dieses Jahr vollendet.

[p. 157] Hilf, Herr Jesus, lasz gelingen! Hilf, das neue Jahr geht an!
d. 1. Jan. 1789 Am h. Neujahrs-Tage predigte Es. A. Woelke in der Stadt.

Im Ellerwald predigte Ich ueber Text Eph. 4, 22-24. Vortr.: Die nothwendige Erneuerung bei Antritt des neuen Jahres; 1. durch Ablegung des alten, und 2. durch Anziehen des neuen Menschen.

d. 4ten [Jan 1789] Es. Anthony predigte in Elbing.

Im Ellerwald war lediger Sontag.

11. [Jan 1789] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke ueber Text Mat. 2, 1-12.

Ich predigte im Ellerwald ueber denselben Text.

18. [Jan 1789] In Elbing predigte Es. Peter Dyck, Text: Mat. 22, 34-40.

Im Ellerwald - Es. Harm Regier. Text: Ps. 32, 1-5.

20. [Jan 1789] Von Dubrowna aus Weiszruszland erhielte ein Schreiben von dem Freund Jacob Heppner, darin er meldet, dasz Er u. seine Mitbrueder, die Colonisten, fuer die Aeltesten und Lehrer, so von uns zu ihrer Bedienung dahin reisen werden, die Reisekosten bezahlen wollen; bitten dabei recht sehr, dasz ihnen doch aufs baldigste damit geholfen werden moege.
25. [Jan 1789] In Elbing hielte Es. A. Woelke die Vorbereitungs-Predigt ueber Text

Im Ellerwald predigte Es. Herman Neufeld von Rosenort ueber Text:

Ich predigte in der Rosenorthschen Gemeine ueber Text Rom 12, 1. 2. Von dem vernuenftigen Gottesdienst wahrer Christen, 1. Was uns dazu bewegen soll. 2. Wie er zu ueben sei.

d. 1. Febr. [1789] Nachmittage hielt E. A. Woelke die Dankpredigt. In Elbing predigte Ich bei Unterhaltung des h. Abendmahls ueber 1. Cor. 11, 23-28. Es waren 128 Communicante.

Im Ellerwald predigte Es. Frantz v. Riesen zur Vorbereitung.

d. 8ten Febr. [1789] In Elbing bediente Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald unterhielten wir das h. Abendmahl, mit [blank] Personen, wobei ueber Jes. 53, 6. 7. Predigte.

Antwort nach Ruszland. Auf das oben erwaehnte Schreiben des J. Hoeppners ward unterm 5. Febr. geantwortet, und versprochen, d. Es. P. Epp von Dantzig / bei Leben und Gesundheit / : kuenftigen Fruehling, mit Gesellschaft aus unserm Mittel [p. 158] nach Ruszland, zur geistl. Versorgung der dortigen Emigranten, unter goettl. Geleit zu reisen gesinnt sei; dabei ihnen gemeldet ward, dasz die angebotene Reise Kosten fuer diese Maenner an einen nahmhaften Mann in Danzig, oder auch ein Theil in Riga angewiesen werden koenne.
15ten [Feb 1789] In Elbing predigte Es. Harm Regier ueber Vorrede Offenb. 2, 5. Text: Psalm 32, 1-5. Nach der Predigt hielten wir Bruederschaft, und es wurde wegen einer auf kuenftigen Sontag zu haltenden Diaconen- u. Lehrer Wahl beredet.

Im Ellerwald predigte Es. Anth. Woelke ueber Ps. 103, 1. 2: eine Danksagung wegen Unterhaltung des h. Abendmahls. Es ward auch nach der Predigt wegen der Diaconen und Lehrer Wahl beredet.

17. [Feb 1789] Schreiben an den Emigranten Vom 16ten bis 19ten muszte eine Reise bis Dantzig thun, weil der Aelteste Peter Epp nach letzter Zusammenkunft gar sehr entkraeftigt, u. zu der bevorstehenden Reise nach Ruszland unvermoegend war. Es wurde nun aufs nene beschlossen, nach Ruszland zu schreiben, welches auch geschah. Ihnen ward darin vorgestellt, weil der l. Aelteste P. E. so unvermoegend, so solten sie unter sich eine Wahl halten, dergestalt, dasz 4 Maenner, die ihnen von uns vorgeschlagen wurden, die Bruder zusammen fordern, und derselben Stimmen aufnehmen solten, und sodann 12 bis 16 Personen, welche die meisten Stimmen haben wuerden, uns schriftlich anzeigen koennten, aus denen wir davon ohngefaehr 4 Lehrer u. 2 Diaconen unpartheisch auswaehlen, und ihnen selbige, nebst schriftmaeszige Verhaltungs-Regeln vor Lehrer und Gemeine schriftlich anzeigen wolten. Das Schreiben ward unterzeichnet von den vier Aeltesten, Gerhard Wiebe, Peter Epp, Dirk Thieszen und Cornelius Regier.
22. [Feb 1789] Lehrer- und Diener Wahl In Elbing hielten wir Lehrer- und Diener-Wahl. Es. Anth. Woelke predigte ueber Text 1. Cor. 4, 1. 2. Erstl. hielten wir Wahl ueber 2 Diaconen; in der Stadt ward Hans v. Bergen, u. aufs Land Jacob Neufeld getroffen. Zweitens, waehlten wir 2 Lehrer; in der Stadt fiel die Wahl auf Hans v. Bergen, und auf dem Lande Hans v. Riesen von Thiergart. Beide haben ihren Dienst anzunehmen versprochen. H. v. Riesen hatte 57, H. v. Bergen 52, und Jacob Neufeld 30 Stimmen.
[p. 159]
d. 1. Merz [1789] In Elbing predigte Es. Peter Dyck die vorige Predit.

Im Ellerwald predigte ich G. W. ueber Text 1. Pet. 2, 24. Vortrag: Das Leiden Christi zur Versoehnung u. Heiligung. 1. dasz Er unsere Suenden versoehnt, 2. uns zu einem heiligen Wandel fuehren.

In der Stadt ward Heinr. Wieler, ein Sohn des Behrend Wieler von der Mittelskamp, der wegen seines Ehebruchs mit des Paul Zachariassen Frau eine geraume Zeit auszer der Gemeine gelebt, wieder in die Gemeine aufgenommen.

3ten [Mar 1789] Jacob Wiens getraut Des verstorbenen Jacob Wiensen hinterbliebener Sohn Jacob ward mit des verstorbenen Peter Dyck hinterlassener Tochter Catharina von Es. Anthony Woelke getraut.
8. [Mar 1789] In der Stadt predigte Es. Cornelius Warkentin ueber Text Luc. 13, 24. Und im Ellerwald sein Mitdiener Abraham Siemens ueber Text Epheser 4, 22-24.
10. [Mar 1789] Behrend Reimer getraut Attestat Am Dienstan ward Peter Reimer, ein Sohn des Behrend Reimer von Sandhof, mit unser Mitbr. Jacob Neufelds Tochter Maria von mir getraut. Zugleich erhielte deswegen ein Attestat von den lieben Aeltesten Cornelius Regier aus der Heubudschen Gemeine.
15. [Mar 1789] At 3ten Sontage in der Fasten predigte Ich ueber Text Eph. 5, 1-8. Im Ellerwald predigte Es. Peter Dyck, Text Mat. 22, 34-40.
12. [Mar 1789] Abr. Isaac getraut Am verwichenen Donnerstag ward Abraham Isaac, ein nachgelassener Sohn von Jacob Isaac aus dem Ellerwald, mit Helena die Tochter des Wilhelm Giesbrecht von Klein Mausdorfer Feld von Es. Peter Dyck getraut zu Klein Mausdorf. lebten 41 Jahr.
22. [Mar 1789] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald bedienete Es. Herman Regier ueber Text Jes. 66, 2.

27. [Mar 1789] Am Freitag waren wir, aus unsern 4 Gemeinen, in Petershagen bei Ehrs. Frantz v. Riesen versammlet: Denn auf unser Schreiben von Dantzig an unsre ruszlaendische Emigranten hatten wir selbigen eine Antwort erhalten, mit dem Bericht dasz Sie dorten, auf unser Vorstellen, eine Wahl gehalte; davon sie an uns die saemtliche Stimmen der Brueder uebersandt. Wir machten durch Stimmen und Loos eine Auswahl, u. es wurden, nach gehaltenem Gebet, folgende zu dem Dienst der Gemeine bestimmt, wie aus nachstehender Copie zu ersehen.
[p. 160]
Schreiben an die Gemeine in Ruszland wegen der gehaltenen Auswahl Denen theuere u. werthgeschaetzten Deputierten, denen Ehrsamen u. Geliebten in den Dienst der Gemeine erwaehlten Lehrern u. Dienern, samt allen redlich gesinnten Brudern und Schwestern der Gemeine des Herrn, die bei Dubrowna in Ruszland Fremdlinge sind, sei von uns viel Gnade u. Friede durch das Erkenntnisz Gottes u. Jesu unseres Heilandes, aus bruederlichem Wohlmeinen herzlich angewuenschet. Aus eurem angenehmen Schreiben vom 1ten Merz alten Styls haben wir euren Fleisz u. Sorgfalt in dem Wahlgeschaefte, u. eure darin beobachtete Ordnung mit herzlichem Vergnuegen gesehen, u. da wir den Brief am 24. dito n. St. erhielten, sind wir darauf am heutigen Dato bei Ehrs. Fr. v. Riesen in Petershagen /: wie aus der Unterschrift zu ersehen :/ aus allen Gemeinen versammlet gewesen, um aus denen in eurem Schreiben verzeichneten Personen eine Auswahl von 4 Lehrer u. 2 Diener zu beschicken, da es dann, nach reifer Ueberlegung u. Gebet zu Gott, dahin gediehen, dasz durch Stimmen u. Loos folgende Personen getroffen worden:

1ten als Lehrer der Gemeine:

1. Jacob Wiens, der in Dantzig am langen Marckt gewohnet.

2. Gerhard Neufeld, der gewohnet auf Schuesseldamm.

3. David Giesbrecht, ein Bekannter des E. Aeltesten D. Thieszen.

4. Behrend Penner, ein Stiefsohn von G. Fast in Dantzig.

2tens als Diaconen.

1. Peter Dyck von Laakendorf oder Querwall.

2. Cornelius Vriesen, des Harm Wall sein Stiefsohn.

Dieses sind die Personen, denen durch des Herrn Gnade die Sorge u. Aufsicht der Gemeine in Ruszland anvertraut worden u. denen wir herzlich wuenschen, dasz Christus der rechte Oberhirte, durch den kraeftigen Beistand des heiligen Geistes mit einem reichen Maasz der Gaben Sie ausruesten wolle, um als Vorbilder der Gemeine, ihren Dienst treu u. redlich auszufuehren, aufs beste auf sich selbst u. die Lehre acht haben, u. darin bis ans Ende treulich beharren moegen: Damit sie sich selbst u. alle die ihnen gehorchen selig machen, u. am Ende ihres treu volbrachten Diensts die Krohne der Ehre von der Hand des Herrn empfahen moegen.

Die Wahl Deputierten werden hiemit ersucht, denen erwaehlten [p. 161] Lehrern folgende Fragen in unser aller Nahmen vorzustellen:

1. Ob ihr mit der Gemeine Gottes im Glauben eins seid, wie ihr in der h. Taufe bekannt und angenommen habt? Antwort.

2. Ob ihr den Beruf in den Dienst des Worts, der euch jetzt auferlegt worden, erkennet rechtmaeszig und von Gott seyn? Antwort.

3. Ob ihr nach dem Vermoegen, das Gott darreichet, euren auferlegten Dienst in der Gemeine, laut Gottes Wort, mit Lehren, Strafen u. Ermahnen treulich fuehren wollt? Antwort.

Denen Diaconen kann folgendes vorgestellet werden:

1. Frage: Ob ihr mit der Gemeine Gottes im Glauben eins seid, wie ihr in der h. Taufe bekannt u. angenommen habet? Antw.

2. Ob ihr euren Dienst u. Aufsicht ueber Beduerftige und Arme, nach dem Vermoegen, das Gott verleihen wird, willig uebernehmen, u. der Gemeine mit allem Fleis wollet vorstehen u. rathen helfen? Antw.

Hierauf koennen saemtliche erwaehlte Maenner ihren Dienst u. Amt, in Hoffnung, dasz der Herr mit ihnen seyn werde, getrost auffaszen, in dem festen Vertrauen, dasz Er, in dessen Dienst sie stehen, auf Ihr und der Gemeine Gebet, Sie niemahl ohne Huelfe lassen werde. Was ferner zum Unterricht fuer Lehrer u. Zuhoerer noethig ist, haben wir der guten Anordnung des Ehrs. Dienstes in Elbing, wegen Kuerze der Zeit, zu besorgen ueberlassen. Schlueszlich empfehlen wir Euch Gott u. dem Wort seiner Gnaden - Nach herzlicher Begrueszung mit des Herrn Jesu theuer erworbenen Friede verbleiben wir eure in Liebe verbundenen Mitknechte

Gerhard Wiebe Marten Hamm

Dirck Thieszen Herman Regier

Cornelius Regier Johann v. Bergen

Cornelius Warkentin David v. Riesen

Cornelius Epp Johann Wall

Jacob De Veer Gerdt Bachdach

Peter Claaszen Herrman Wiens

Isaac Peters Cornelius Fokking

Isaac Toews

Frantz Friesen

Abr. Siemens

NB. Dieses ist geschrieben u. unterzeichnet in unsrer Zusammenkunft in Petershagen in obigem Dato. Auf Gutbefinden dieser unterzeichneten Aeltesten, Lehrer u. Diener habe noch anzuregen, dasz wegen der [p. 162] beiden Candidaten Cornelius Froes und David Schoetz vor gut befunden worden, selbige dieses mahl mit der Auswahl zu uebersehen, aber nicht aus der Ursach, als ob wir selbige vor untuechtig halten, sondern blosz deswegen, weil Sie uns unbekannt, u. wegen ihres Wandels, in so kurzer Zeit kein genugsam Zeugnis haben erfahren koennen. Ist ihr Verhalten rechtschaffen, so wird in Zukunft ihre Treue Sie zu den Dienst der Gemeine wuerdigen.

An die ruszlaendische Emigranten.

Kurzer Unterricht u. Verhaltungs-Regeln vor Lehrer u. Diaconen, u. den saemtlichen Gemeindes-Gliedern.

1. Erstl. haben sowohl Lehrer als Diaconen, laut der Vorschrift des h. Apostels Pauli, wohl in acht zu nehmen, was derselbe an Thimotheo geschrieben 1 Thim. 4, 12. Sei ein Vorbild den Glaeubigen im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit. U. V. G. Habe acht auf dich selbst, u. auf die Lehre: Beharre in dieser staendig. Denn wo du solches thust, wirst du dich selbst selig machen u. die dich hoeren. Und 1 Cap. V. 18. 19. - Dasz du eine gute Ritterschaft uebest, u. habest den Glauben u. ein gut Gewissen; welches etliche von sich gestoszen, u. am Glauben Schiffbruch erlitten haben. Zugleichen was 1 Tim. 3 u. Tit. 2, 7. 8. zu eines Lehrers Unterricht aufgezeichnet stehet. Aus diesen u. dergleichen Schriftstellen ersehen wir, dasz Lehrer u. Diener der Gemeine, auf sich selbst, u. auf die Lehr die Sie der Gemeine vortragen, getreulich acht haben muessen: damit Sie nicht anders predigen, als was dem Wort Gottes, in den Schriften des alten u. neuen Testaments verfaszt, gemaesz und gleichfoermig sei; u. dasz ihr Wandel u. Lehre ueberein stimme. Naechst dem Predigen sollen sie auch

2. Zweitens, sonderlich ermahnen: naemlich, wenn sie erfahren, dasz ihre Gemeindes Glieber lasterhaft leben, u. wider Gottes Gebot suendigen, muessen Sie dieselben entweder selbst; oder durch Zeugen des wegen zusprechen, u. von ihrem boesen Wandel abmahnen; wenn diese aber nicht hoeren u. sich bessern wollen, oder in groben Lastern leben, u. davon ueberzeugt werden, dieselben von der Gemeine, mit Zuziehung der Bruederschaft absondern, auch die Gemeine ermahnen, dasz sie mit Abgesonderten keine Gemeinschaft haben sollten, zu ihrer Besserung. Darauf folget dann
[p. 163]
3. Drittens, dasz die Buszfertigen, wenn sie ihre Suenden erkennen u. bereuen, mit Zuziehung der Bruederschaft, in die Gemeine wieder auf u. angenommen werden muessen.
4. Wenn eheliche Verlobungen geschehen, muessen Sie darauf sehen, dasz die Verlobten nicht zu nahe im Gebluet und eines gleichen Glaubens sind. Die sich aber rechtmaeszig verlobet, sollen in der Versammlung, wie gewoehnlich, aufgeboten, u. wenn nichts zu ihrer Behinderung sich findet, durch einen Lehrer getraut u. ehelich zusammen gegeben werden.
Endlich sollen Lehrer u. Diaconen mit allem Fleisz darauf sehen, dasz alles ordentlich, in Friede u. Liebe, in der Gemeine zugehe: damit der Nahme des Herrn nicht gelaestert, sondern, gepriesen und verherrlichet werde.
Hergegen sind saemtl. Gemeines Glieder verbunden.

1. Ihren Lehrern u. Dienern zu gehorchen u. zu folgen, wie Gottes Wort lehret Hebr. 13, 17. auf dasz sie ihr Amt nicht mit Seufzen fuehren, denn das ist euch nicht gut.

2. Zweitens, soll die Gemeine ihre vorgesetzte Lehrer u. Diener lieben und ehren, denn so heiszt es Phil. 2, 29: Haltet solche in Ehren. Und 1. Thess. 5, 12. 13. Wir bitten euch aber, l. Br.: dasz ihr erkennet die an euch arbeiten, u. euch vorstehen in dem Herrn, u. euch vermahnen. Habet sie desto lieber um ihres Werkes willen, u. seid friedsam mit ihnen. Denn dieses ist die Art u. Eigenschaft der Schaeflein Christi, dasz sie friedsam sind. Dazu werden sie auch bewogen, wenn sie die grosze Last und schwere Buerde dieses Amts erwaegen, welches diese Maenner unentgeltlich uebernehmen, u. nach dem Vorbild Pauli mit ihren Haenden arbeiten, um nicht jemand beschwerlich zu seyn. Wenn aber Lehrer u. Diener dennoch Mangel an zeitl. Nahrung leiden, so ist die Gemeine schuldig u. verbunden, fuer deren Unterhalt zu sorgen; denn es ist ein Geringes, dasz die, so das Christliche saeen, auch des Liebe erndten, 1 Cor. 9, 11. 14. Erfordert es das christl. Erbe, die arme und duerftige Gemeinde Glieder zu helfen u. ihnen mitzutheilen: wie vielmehr ist dann die Gemeinde solches ihren Vorgesetzten schuldig? - - -

Elbing, d. 2 April 1789 Gerhard Wiebe, Fr. v. Riesen

Peter Dyck, Joh. v. Bergen

Abr. Suderman, Jac. Neufeld

[p. 164]
d. 5. April [1789] In Elbing predigte Es. Herman Regier, und im Ellerwald Es. Anthony Woelke ueber Joh. 19, 1. u. f.
P. Zacharias Ehefrau aufgenommen Am verwichenen 22ten Merz ward des Paul Zacharias Ehefrau, welche mit Heinrich Wieler, ein Sohn des Behrend Wieler von der Spitals Kampe, in Ehebruch gelebt, und eine geraume Zeit beide von der Gemeine abgesondert gewesen, wieder aufgenommen von Es. A. Woelke. H. Wieler war schon zuvor aufgenommen worden.
10. [Apr 1789] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke, ueber

Im Ellerwald bedienete ich ueber Text: Hebr. 5, 7-9. Vortrag: Der grosze Versoehntag der Christen. 1) Wie Christus an demselben das grosze Werk der Versoehnung volbracht. 2) Wer derselben theilhaftig wird.

12. [Apr 1789] In Elbing, am ersten Ostertag, predigte Es. Anth. Woelke,

Im Ellerwald predigte Ich ueber Joh. 20, 1-18. Vortrag: Die Staerkung des Glaubens durch die Auferstehung Christi. 1. Die Unwissenheit d. Juenger an dem Geheimnis der Auferstehung. 2. Wie durch die Offenbarung Jesu der schwache Glaube der Juenger gestaerkt worden.

13. [Apr 1789] In Elbing Es. Frantz v. Riesen,

Im Ellerw. predigte Ich ueber Luc. 24, 13-35. Vortrag, die Offenbarung Jesu an seine betruebte Juenger.

19. [Apr 1789] Am ersten Sontag nach Ostern haben unsere beide neuerwaehlte Lehrer die erste Predigt gethan, u. beiden auch erbaulich anzuhoeren gewesen.

In Elbing predigte Es. Hans von Bergen seine Eintritts Predigt, ueber Text Matth. 10, 7.

Im Ellerwald Es. Hans von Riesen ueber Text: Joh. 20, 21.

getraut In der vorigen Woche ward von Es. Anth. Woelke getraut, [blank] aus der Heubudschen Gemeine, mit [blank]
26. [Apr 1789] In Elbing habe unter goettl. Beistand mit die Glaubens-Lehre den Anfang gemacht.

Im Ellerwald bedienete Es. H. v. Bergen mit seiner Eintritts-Predigt.

d. 3. May [1789] In Elbing hielt Es. Hans v. Riesen seine Eintritts-Predigt ueber Text Joh. 20, 21 wie am 19. April.

Im Ellerwald predigte Es. Harm Regier.

6. [May 1789] In Elbing predigte am Bettage Es. Anth. Woelke.

[p. 165]

Im Ellerwald predigte Ich G. W. ueber Psalm 130 ganz.

10. [May 1789] In Elbing predigte Es.

Im Ellerwald predigte Es. Hans von Bergen wie am 19. April.

17. [May 1789] In Elbing predigte

Im Ellerwald bediente Es. Hans v. Riesen.

H. Wieler getraut In der vorigen Woche ist Heinr. Wieler, ein Sohn des Behrend Wieler von der Spitals-Kampe, mit Catharina Sowatzken, des Daniel Sowatzken Tochter, von E. Anth. Woelke getraut.
21. [May 1789] Am. h. Himmelfahrths Tage predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald Es. Frantz v. Riesen ueber das Evangl.

24. [May 1789] In der Stadt predigte Es. H. v. Riesen nochmahls seine Eintr.-Pred.

Im Ellerwald habe die Glaubens-Lehren vorgetragen.

Zusammenkunft in Dantzig wegen Sendung eines Aelt. nach Ruszland In Dantzig war Zusammenkunft aus unsren 4 Gemeinen, wegen den ruszlaendischen Emigranten, um selbigen mit einem Aeltesten zu besorgen; auf Zureden sowohl der andern Aeltesten als der gesamten Versammlung, uebergab sich der Dantziger Aelteste Peter Epp gelassentlich, unter goettl. Geleit, die Reise dorthin zu uebernehmen, nur wolte er gern einen Gehuelfen am Evangelio zu seinem Reisegefaehrten haben. Darauf ward folgendes Schreiben an die ruszlaendische Gemeine ausgefertiget:

Danzig auf Stadts Gebiete

d. 24. May 1789

Werthgeschaetzte Mitarbeiter am Evangelio,

und vielgeliebte Brueder in Christo!

Der Gemeine Gottes, den Geheiligten in Christo Jesu, den berufenen Heiligen, samt allen denen die anrufen den Namen des Herrn J. C. Gnade sei mit euch u. Friede von Gott unsrem Vater u. dem Herrm Jesu Christo, Amen.

Nach diesem wohlgemeinten und herzlichen Wunsche haben wir Ursache euch mit dem Sitten-Lehrer Sirach (im 51. Cap.) zuzurufen: Freuet euch der Barmherzigkeit Gottes u. schaemet euch seines Lobes nicht - indem Gott euer Gebet in Gnaden erhoeret, und euch die Bitte gegeben, die ihr von ihm gebeten habt. Ja, lieben Brueder! es hat dem hoechsten Regierere gefallen, die Herzen der [p. 166] hiesigen Gemeine zu einem christl. Boten dergestalt zu lenken; sodasz dieselbe mit vieler Ruehrung u. voll Vertrauen auf Gott (dessen Hand auch hierbei sichtbar gewesen) in der Auswanderung ihres lieben Aeltesten einstimmig gewilliget hat. -

Wir kamen in dieser Absicht heute Vormittage bei einer zahlreichen Bruederschaft zusammen; u. nachdem der Ehrw. Aelteste Regier zu diesem Behuf ueber Apostelgesch. 16, v. 9. 10 einen ruehrenden Vortrag gehalten, befahlen wir diese wichtige Sache unter Gebet u. Flehen dem Herrn. - Derselbe ist dann auch /: wie wir sagten :/ mit seinem Geist unter uns gewesen, und hat zu eurem geistl. Vortheile den eigentlichen Ausschlag gegeben; indem unser lieber Aeltester sich durch Gottes Lenkung ueberzeugt gefunden: dasz ihn der Herr dorthin berufen hat, euch das Evangelium zu predigen.

Danket also, ihr Lieben! dem Herrn unsrem Gott, der eure geistl. Noth in Gnaden angesehen, und sowohl lieben Aeltesten diesen Ruf an euch ins Herz gegeben; als auch die Gemuether, welche anfaenglich nicht so ganz einstimmlich waren, (wiewohl mit thraenenden Augen) zur Einwilligung gelenket hat. Ihm sei auch dafuer Ehre u. Preis in Ewigkeit, Amen!

Nun aber, geliebten Brueder, halten wir es auf Ersuchen der Gemeine fuer nothwendig, drei nacheinander folgende Bedingungen festzusetzen; als unter welchen einzig u. allein in dieser fuer ihren lieben Aeltesten so beschwerlichen Reise gewilliget worden. Ihr Lieben werden die Billigkeit dieser Vorschriften um so viel besser einsehen; als wie sich durch deren Erfuellung eure Liebe zu diesem Manne, u. auch zu uns, gleich stark an den Tag legen wird. -

Einmahl: Da die hiesige Gemeine, obgleich mit beschwertem Herzen, in die Auswanderung ihres lieben Aeltesten eingewilliget hat, u. nur deswegen zu diesen fuer uns u. ihn gleich sauren Schritt bewogen worden: um euch nicht laenger Waisen zu lassen, - so geschieht dies dennoch unter keiner andern Bedingung: Als, dasz nachdem durch ihn, vermittelt goettlicher Haelfe, die Mauern zu Zion gebaut, um die noethige Einrichtung zum dortigen Aeltesten-Amte gemacht werden, Ewr. Lieb. denselben auch wiederum willigem Herzen u. im Frieden Gottes zu uns heimkehren zu lassen. Ew. Lieb. werden dieses um soviel eher genehmigen, als wie Sie bei sich selbst ueberzeugt seyn werden: dasz wir unsern uns so theuren Aeltesten auf [p. 167] eine lange Zeit entbehren muessen.
Zweitens: Da Ew. Lieb. in Ansehung der vorzuschieszenden Reise-Lasten sich mit der groeszten Willigkeit erklaert haben, dasz Sie dazu 180 # in 3 verschiedenen Orten zu habenden Portionen bestimmt hatten; so ersuchen wir Ewr. Lieb. im Namen der Gemeine, diese freundschaftl. Anerbietung in so weit zu verbessern: Dasz diese Summa von EinHundert u. achtzig # in einem Posten, u. also auf einmahl, bei einem hiesigen Handlungshause angewiesen werde. Sobald dann dieselbe alhier gehoben worden sind, koennen Ew. Lieb. sich auch auf die baldige Abreise unsres l. Aeltesten verlassen; u. je her dieselbe alhier angewiesen worden; je eher werden sich auch Ehrw. Lieb. seines Abzugs erfreuen koennen, welcher nach unserer Rechnung (so Gott will) in Zeit von 6 Wochen statt haben kann. Auch dieses unser dienstliches Ersuchen wird gewisz von allen in Liebe gebilliget werden muessen, die gerne alles zum besten deuten.

Drittens: Wenn denn der Herr sowohl zur gluecklichen Herueberkunft des lieben Aeltesten, als auch zur weiteren Einrichtung der geistlichen Haushaltung seinen Segen gegeben hat; so haelt sich die hiesige Gemeine versichert, dasz da dieselbe Ew. Lieben in ihrem dringenden Verlangen genuegen geleistet - Sie auch dafuer Sorge tragen werden, den uns und Ihnen gleich theuren Mann bei seiner (Gott gebe) gluecklichen Rueckreise mit allen noetigen Beduerfnissen zu versehen: damit derselbe, unterm Schutz Gottes u. in Begleitung vieler Segenswuensche, auf alleinige dortige Kosten wieder anhere befoerdert werde, weil bis dahin, und also nur auf glueckliches Wiedersehen, das Aeltesten-Amt bei unsrer Gemeine unbesetzt bleiben wird.

Auch diese unsere billige Forderung werden Ew. Lieb. soviel eher eingehen, als wie der liebe Aelteste mit willigem Herzen den Bau eures geistlichen Zions uebernommen, u. also auch in diese Stuecke, so wie wir selbst, auf eure Liebe zu ihm und uns das beste Vertrauen hat. - Gott aber, der unsere lieben Mitarbeiter am Evangelio dorthin berufen hat mit seinem heiligen Rufe, geleite ihn zu seiner Zeit gesund und gluecklich an Stelle und Ort, u. lasse dieses wichtige Werk an euer aller Herzen zum Preise seines Namens gesegnet seyn. - Zuletzt, liebe Brueder! freuet euch, seid vollkommen, troestet euch, habt einerlei Sinn, seid friedsam: so wird [p. 168] Gott der Liebe u. des Friedes mit euch seyn; mit welchen theuren Frieden - wir auch alle von uns u. der ganzen Gemeine begrueszen u. unser Befehlung Gottes mit wahrer Bruderliebe verharren

Ehrw. Lieben Mitdiener in Christo

Unterschrieben von folgenden:

Wie auch von 40 Bruedern Peter Epp, Dirk Thiessen, Gerh. Wiebe,

unterzeichnet Corn. Regier, Anthony Woelke, Corn. Warkentin,

Corn. Epp, Peter Thieszen, Jacob de Veer,

Gerh. von Bergen, Joh. von Bergen, Hans Momber,

Gert Bachdach, Corn. Focking, Joh. Kauenhowen,

Daniel de Veer

d. 31. May [1789] Am ersten h. Pfingst Tag predigte in der Stadt Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald Es. Frantz v. Riesen; in Sparrau Es. H. Regier.

d. 1ten Juny [1789] In der Stadt predigte Es. Fr. v. Riesen; in Ellerwald Es. H. Regier.

In der Stadt predige ich die Glaubens-Lehre.

Im Ellerwald Es. Anth. Woelke ueber

14. [June 1789] In Elbing preidgte Es. Peter Dyck ueber Text Gal. 6, 15.

Im Ellerwald prd. ich die Glaubens-Lehre; in Sparrau Es. H. v. Bergen.

15. [June 1789] Die Jugend ward von mir im Katechismus unterrichtet.
[p. 169]
d. 21. [June 1789] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald Es. Peter Dyck, die vorige Predigt.

Nach der Predigt wurden die Jugend aufgezeichnet, 15 Personen.

Nachmittage habe zum 2ten Mahl die Katechismus-Uebung gehalten.

28. [June 1789] In Elbing predigte J. Peter Dyck, Text: Gal. 6, 15.

Im Ellerwald bedienete Ich ueber Vorrede Jer. 31, 25. Text: Matthaeo 11, 28-30. Vortrag: Der Gnadenruf des Heilandes an alle bekuemmerte Seelen. 1. Wer diese Bekuemmerte sind, die der Heiland rufet. 2. Wie sie den Gnadenruf folgen u. zu dem Heiland kommen sollen. 3. Das Gute - so sie bei ihm finden; a) eine Erquickung u. b) eine leichte Last.

Nachmittage unerwies die Jugend ausdem Katechismo, und da eine ziemliche Anzahl Zuhoerer waren, so hielte eine Rede ueber 1 Joh. 2, 3-6.

d. 5. July. [1789] In der Stadt bedienete ich die Taufe an 4 Personen, und predigte dabei ueber Apost. Gesch. 2, 37-42.

Die Taeuflinge waren folgende: (Namen-Eintrag fehlt. Lt. . . . von Al Woelcke wurden getauft: Daniel Hamm; Catharina Wientzen; Siemens . . . Agnetha Dycken, Klaes Toews, Wielerin Baubach , , ,)

Auf dem Lande Predigte Es. Peter Dyck die vorige Predigt.
d. 12. [July 1789] In Elbing predigte Es. Peter Dyck.

Im Ellerwald bedienete die Taufe an 15 Personen, u. predigte ueber 1 Pet. 3, 21.

Die Taeuflinge waren folgende:

Nahmen ds. Orths Nahmen d. Taeuflinge Nahmen d. Vaeter

Sparrau Anna Friesen Claas Friesen

Krebsfeld Agneta Gisbrecht Jacob Giesbr.

Gr. Wickerau Agneta Warkent. Hans Warkentin

Robach Elisabeth Woelk Arend Woelke

Ellerwald Catharina P. Hans Penner

Anna Dirks Jacob Dirksen

[p. 170]

Kommerau Peter Loewens Peter Loewens

Ellerwald Gerhard Wiens Gerhard Wiens

David Penner Hans Penner

Roszgarten Peter Klaaszen Julius Klaaszen

Muensterberg Paul Epp Behrend Epp

Laakendorf Hans Barg Willem Barg

Ellerwald Heinrich Dyck Dirk Dyck

Heinrich Wiens Thomas Wiens

Peter Penner Abraham Penner

Summa 9 maennliche Personen

d. 16. July [1789] Am Donnerstag waren wir im Dienst versammlet, und der Ehrw. Cornelius Regier der zur Tauf- und Abendmahls-Bedienung nach Koenigsberg reisete, auch der Ehrw. Cornelius Warkentin von Rosenorth waren mit zugegen; die Vollmacht, welche auf des Dantziger Es. Diensts begehren zu der Reise des Ehrw. Aeltesten nach Ruszland von mir verfertiget worden, ward vorgelesen, und zur Unterschrift bestimmt; sie lautet folgender maszen:

Nachdem auf Ihre Ruszische Kayserl. Majest. allergnaedigste Vergunstigung, eine geraume Anzahl unserer Glaubens-Genossen sich entschlossen nach Ruszland zu Emigrieren, um daselbst unter Hoechstderoselben ruhmwuerdige Regierung, als getreue Unterthanen sich redlich zu ernaehren, auch bereits zu dem Orth ihrer Bestimmung /: in der fruchtbaren Gegend am Nieper-Flusz, oberhalb Cherson am Perekopschen Wege :/ auf der Reise sind: So haben wir Aeltesten, Lehrer und Diener der unterbenannten Gemeinen /: die Mennoniten genennet werden :/ aus Pflicht unseres Amts, und weil wir von den Emigranten zu [p. 171] wiederholten Mahlen recht flehendlich darum ersucht worden, noethig erachtet, nachdem Sie bereits mit Lehrer u. Diener aus ihrem Mitte besorget worden, ihnen auch einen erfahrenen Aeltesten zum Aufseher zu zuzusenden; zu welchem wichtigen Dienst der Ehrw. Peter Epp, jetziger Zeit treufleisziger Aeltester der Gemeine in Dantzig ausersehen worden, von dessen Rechtschaffenheit, Fleisz und Treue, waehrend seines dreisizgjaehrigen Dienstes am Wort Gottes genugsame Proben vorhanden sind; der auch, nach reifer Ueberlegung, in der Furcht des Herrn, in diese wichtige Sendung gewilliget hat.

Wir Unterschreiben, Bevollmaechtigen und Senden denmach, mit Genehmigung unsrer Gemeinen, diesen unsren lieben Mitaeltesten Peter Epp, um unter goettlichem Geleit, zu bemeldten unsern Glaubensgenossen in Ruszland, an den Orth ihres Aufenthaltes zu reisen, daselbst dieser neuen Gemeine, so lange es die Umstaende notwendig machen, als Oberaufseher u. Aeltester Lehrer, den Grundsaetzen unseres christlichen Glaubens gemaesz, nach dem Vermoegen das Gott darreichen wird, wohl vorzustehen; das Wort des gnadenreichen Evangeliae von Christo, laut der h. Schrift rein und lauter zu predigen; Aeltesten, Lehrer u. Diaconen zu waehlen und einzusegnen; die erwachsene, buszfertige Personen auf das Bekenntnis ihres Glaubens zu taufen; das heilige Abendmahl des Herrn den Glaeubigen in der Gemeine auszuspenden; die halsstarrige Suender, mit Zuziehung der Lehrer u. Brueder von der Gemeine abzusondern, u. die Buszfertige wieder anzunehmen: Ueberhaupt aber darauf zu sehen, dasz alles in der Gemeine ordentlich u. christlich zugehe. -

Also empfehlen wir der Gemeine Gottes in Ruszland diesen unsren Ehrw. Mitaeltesten Peter Epp aufs nachdruecklichste: Demselben in allem Guten treulich zu gehorchen und zu folgen, Ebr. 19, 17. Ihn in Ehren zu halten, fuer seinen Leibes-Unterhalt zu sorgen, wie solches rechtschaffenen Christen Pflicht und Schuldigkeit erfordert, laut 1 Tim. 5, 17. Luc. 10, 7. und 1 Cor. 9, 14 u. dergl. -

[p. 172] Wie nun dieses unser aufrichtiger Wille und Verordnung ist, so haben wir Aeltesten, Lehrer und Diener diese Vollmacht eigenhaendig unterschrieben, und zu welcher Beglaubigung mit der Gemeine Siegel bekraeftiget. Gegeben zu Dantzig, am zwanzigsten Tage des Monaths July, im Jahr des Herrn 1789.

Im Namen des ganzen Ehrs. Diensts haben folgende sich unterzeichnet:

Aus der Danziger Gemeine Aus der Grosz Werderschen Gemeine

Aus der Elbingschen Gemeine Aus der Heubudschen Gemeine

Gerhard Wiebe, Aeltester Cornelius Regier, Aelt.

Anthony Woelke, Lehrer Herman Wiens

Peter Dyck, Lehrer

NB. Nachdem der liebe Aelt. Pet. Epp die Abschiedspred. gehalten, ist er allmaehlich schwach worden, bis er d. 12. Nov. dieses Zeitliche gesegnet, und also nicht nach Ruszland, sonder nach der seligen Ewigkeit gereiset.

d. 19. July [1789] In Elbing hielte Es. Anth. Woelke die Vorbereitungs Predigt.

Im Ellerwald predigte Es. Peter Dyck die vorige Pred.

26. [July 1789] In Elbing unterhielten wir das h. Abendmahl mit 175 Personen, ich predigte ueber Jes. 53, 6. 7.

Im Ellerwald hielte Es. Fr. v. Riesen die Vorbereitungs-Predigt.

Nachmittage hielte ich in der Stadt eine Dankpredigt ueber Text Psalm 56, 13. 14. Vortrag: Die Wohlthaten Gottes als eine Erweckung zur schuldigen Dankbarkeit. 1. Die Verbindligkeit Gott zu danken. 2. Der Bewegungsgrund zur Dankbarkeit. 3. Worin wir unsere Dankbarkeit beweisen sollen.

30. [July 1789] J. v. Riesen vor den Dienst. Am Donnerstag war Joh. v. Riesen in Elb. vor den Dienst, weil er auf Es. Anthon Woelke uebel zufrieden, als ob er ihm [p. 173] veraechtlich begegnet, auf dem Begraebnis des Joh. Wiensen Tochter; Dagegen Es. A. W. auf Ihn uebel zufrieden, wegen der Freydenkerischen Rede, um deswillen Ihn auch seine scharfe Ermahnung gehoeret. Beide versoehnten sich wegen der vorgefallenen Rede, u. v. Riesen ward in Liebe gewarnet, sich vor dergleichen freidenkerischen Rede zu hueten, welches er auch versprochen.
d. 2. Aug. [1789] In Elbing predigte Es. Joh. v. Bergen ueber Ps. 73,

Im Ellerwald unterhielten wir hl. Abendmahl mit 327 Personen; Ich predigte ueber 2 Cor. 5, 21.

9. [Aug 1789] In Elbing predigte Es. Joh. v. Riesen ueber Hebr. 4, 15. 16.

Im Ellerwald hielte Es. Anth. Woelke eine Dankpredigt, auf die Unterhaltung des h. Abendmahls. Text: Ps. 57, 8-11.

16. [Aug 1789] In Elbing pred. Es. Anth. Woelke,

Im Ellerwald Es. Joh. v. Bergen ueber Text Psalm 73, 28.

23. [Aug 1789] In Elbing predigte Es. Joh. v. Bergen, ebend.

Im Ellerwald . . . Es. Joh. v. Riesen, das Vorige.

30. [Aug 1789] In Elbing - - Joh. v. Riesen ebend.

Im Ellerwald - - Joh. v. Bergen - -

27. [Aug 1789] P. Jantzen vor den Dienst Am Donnerstag war Peter Jantzen der Pohamentierer vor den Dienst, weil er beschuldiget ward wegen seines Bandwein[?] Trinken, welches Er zwar nicht ganz laeugnen konnte, aber doch wenig gestehen wolte; er bat um Vergebung und versprach Besserung.
d. 1. Sept. [1789] T. Wiens getraut Thomas Wiens jun., ein Sohn des Thomas Wiens von der 3ten Trift des Ellerw., ward mit Maria Bocken, die Tochter des Heinrich Bock, von Es. Fr. v. Riesen getraut.
6. Sept. [1789] In der Stadt predigte Es. A. Woelke.

Im Ellerwald Es. I. v. Riesen, ueber Hebr. 4, 15, 16.

13. [Sep 1789] In Elbing predigte Ich G. W. ueber Vorrede Joh. 16, 13. Text: Gal. 5, 16-24. Vortrag: Der grosze Unterschied des geistl. oder fleischlichen Wandels. 1. Nach beider Thaten, und 2. Nach der darauf folgenden Belohnung.

Im Ellerwald bedienete Es. Anthon. Woelke, ueber Vorrede Ap. Gesch. 26, 27. Text: Luc. 17, 11-19.

[p. 174]
20. [Sep 1789] In Elbing pred. Es. Anth. Woelke, Text: Mat. 6, 24-34.

Im Ellerwald Es. Joh. v. Riesen, die vorige Predigt. Ich bediente auf Rosenorth ueber Vorrede Matth. 6, 21. Text: Phil. 3, 20. 21. Vortrag: Von dem Leben und Wandel der Glaeubigen. 1. dessen Beschaffenheit, u. 2. Was Glaeubige zu erwarten haben.

27. [Sep 1789] In Elbing predigte Es. A. Woelke.

Im Ellerwald Es. Jacob Friesen von Rosenorth ueber Text. Psalm. 104, 13-15. Es war eine schoene Erndte-Predigt.

d. 4. Octbr. [1789] In Elbing bedienete Es. Ant. Woelke die Erndte Predigt.

Im Ellerwald predigte Ich ueber Ap. Gesch. 14, 15-17. Vortrag: Das Zeugnis von der Guete Gottes; wie sowohl 1) das Wort Gottes, als auch 2) die Gaben der Natur die deutlichsten Zeugnisse der Guete Gottes sind, so wie ueberhaupt also auch besonders zur Zeit der Erndte.

1. Isaac Sudermann 2. G. Penner getraut In Elbing ward Isaac Sudermann, der Sohn unseres Diac. Abraham Suderman mit die hinterlassene Wittwe von weiland unseren Mitlehrer Isaac Reimer, und dann auch Gerhard Penner, ein Sohn von Gerhard Penner, mit des Gerhard Wiensen hinterlassene Tochter, von Es. Ant. Woelke getraut.
11. [Oct 1789] In Elbing predigte Es. Frantz v. Riesen, ueber Mat. 5, 20-.

Im Ellerwald predigte Es. Anth. Woelke, ueber Matth. 22, 34-40.

18. [Oct 1789] In Elb. pred. Es. Anth. Woelke,

Im Ellerwald Es. Fr. v. Riesen, das Vorige.

25 [Oct 1789] In Elbing predigte Es. Hans v. Bergen

Im Ellerwald Es. Frantz v. Riesen, das Vorige.

d. 1ten Nov. [1789] In Elbing predigte Es. Fr. v. Riesen, --

Im Ellerwald Es. Hans v. Bergen.

Ich Predigte zu Heubuden ueber Vorrede Mat. 6, 21. Text Phil. 3, 20. 21.

8. [Nov 1789] In Elbing predigte Es. Joh. v. Riesen.

Ellerwald Es. F. v. Riesen - -

d. 12. Nov. [1789] Starb der Dantziger Aelteste Peter Epp, und ward d. 19. Nov. zur Erde bestaettigt.
[p. 175]
d. 15. Nov. [1789] In Elbing predigte Es. Fr. v. Riesen.

Im Ellerwald predigte Ich ueber 1. Thess. 4, 13-18. Vortrag: von der Auferstehung der Todten, 1. derselben Gewiszheit, 2. Umstand, u. 3. Trost.

C. Wall getraut Nach der Predigt ward Cornelius Wall, nachgelassener Sohn von Gerhard Wall, mit Margareta Wallen, die Tochter des Ehrenfried Wall aus der Heubudschen Gemeine getraut.
19. [Nov 1789] Am Donnerstag war Peter Klaaszen und Jacob Wiens vor den Dienst, weil erster den letztern anklage, dasz er ihm im Christburgschen Jahrmarkt 2 Pferde zum Verkauf aufgeritten, aber dieselbe ihm nicht wieder abgegeben, dadurch die Pferde verlohren gegangen, daher er verlangt, dasz Jakob Wiens ihm den Schaden ersetzen soll. Jakob W. entschuldiget sich, dasz er die Pferde dahin gebracht, wo ihn P. Klaaszen bestimmt, und als er ihn weder daselbst noch anderswo finden koennen, die Pferde angebunden, und dem Wirth solches gemeldet, auch darauf weggereiset sei. Wir haben ihnen beiderseits zum Vertrag angerathen, und J. W. versprach, sich dahin zu befleiszigen; sagte auch, dasz er bis Christburg gereiset gewesen, u. dasz daselbst ein gefunden Pferd in des Buerger Meisters Stall verwahret stehe.
22. [Nov 1789] In Elbing predigte Es. Hans v. Bergen,

Im Ellerwald - Es. H. v. Riesen, ueber Mat. 18.

29. [Nov 1789] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerw. - - Ich G. W. ueber 1. Thess. 5, 1-11.

d. 23. [Nov 1789] G. Wiens getraut Gerhard Wiens, ein nachgelassener Sohn von G. Wiens ward mit die Wittwe von weiland Jacob Warkentin in Elbing getraut.
d. 6ten Dec. [1789] In Elbing predigte

Ellerwald predigte Es. Harm Regier ueber Text: Mat. 5, 7.

13. [Dec 1789] In Elbing predigte Es. Herrman Regier ebend. - -

Ellerwald - - Ich Gerhard Wiebe ueber Matth. 25, 1-13. Vortrag: Die nothwendige Zubereitung u. Wachsamkeit gegen Christi Zukunft.

[p. 176]
20. [Dec 1789] In Elbing predigte Es. Anth. Woelke.

Im Ellerwald - - Es. Herrman Regier, ueber Mat. 5, 7.

25. [Dec 1789] Am ersten h. Weihnachtstage predigte Es. Hans v. Bergen ueber Jes. 59, 20, Denn denen etc. im Ellerwald.

In der Stadt Es. Anth. Woelke.

26. [Dec 1789] Am zweiten Weinachtstag in Elbing Es. H. v. B. ebend. - -

Im Ellerwald Es. Fr. v. Riesen ueber Rom. 5, 15.

27. [Dec 1789] In Elb. Es. Anth. Woelke. im Ellerwald ward nicht Predigt.
Also ist dieses Jahr unter goettl. Beistand, vollendet; des Herrn Name sei dafuer herzlich gelobet u. Dank gesagt.
Vom 1ten Nov. 1788. bis zum 1ten Nov. 1789 sind in unserer Stadt- und Land-Gemeine 8 getraute Paar.

Geboren, 15 maennl., 18 weibl., gestorben 17 maennl., u. 13 weibl., dasz also das Leben nur 3 Personen gewonnen hat.

[p. 177]
Gott sei uns gnaedig, und segne uns; er lasse uns sein Antlitz leuchten, Sela! Ps. 67, 1.
1790. Neujahr. In Elbing predigte Ehrs. Anth. Woelke ueber Ps. 118, 24. 25.

Im Ellerwald predigte Ich ueber Luc. 2, 21. Vortrag: Die Beschneidung des Alten Bundes, als ein Vorbild der geistlichen Beschneidung; 1. Nach ihrem Ursprung und Bedeutung; 2. Wie sie uns zum Vorbild der geistlichen Beschneidung dienet.

d. 3. [Jan 1790] In Elbing predigte Ich ueber Text: Gal. 4, 1-6. Vortrag: Der unterschiedene Zustand des Menschen unter dem Gesez u. unter dem Evangelio. 1. Der Stand unter dem Gesez, und 2. unter dem Evangelio.

Im Ellerwald predigte Es. Peter Dyck ueber Matth. 6, 33.

10. [Jan 1790] In Elbing pred. Es. Anthony Woelke.

Im Ellerw. - Ich ueber Matth. 2, 1-12. Vortrag: Die gute Sache derer, die den Herr Jesum suchen; dasz sie 1. von Gott erweckt, 2. recht gefuehrt, 3. und ihr Suchen zum gewuenschten Ende gebracht wird.

17. [Jan 1790] In Elbing pred. E. H. Regier,

Im Ellerwald Es. Pet. Dyck ueber Math. 6, 32-33.

24. [Jan 1790] In Elbing hielte Es. Anth. Woelke die Vorbereitungs-Predigt.

Im Ellerwald predigte Es. Pet. Dyck.

31. [Jan 1790] In Elbing unterhielten wir das h. Abendmahl mit 161 Personen; ich predigte ueber Joh. 3, 16. Vortrag: Von der unumschraenkten Groesze der Liebe Gottes. 1. An wen er die Liebe erwiesen; 2. Worin er sie erwiesen; 3. Wer derselben theilhaftig wird, u. 4. der herrliche Nutzen, so daraus entstehet.

Nachmittag hielte Es. Anth. Woelke die Dankpredigt, ueber Text: 2 Cor. 5, 14.

d. 7. Febr. [1790] In Elbing predigte Es. Peter Dyck.

Im Ellerwald hielte Es. Anth. Woelke die Vorbereitungs-Predigt, ueber Text Eph. 1, 15-18. Es war eine erbauliche Predigt.

Edict wider Kindes-Mord.- Nach der Predigt ward das Edikt wegen dem Verbot des Mords unehelicher Kinder den Bruedern vorgelesen.
[p. 178]
d. 14. Febr. [1790] In Elbing predigte Es. H. v. Bergen.

Im Ellerwald hielten wir das h. Abendmahl mit 207 Personen, und ich predigte ueber Text: 1. Cor. 11, 23-28. Vortrag: Das Liebes- und Gedaechtnis-Mahl des Herrn. 1. Dessen Einsetzung u. 2. Gebrauch. 1. (a) Wer es eingesetzt. (b) Wann, und ©) womit es eingesetzt worden. 2. (a) zum Gedaechtnis, (b) den Tod des Herrn dabei zu verkuendigen. ©) Wer es empfahn un genieszen soll. (d) erfordert eine wahre Selbstpruefung.

Das erste Schreiben von unsere ruszlaendsche Brueder, aus dem Ort ihrer Bestimmung. Dasselbe erhielte ich d. 13. Febr. welches an die Gemeinen zu Dantzig, Heubuden u. Groszwerder Copirt uebersandten. Nach geendigtem Gottesdienst ward der ganzen Gemeine ein Schreiben vorgelesen von unsere Gemeine in Ruszland, welches also lautet:

Dorf Chortitz 27 Meil von Cherson, auf

derselben Seite des Dnieper, d. 18ten

Decemb. alten Stils 1789

Insonders lieb und werthgeschaetzte Aelteste, Lehrer als Mitarbeiter an dem Evangelium, und Diaconen; samt allen Mitgliedern davon dasigen Gemeinen sei gewuenschet: Gnade, Liebe und Friede von Gott dem Vater, durch das Erkenntnis Jesu Christi, der am juengsten Tage sich als unser Leben offenbaren wird, und wir mit ihm werden offenbar werden in der Herrlichkeit. Col. 3

Nach diesem herzenswunsch von uns allen: Berichten wir Euch, dasz das Schreiben vom 10ten Sept. d. 3ten Oct. uns gluecklich zu Haenden gekommen ist; woraus wir auch vernommen haben, dasz Ihr sowohl den Brief von uns, wie auch die 600 Rubel an ihre Behoerde empfangen habt, welches uns von Herzen lieb ist. Aber dasz es mit unsren liebwerthen Aeltesten noch etwas scheinet zu verziehen (dieweil Ihm der liebe Gott mit Krankheit darnieder geleget), das hat uns von Herzen sehr betruebet; und betruebet uns auch noch, dasz wir so lange als vaterlose Schafe muessen in der Fremde, als wie in der Irre herumgehen. Ach! moechten wir wohl mit [p. 179] dem Propheten klagen: Ist denn keine Salbe in Gilead, oder ist kein Arzt nicht da? Dasz wir so ganz verlassen leben muessen, nachdem dasz das Verlangen, sowohl von unsern Dienst, wie auch noch vornehmlich von der ganzen Gemeine sehr grosz ist; denn wir haben fast Tag und Nacht gewartet, mit recht groszem Verlangen, ob nicht bald wuerde ein Zeitung kommen, dasz der liebe Mann auf der Reise waere, aber vergebens. Wir muessen uns also getroesten, dasz es dem Allerhoechsten Regierer also gefallen hat. Aber wie es anlegt, so ist auch sonst niemand, der sie um den Schaden . . . [missing words?] bekuemmere, und es Ihm recht zu Herzen ginge; uns verwundert es sehr, dasz wir uns muessen so lange verlassen sehen, als wenn keinen Rath zu dieser Sache zu finden ist; und von unserer Seiten haben wir doch allen Fleisz daran gewandt, so dasz wir meinten, dasz nun nichts mehr fehlete, was zu unserm Besten in dieser Sache war; aber so lange noch ganz vergebens. Ja, wenn Ehrw. es sich recht zu Herzen nehmen, und sich in unsrer Stelle setzen, so fragen wir: Was duenket ihnen? Wir sind doch, so zu sagen, nur Kinder am Verstande, was der ein schweres Amt uns oblieget, und was vor Muehe und Kummer es bei uns erwecket: Nachdem sich die heran nahende Jugend, und die ganze Gemeine, wie verlassen befindet, indem nichts von den loeblichen Ordnungen (Ew. verstehen doch wohl, was wir schreiben) als Tauf und Abendmahl bei uns kann gehalten werden: So besorgen wir, dasz durch die lange Zeit eine Unordnung daraus entstehen kann, und das noch deswegen: Weil die Friesische Brueder sich in keinem Punkt (ausgenommen wenige Familien) mit uns haben vereinigen wollen: sondern haben den vermeinten Lehrer Frantz Pauls, der sich hierzu aufgeworfen, angenommen. - Und die beide, naml. Cornelius Froes und

[p. 180] David Schoetz, die von Ew. als Candidaten angesetzet waren, haben sie, ohne weitere Wahl, als Lehrer angenommen (wovon der letztere David Schoetz aus diese Zeit ist in die Ewigkeit abgefordert worden) und sich von uns ganz abgegeben und abgesondert haben. Und darzu, so ist, ihrem Vorgeben nach, auch ihr Aeltester Joh. Klaaszen ihnen nachgekommen, der nach seinem Vorgeben (wie uns selbst ist von glaeubigen Personen erzehlt worden) viel Wunder und Fabeln ihnen einbildet, und die Summen verruecket, von der Einfaeltigkeit in Christo Jesu; aber nach seinem Amt, ob er auch eine gemeintliche Bestaedtigung habe, haben wir nicht nachgefraget. Es waere gut, wenn Ew. in den dasigen Gemeine, es genau erkundigten, wie weit sich ihre Bestimmung in ihrem Amte betrage: denn sie machen uns viel Widerwillen, und es scheinet, als wenn sie mit ihrer Gemeine ganz im Standesind. - Es haben sich schon einige von unsern Mitgliedern hoeren lassen, dasz, wenn es noch lange verziehen sollte, ehe wir mit dieser Sache geholfen wuerden, dasz sie sich wohl zu den Auswaertigen begeben moechten, welches doch ein uebler Einrisz verursachen wuerde. Nun diesem Uebel helfen zu wehren und zu steuern, bitten wir Ew. recht herzlich: auf das erste uns zu helfen, sonst scheinet es, als wenn alles wie in der irre gesaet, wie vorzeiten die Kinder Israel, wenn sie sich von Gott dem Herrn abwandten, und keine Fuehrer hatten. Also auch wir, uns fehlts an Fuehrer und Regierer, absonderlich in geistl. Sachen. - Wir befehlen Ew. der theuren Beschuetzung Gottes, wuenschen Ihnen alles geistl. und leibl. Wohlergehen, und verbleiben mit dem Geiste des Friedens in Liebe verbundene und wahre Mitarbeiter an dem Evangelium Jesu Christi

Peter Dueck Jacob Wiens

Cornelius Friesen Gerhard Neufeld

Bernhard Penner

David Giesbrecht

NB. Ein 2tes Schreiben u. Bitte um einen Aeltesten von den Deputierten aus Ruszland, siehe in diesem Buch Fol. 197
[p. 181] Wir berichten Ew. zum Beschlusz, dasz, nachdem unser Deputierter Jacob Hoeppner schon im Winter nach Krimentschuk abreisete: So haben Sr. Excellentz der dasige General Gouverneur (auf Ihre Durchlauchten dem Fuersten Potemkin in sein Order) ihm eine andere Gegend in Vorschlag gebracht, die er auch sogleich ist reisen besehen, und dieselbe befunden, besser zu seyn, als die, worauf unsere Bestimmung war, und ist auch von einige unter uns besehen, und auch also befunden worden. Die jetzige Gegend, wo wir nun auf wohnen, ist diese: Sie lieget auf der Gersonischen Seite, 24 Meilen auf diesseit Cherson. - Wollen auch etwas von der Landes Beschaffenheit melden: Die ist von hohen Boden, und laengst den Dnieper nicht recht gelegen zum Anbau, aber in der Steppe ist es eben Land, und Wasser gibe es auf vielen Stellen, welches in kleine Reihen hin und her durch die Steppe geht: das Wasser gesund und ein fruchtbarer Boden.

d. 22ten July A. St. kamen wir auf dem Dorfe Chortitz an, wo wir uns anjetzt befinden.

Wir bitten um eine baldige Antwort,

oder ein baldiger Besuch von Ihnen.

Wenn Ew. an uns schreiben, so bitten wir die Adresse zu machen: Ueber Riga: Auf das Ekatharinoslafsche Post Amt, zu befoerdern an den Ehrsamen Dienst, der Mennonisten Colony in Chortitz.

In einer anderes Schreiben heists: Dieser Orth heiszt Chortitz. Wenn sie schreiben, so schreiben Sie ueber Krementschuk nach Ekatharinaslaf.

d. 21. Febr. [1790] In Elbing predigte Es. Peter Dyck.

Im Ellerwald - Es. H. v. Bergen, ueber Matth. 7, 13.

28. [Feb 1790] In Elbing predigte Es. H. v. Bergen.

Im Ellerwald Es. Harm Regier ueber Mat. 5, 7.

d. 7 Marty. [1790] Das Anschreiben ist nun vergessen, weil 8 Tage hernach krank geworden.
[p. 182]
d. 14. Mart. [1790] Diesen Tag hat es dem lieben Gott gefallen, mich mit einer scherzhaften Krankheit zu belegen, welche bis Ostern anhielt, ehe einmahl bis aus der Stube gehen konnte; folgende drei Wochen habe auch noch gekraenkelt. Folgend habe, zu Gottes Lobe und unter goettl. Beistand, meinen Dienst wieder angetreten.

Auf das Schreiben des Es. Diensts in Ruszland haben wir folgendes Schreiben dorthin abgelassen.

d. 18. Mart. [1790] Antwort auf das Schreiben d. Ruszlaender vom 8. Dec. 1789. Wir unterschriebene Aeltester, Lehrer u. Diaconen der Gemeine Gottes zu Elbing und Ellerwald wuenschen den Lehrern und Diaconen, samt der ganzen Gemeine in Ruszland in dem Dorfe Chortitz, unseren geliebten Mitdienern u. Bruedern in Christo, viel Gnade u. Friede durch das Erkaenntnis Gottes u. Jesu unsers Heilandes, samt die wirkende Kraft des heil. Geistes; und dasz ihr im Glauben gestaerket werdet mit groszer Kraft, um in aller Truebsal und Wiederwaertigkeit bestaendig zu seyn, u. in Gedult auszuharren, bis zur seligen Vollendung. Nach diesen wohlgemeinten Herzens-Wunsch berichten wir, dasz Es. Schreiben vom 18 Dec. alten St. 1789, worauf wir den ganzen Sommer u. Herbst mit sehnlichem Verlangen gewartet, uns d. 13. Febr. a. o. samt etlichen Einliegenden (die auch alle gehoerig befoerdert worden) zu unserer groszen Freude erhalten haben. Wir haetten gern zn euch geschrieben, wuszten aber nicht, an welchem Orth ihr anzutreffen waeret, oder ob ihr auch gar durch die Feinde Ruszlands ueberfallen, u. ganz zerstreuet u. aufgehoben worden; daher wir an die Gemeine zu Wischenka auf dem Guth des Eh. Grafen Romanzof geschrieben, und ihnen gebeten, euch auszukundschaften, u. von euren Zustand uns zu berichten, davon aber die Antwort noch nicht eingetroffen. Als aber Es. Schreiben uns zu Haenden kam, u. daraus euer Verlangen ersehen, u. eure instaendigste Bitte wegen der Ueberkunft eines Aeltesten vernommen, sind wir dabei nicht gleichgueltig geblieben, sondern zu Befoerderung des Verlangten auf Mittel gedacht, u. sogleich euer geliebtes Schreiben an alle unsere Gemeinden gelangen lassen, und um guten Rath wegen Sendung eine Aeltesten ersucht; [p. 183] denn da es dem groszen Gott gefallen, den lieben Aeltesten Pet. Epp, gleich nach gehaltener Abschieds-Rede, auf das Krankenbett zu legen, u. endlich d. 12ten Nov. a. o. durch den zeitlichen Tod in die selige Ewigkeit zu versetzen, u. also sowohl unser als sein eigener Vorsatz u. Trieb vereitelt worden, dasz es scheinet, als ob es noch nicht Gottes Wille gewesen sei, so musz nun auf ein ander Mittel gedacht werden; welches aber, wegen des schwachen Winters und unreisbaren Wege, nicht durch eine Zusammenkunft hat ins Werk gerichtet werden koennen. Damit nun eure dringende Bitte aufs baldigste befriediget werde, haben wir aller Gemeinen Gutachten schriftlich eingezogen, u. ihr ganz einstimmiger Rath ist dahin ausgefallen, dasz wir an euch eine Vollmacht zur Aeltesten-Wahl, in aller unserer Gemeinen Nahmen, samt der Bevestigungs-Formel eines Aeltesten ueberschreiben solten. Welches wir denn auch in der Beilage gethan, damit euch vor der Hand geholfen werde. So bald es aber die Umstaende erlauben, soll aus allen Gemeinen eine Zusammenkunft gehalten, u. wegen den Nothstand eurer Gemeine alles moegliche vorgenommen werden. In dem Kayserl. Pohlen zu Einsiedel bei Lemberg ist auch eine Gemeine, welche aus der Pfalz dahin gezogen, auf eben die Art mit einem Aeltesten u. Lehrer versorget; wie ihr Aeltester Jacob Mueller mich berichtet hat. Verleiht der Herr uns Friede in der Welt, so wird hoffentlich auch die Furcht, wegen der Reise zu euch, etwas verschwinden, u. vielleicht jemand sich ueberreden lassen dahin zu reisen; deswegen auch das Reisegeld noch auf Hofnung liegen bleibet. Ein auswaertiger redlicher Lehrer hat den Rath ertheilet, dasz bei eurer Ansetzung hoechst nothwendig sei, von Ihro Russisch Kayserl. Majestaet ein Stueck Land zum Unterhalt eines Aeltesten Lehrers auszubitten, welches jetzt im Anfang, fueglicher als hernach wuerde zu erhalten seyn, und wenn es kein Lehrer brauchte, koennte solches bei der Gemeine zum Dienst der Armen bleiben. Nun, lieber Brueder u. Mitdr. folget unserm treuen Rath, u. erwehlet, under herzlichem Gebet zu Gott, einen Aeltesten aus euren Lehrern: denn der ihnen Kraft u. Beistand verliehen das Evangelium zu Predigen, wird auch in ihnen kraeftig seyn, jemand der durch Stimmen u. Loosz dazu erwehlet worden, das Amt eines Aeltesten vorzustehen.
[p. 184] Wir sind ja alle solche schwache Menschen wie Ihr; lasset es euch nur alles Ernste angelegen seyn, dem Herrn Jesu Seelen zu gewinnen, so wird durch seine goettliche Kraft euch Staerke genug gegeben werden: denn seine Heiligen sind bei ihm in Gnade und Barmherzigkeit, u. er hat ein Aufsehen auf seine Auserwaehlten. Gefaelts Gott, so kann er euch noch mit der Zeit jemand aus unserm Mittel zu euch senden; welches wir von der goettlichen Fuersehung erbitten, aber auch gelaszentlich Ihnen anheim stellen wollen.

Dasz wegen der friesischen Brueder sich einige Uneinigkeit bei euch finden will, betruebet uns, geschieht aber nicht unser Vermuths. Paulus sagt: Es muessen Rotten unter euch seyn, auf dasz sie, so rechtschaffen sind, offenbar werden, Unser getreuer Rath ist, dasz ihr euch mit ihnen in keine Streithandel einlasset, sondern befleisziget euch der Gedult und Vertragesamkeit. Ruehmen sie sich im Stolz ihrer Sendung; lasset Sie ruehmen, uns ist ihr Selbstlaufen u. Zanksucht etwas bekannt; wir werden doch ihren Eigensinn nicht bessern koenne.

Lasset nur euer Licht vor den Leuten leuchten, so werdet ihr auch aus allem Uebel errettet werden: denn wer ist so euch schaden koenne, so ihr dem Guten nachfolget?

Wir moechten auch gern vernehmen, ob ihr mit den Friesischen in einer Colonie angesetzet worden, oder ob jede Gesinnung apart wohnen soll? Bei der Obrigkeit koenne leicht, wegen eure Zertrennung, ein Vorwurf gemacht werden: Aber dieses koennet ihr fueglich damit ablehnen, dasz um besserer Ordnung willen, von undenklichen Jahren her, immer zweierlei Haushaltung beliebet worden, welches doch im ganzen keinen Zank verursachet, sondern denselben noch mehr vorbeugen kann, wenn nur beide Partheien vertragsam leben. Und wenn ihr immer des Friedens euch bestrebet, so werdet ihr eure Gegener am besten besaenftigen koennen.

Gegen der Landes-Obrigkeit haltet euch klein und unterthaenig, wenn sie auch hart gegen euch sind, u. trachtet das Boese mit Gutem zu ueberwinden. Huetet euch auch mit Fleisz, dasz ihr die herrschende Geistlichkeit nicht beleidiget: denn die koennen euch am ersten verhaszt machen.

Wir bitten auch, dasz ihr uns berichtet, wie weit von euch bis Krementschuk, wie weit bis Elisabethgorod, u. wie weit ihr von der pohlnischen Grenze wohnet. Wenn von euch eine Post von Krementschuk oder einer andern Stadt gerade nach Warschau ging, dann koennte man viel Postgeld ersparen, [p. 185] denn der Weg ist viel naeher als ueber Riga.

Mit groszem Verlangen werden wir die Antwort engegensehen, um zu vernehmen, dasz unsere Vorstellung bei euch guten Eingang gefunden. Inzwischen empfehlen wir euch insgesamt, geliebte Brueder! der Vorsorge Gottes, u. grueszen euch mit des Herrn Jesu theuer erworbenen Friede; wir verharren in Liebe, etc. --

G. Wiebe

Fr. v. Riesen

A. Woelke

Vollmacht zur Aeltestenwahl

In der Beilage A ward ihnen der Wahl Actus vorgeschrieben.

Vollmacht zur Aeltesten-Wahl, fuer die Gemeine in Ruszland.

"Nachdem eine geraume Anzahl unserer Glaubens-Genossen, sowohl aus Danzig als von andern Orthen, auf Ihro russisch Kayserl. Majest. allergnaedigste Vergunstigung, sich in die Gegend Ruszlands . . . Krementschuk begeben, um daselbst eine Colonie anzulegen, auch zu ihrer geistl. Auferbauung der Aelteste von Dantzig ihnen zugeordnet worden, der aber, vor seiner Abreise, d. 12. Nov. a. o. Todes erblichen, und also die ruszlaendische Gemeine, wegen dem Amt eines Aeltesten unversorgt geblieben; es hat auch bisher kein Mittel zu ihrer Versorgung sich geäuszert; Also haben wir saemtl. Aeltesten, Lehrer und Diaconen der flaemischen Mennonisten in Preuszen dienlich erachtet, dasz bemeldte auslaendische Gemeine mit einem Aeltesten aus ihrem Mittle versorget werden soll.

Wir verordnen demnach u. bevollmaechtigen die Gemeine in Ruszland, dasz Sie, unter andaechtigem Gebet zu Gott, in dem Namen Jesu zur Wahl eines Aeltesten schreiten, dergestalt, dasz Sie auf einen bestimmten Tag die Brueder versammlen, u. denselben erstlich die Nothwendigkeit eines Aufsehers oder Aeltesten laut Beilage A vorstellen, und Sie zum Gebet ermahnen. Wenn dieses geschehen, u. das Gebet vollendet, dann koennen die beide Diaconen Peter Dyck u. Cornelius Friesen, mit Zuziehung von 2 oder 3 Brueder, sich allein begeben, und die Stimmen der Brueder nacheinander einziehen, u. auf welchen unter den 4 Lehrern die mehrste Stimmen gefallen sind, dem soll vor der versammleten Bruederschaft, das Aeltesten-Amt zuerkannt werden. Wenn aber die Stimmen [p. 186] in aehnlicher Zahl auf ihrer 2 fallen sollten, so kann das Loos die Sache entscheiden. Und wer dergestalt erwehlet worden, der soll diesem Ruf auch treulich folgen, die Segens-Wuensche von seinen Mitdienern annehmen, u. dieser Buerde des Aufseher-Amts sich nicht entziehen, in Hoffnung, dasz der Gott, der ihm das Amt hat auferlegt, Ihm auch die Kraefte schenken wird, dasselbe zu verwalten.

Und dieser erwehlte Aelteste wird dann verbunden seyn, der Ihm anvertrauten Gemeine als Aufseher, den Grundsaetzen unseres Glaubens gemaesz, nach dem Vermoegen, das Gott darreichen wird, wohl fuerzustehn, das Wort des gnadenreichen Evangely von Christo, laut der heil. Schrift, rein und lauter zu predigen, Aeltesten, Lehrer und Diaconen nach ueblichem Brauch zu erwehlen u. einzusegnen, die erwachsene, buszfertige Personen auf ihren Glauben zu taufen, das Abendmahl des Herrn in der Gemeine auszuspenden, die halsstarrige u. grobe Suender, mit Zuziehung der Brueder abzusondern, Buszfertige wieder anzunehmen, und ueberhaupt darauf zu sehen, dasz alles in der Gemeine ordentlich zugehe.

Den neuerwehlten Aeltesten empfehlen wir denn der Gemeine aufs nachdruecklichste, demselben in allem Guten treulich zu gehorchen und zu folgen, Ebr. 13, 17. Ihn in Ehren zu halten, u. wenn Ihm Mangel an Leibes-Nahrung treffen sollte, fuer seinen Unterhalt zu sorgen, wie solches rechtschaffener Christen Pflicht und Schuldigkeit erfordert, laut 1 Tim. 5, 17. Luc. 10, 7. 1 Cor. 9, 14. u. dergl.

Wie nun dieses unser aufrichtiger Wille u. Verordnung ist, so haben wir unten benandte Aeltesten, Lehrer u. Diener, im Nahmen aller, dieses eigenhaendig unterschrieben, und zu wahrer Beglaubigung mit der Gemeine Siegeln bekraeftiget.

Gegeben zu Danzig am 11ten Tage des Monaths Marty Im Jahr des Herrn 1790.

NB. Dieses ward aus denen Gemeinen zu Dantzig, Heubuden, Grosz-Werder u. Elbing unterschrieben u. untersiegelt.

[p. 187]
Waehrend meiner Krankheit habe nicht aufzeichnen koennen, wer geprediget hat.
d. 18. April [1790] In der Stadt predigte Es. Anth. Woelke, u. im Ellerwald Es. H. Regier.
25. [Apr 1790] In Elbing pred. Es. A. Woelke, im Ellerwald Es. Fr. v. Riesen, und in Sparrau Es. H. Regier.
28. [Apr 1790] Am Betthage in Elbing Es. A. Woelke, u. im Ellerwald Es. Fr. v. R.
d. 2. May [1790] In Elbing bediente Es. H. Regier, im Ellerwald habe ich die Glaubens-Artikel vorgetragen.
9. [May 1790] In Elbing habe die Glaubens-Artikel vorgetragen.

Im Ellerwald predigte Es. H. Regier.

13. [May 1790] Am Himmelfahrts-Tage predigte ich in Elbing.

Im Ellerwald bedienete Es. Frantz v. Riesen.

16. [May 1790] In Elbing predigte Es. A. Woelke.

Im Ellerwald habe die Glaubens-Artickel zum 2ten Mahl vorgetragen.

23. [May 1790] Am ersten h. Pfingsttage prd. in der Stadt Es. Hans v. Bergen.

Im Ellerwald habe ich geprediget ueber Text

24. [May 1790] Am 2ten h. Pfingsttage Es. A. Woelke in Elbing und

Im Ellerwald Es. Hans v. Bergen.

30. [May 1790] In Elbing habe ich zum 2ten Mahl die Glaubens-Artickel vorgetragen.

Im Ellerwald predigte Es. H. Regier.

d. 6. Jun. [1790] In der Stadt predigte Es. A. Woelke ueber Test: Luc. 16, 19-26.

Ich predigte in Ellerwald ueber denselben Text. Vorrede Spr. Sal. 22, 2. Vortrag:

Ueber den groszen Unterschied, zwischen den hochmuetigen Reichen und demuetigen Armen, in und nach diesen Erben.

Nach der Predigt wurden die Taeuflinge aufgezeichnet; es waren 21 Pers.

In der Stadt wurden aufgezeichnet zwei Personen.

Ich habe nachmittage zum 3ten Mahl die Taeuflinge Catechisirt.

d. 4. May [1790] G. D. getraut Gerhard Dick, ein nachgelassener Sohn von Peter Dick, ward mit Christina Neustaeterin, die nachgelassene Tochter von Hans Neustaeter, bei Peter Behrends in Sparrau von mir getraut.
d. 13. Juny [1790] In Elbing predigte Es. Joh. v. Bergen ueber Text. Luc. 12, 25-28.

Im Ellerwald predigte Es. Frantz v. Riesen (weil ich krank war) ueber Text . . . und bei dem Schlusz der Predigt wurden den Taeufflingen die gewoehnliche Fragen vorgestellet, u. zu der heil. Taufe verordnet. Die beide Personen aus der Stadt waren auch mit ins Gesellschaft.

[p. 222] [another skipping of pages from 187 to 222]
24. Apr [1792] Brief von Jac. Hoeppner Nun erhielte etliche Briefe aus Ruszland, auch an mir war einer von Jacob Heppner, und einer von den neuen Aeltesten David Epp; hier folget die Abschrift davon.

Ekatharnaslaw, d. 11 Merz 1792

Ehrsamer Aeltester - Gerhard Wiebe.

Dero angenehmes Schreiben vom 19 Juny 1791 haben wir richtig erhalten, woraus wir ersehen, dasz Sie sich an uns sehr viel gelegen seyn lassen, und wir uns darueber freuen, dasz Sie unsrer doch nicht vergessen haben. Welches von uns aber sehr schlecht, dasz wir nicht laengst ihnen geantwortet haben. Aber wir bitten, die Schuld uns nicht allein zuzuwenden: denn wir haben oft mit unsern Ehrs. Dienst darueber gesprochen, und ist immer verzogen worden, durhc allerleit Unstaende, welche Ich waere wohl willens etwas mehr an Sie zu schreiben, weil aber die Briefe zusammen mit meinen, kann ich etwas sparen, bis auf ein ander Mahl. Danke sehr vielmahl, dasz Es. mir den Brieff von meine Schwieger-Eltern befordert haben. Bitte zugleich, mir aber doch die Gefaelligkeit zu erweisen, u. diese Briefe suchen zu befoerdern, womit Sie mich verbinden werden, in wiedrigen Faellen zu Dienste zu seyn, und verbleibe dero aufrichtiger Freund u. Diener

Jacob Hoeppner

Hiebei war folgender Brief von demselben.

Herzlich geliebte Schwieger-Eltern, da ich mich jetzt mit unsern geliebten Ehrsamen Eltesten David Epp im Geschaefte beym Gouvernement befinde, so bediene mir die Freiheit an Sie zu schreiben. Dero uns sehr angenehmes Schreiben vom [p. 223] 12ten April 1791 have etwas spaet, aber doch richtig erhalten, woraus wir den herzlichn Wunsch ersehen, und auch den Segen von Gott empfahen koennen: denn wir sehen schon, dasz es mit der Colonie etwas im Gedeien ist. Wir haben vergangenen Sommer sehr trockenen Sommer gehabt, aber doch, wer seinen Fleisz angewendet, u. so ziemlich Roggen ausgesaeet, auch so viel gebauet, dasz er jetzt hat mehr aussaeen koennen, u. auch zu Brod hat. Wo uns Gott eine gesegnet Erndte giebt, wo werden wir wohl an Brod nicht mangel haben: denn der Roggen ist bei uns an Wuerde viel besser wie bei Ihnen. Auch alle Sorten von Getreide kommen sehr gut fort; allein Erbsen, graue und weisze, koennen wir nicht wissen, denn sie sind in unsere Gegend nicht zu bekommen, also haben wir keine Saat. An Garten-Gewaechs kommt alle fort, was hier in Deutschland, auch sogar haben wir Caffe-Saamen, dasz wir hoffen auch anzupflanzen; ich und noch einige haben vorigten Sommer schon welchen gebauet. Auch Seclorium waechset wild, welcher sehr gut anstatt Caffe zu gebrauchen ist, wo sich schon Leute mit bedienen u. Ich auch. Also koennen sie sehen, dasz die Natur von sich selbst bei uns hervor bringt, was in euren Gegenden gar nicht ist. Nun so will ich von meinen Unstaenden ihnen auch noch ein wenig Nachricht geben. Ich und meine Frau u. Kinderchens sind alle gottlob gesund, wie auch Peter Behrend, welcher noch bei mir sich befindet. Ich habe mir den vergangenen Sommer ein gutes geschontetes Wohnhaus gebauet, von groesze ohngefaehr wie mein Vaeterliches, aber von Wuerde wohl so gut. Auch habe ich so etwas Vieh: 7 Milchende Kuehe, 4 Stueck Hoecklinger, auch 7 Kaelber. 6 grosze Pferde, worunter vier traechtige Stutten sind, auch von vorigtem Jahr 4 Jaehrlinger; Schweine 25 ueber Winter, weil [p. 224] bei mir sie wenig Futter kosten, denn sie naehren sich selbst, und werden auch gut gegen den Herbst zu schlachten; vorigten Herbst habe 7 Stueck zum Winter geschossen, welche ohngefaehr 70 Pf. Schmalz gehabt. Fisch und Wild kann ich mir schaffen wenn ich noetig habe. Wenn der allmaechtige Schoepfer uns seinen Segen nicht entziehet, so werden wir samt unsere Kinder Brod haben koenne. -

NB. Das uebrige des Briefes waren nur Familien Sachen, welche zurueckgelassen habe.

Copia in einem Auszug eines Briefes von Peter Albrecht, welcher in Schwarzdam gewohnet hat, vom 10ten Febr. a. St. aus dem Dorf Rosenthal, an seine Schwester in der Einlage.

- Ferner berichte an alle liebwerthe Freunde, - u. alle die mir von Angesicht kennen, dasz es uns dem Leibe nach ziemlich wohl gehet. Wohnhaus und Stall habe ich schon aufgebauet; das Wohnhaus habe mit Rohr gedeckt, u. der Stall 55 Fusz lang. Rindvieh habe ich 7 Stueck u. 4 Pferde. Sonsten kann nicht viel berichten, als das es jetzt Friede zwischen Ruszland u. der Ottomannischen Pforte ist. -

Von dem Aeltesten aus Ruszland David Epp, an den Aeltesten Jacob de Veer in Dantzig unterm 11ten Merz alten St. 1792

- Da ich mir jetzt in Geschaefte der Colonie in Ekatharinaslaw befinde, wie auch Schreiben von ihnen erhalten, jetzt aber den Brief vom 5. May 1791 vom Postamt erhalten, u. Eh. in allen Briefen angefraget, wie es um unsere geistl. u. leibl. Umstaende beschaffen: So berichte erstl. obwohl mit trauren, dasz unser im Leben sehr lieber, nunmehr in Gott ruhender Aeltester, Ehrs. Ohm Boerend Penner, d. 29. July 1791, nach einer langwierigen u. sehr schmerzhaften Krankheit, das Zeitl. mit dem ewigen verwechselt, wodurch wir in die groeszeste Betruebnis u. Unordnung zu gerathen scheinen: So hat es dennoch der goettl. u. ewigen Weisheit gefallen, [p. 225] durch Mehrheit der Stimmen der Brueder, mich zu diesem hoechst wichtigen Amte zu berufen, u. also d. 2. Febr. 1792 von unserm lieben Mitdiener Ehrs. Ohm Jacob Wiens, in diesem wichtigen Amt befestiget. Der Herr schenke mir Weisheit, Staerke u. Kraft, um dieses Amt, zu Gottes Ehre u. vieler Seelen Erbauung zu fuehren. Weil aber, wie ich von Danzig gefahren, Ehrs. Aeltester Ohm P. Epp mich nicht mit einem Attest an die Gemeine in Ruszland besorget, weil Er, wie Eh. wohl wissen, selbst bestimmt war, nach Ruszland; weil aber der Herrscher ueber Leben und Todt, Ihm aus der Zeit in die Ewigkeit gefordert, u. nicht nach Ruszland, sonder in das gewuenschte Canaan gefuehret, deswegen ersuch an Eh., mir doch einen Attest aus Er. Gemeine zu besorgen. Unsere natuerliche Umstaende betreffend, so wohnet fast ein jeder unter seinem eigenen Dache, weil wir schon Holz zum Anbau bekommen haben. Wir wohnen ohngefaehr 9 Meil. von der neuerbauten Stadt Ekatharinislaw, u. auf der nehmlichen Seite; Wo sich die Wasserfaelle im Dnieper aufhoeren, fangen sich unsere Grenzen an, u. erstreckt sich bis gegen die Festung Alexandder, welche auf der Krementschukschen Seite lieget. Unsere Gegend ist hoch, jedoch fruchtbar; Es traegt schoenen Winter- u. Sommerroggen u. Weitzen, Gerst, Haber, Hirse, Buchweitzen, anrautschen Weitzen; in den Gaerten wachsen auch gute Kuechwahren, von allerhand Sorten, auch Cartoffeln. An Viehweide haben wir keinen Mangel, auch Heuschlaege im Ueberflusz. Es waechset auch manches Jahr Lucern, es ist eine Art Kloewer, er waechst grosz, manches Jahr viel, manches gar nicht. Der vorigte Sommer war sehr trocken. Es ist wohl etwas waermer wie in Deutschland. Wir haben noch immer gute Witterung gehabt, bis Weinachten, da fing es an zu frieren. Es hat diesen Winter viel geschneiet, und stark geforhren, meiner Meynung ueber 70 Grad, u. hat bis Merz angehalten; Heute geht das Eis im Dnieper. So bald der Schnee weg u. der Frost aus der Erd, haben wir auch gleich Weide fuer unser Vieh. Unsere Colonie bestehet aus 7 Doerfer, das groeszte bestehet aus 44, das Kleinste aus 16 Feuerstellen. An Handwerker fehlets in unserer Colony nicht, ausgenommen Schmiede u. Mueller; Erstere sind in unserer Nachbarschaft Russen, welche uns das Noethigste verfertigen. Eine Muehle ist in unserer Colonie, nach [p. 226] russischer Art, u. es legen sich unsere Leute sehr auf Hand-Muehlen. Es sind aber ohne dem im Dnieper Schifmuehlen. Zur Gnuege sind in unserer Gegend sehr gute Pferde und Kuehe; Man trifft Kuehe, die so gut wie in Deutschland; wir haben fuer 10, 15 bis 20 Rubel das Stueck gekauft, Pferde 20, 30 bis 40 Rubel. Butter gilt in Ekatarinaslaw das Pfund 10 Cop. oder nach D. C. 12 gl., Kaese 12 Cop. Wir hoffen unsere Waaren in Cherson theurer zu verkaufen, weil der Dnieper schiffbar, so dasz Schiffe von 40 . . . bis an unsere Colonie herauf fahren; Es lieget jetzt eines bei unserer Colonie.

Wegen dem Gelde, was fuer Oh. Pet. Epp uebermacht, bitten wir, dasz Sie es uns besorgen werden per Post, ueber Riga nach Ekatarinaslaw, unter des Ehrs. Jacob Hoepners Adres., allwo es an uns richtig abgegeben wird. Schluesze, und bitte diese wenige Zeilen in Liebe zu nehmen, u. mein sehnlichst Verlangen ist, um eine baldige Antwort. Der Gnade Gottes empfohlen verbl. mit herzlicher Begrueszung mit des H. Jesu theuer erworbenen Friede, euer Aller in Liebe verbundener Bruder und schwacher Mitarbeiter am Evangel. Jesu Christi

David Epp

Das zweite Schreiben von D. Epp unter obigen Date lautet also.

Ehrs. Aeltester Gerhard Wiebe.

Herzl. gel. Bruder in Christo, ja den ich als meinen Vater liebe u. ehre! ja, herzgeliebter Mitarbeiter an dem gnadenreichen Evangel. J. Christi! Viel Gnade und Friede wuensche ich Euch von Gott d. Vater u. unserm Herrn J. Christo, der sich selbst fuer unsere Suenden dahin gegeben, auf dasz er uns errette von dieser Argen Welt, zu thun seinen Willen, der wolle Euch und uns vollbereiten u. staerken zum ewigen u. seligen Leben, Amen. In Jesus geliebter Bruder! Mit vielem Vergnuegen haben wir die Briefe von Eh. erhalten, u. mit innigster Ruehrung angemerkt, wie sehr Eh. nach Antwort von uns verlangt: Allein die Schwaeche unseres im Leben sehr lieb gewesenen Aeltesten Ehrs. Ohm Behrend Penner hat uns sehr daran verhindert, weil wir immer in Hoffnung lebten, Er wuerde noch genesen. Aber [p. 227] um alle Unordnung vorzubeugen, so hielten wir, auf sein u. der Brueder Verlangen, eine Aeltesten-Wahl, da es den Ehrs. Johan Wiebe getroffen, welcher es aber nicht annehmen wollte, weil er seine Jugend und Unfaehigkeit vorschuetzte; welches so lange verzog; bis unser Ehrs. Aeltester B. P. d. 29. July das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselte, worauf die Brueder u. Ehrs. Dienst verlangte, wenn Er es doch annehmen moechte. Allein, Er konnte sich nicht darein finden, anders, als well noch einer bei ihm erwaehlet wuerde, alsdann Sie beide nach die Gemeine in Deutschland reisen, u. sich allda beide befestigen lassen. So haben es die Brueder bewilliget, u. zur zweiten Wahl geschritten, da Ich dann, durch Mehrheit der Stimmen, mit zu diesem wichtigen Amt berufen; so dasz wir auch sogleich reisen sollten: Allein, weil sich allerhand Schwierigkeiten finden wegen dem Reisen, so dasz Ehrs. J. W. seinen Dienst entsagte, so konnte ich nicht anders, wenn die Gemeine durch uns sollte in Verlegenheit gesetzt werden, dasz ich ihm darin folgte. Da es nun schien als wenn die Gemeine sich von uns verlassen sahe, u. die Reise nicht fortgehen konnte, so sind ein Theil unserer Brueder zusammen gewesen, worin sie einig geworden: Weil die Gemeine doch nicht laenger ohne Regierung bestehen koennte, wollten sie uns beide ersuchen, ob nicht einer von uns beiden dieses Amt ueber sich nehmen wollte, weil wir doch die Vollmacht von die dortige Gemeine, zur Befestigung eines Aeltesten bei uns haetten; So haben Sie Ehrs. Ohm J. Wiebe darum angelangt, welcher es aber gaentzlich abgesagt, so dasz Er nicht faehig, u. es auch nicht annehmen koennte. Deswegen sie nicht mit Bitten ablieszen, bis ich in ihrem Anliegen gewilliget, u. dieses hoechstwichtig Amt unter Geben und Flehen angenommen, u. d. 2. Febr. darin befestiget worden. Weil aber die Brued. nicht alle sich darin einig, da einige die Bestaetigung nicht fuer recht u. schriftmaeszig hielten, so habe ich eine schriftliche Umfrage an alle Brueder gethan: Ob sie sich nicht darin finden koennten, dasz wir uns darin einig waren? Worauf sie mir alle einmuethig einbrachten: dasz sie mich fuer den Mann [p. 228]

1. 6. Mai 1765