Mennonite Library and Archives

Danzig Mennonite congregation record books

The scans from microfilm were done at the MLA. The scans of the original books were done by the HF Group, North Manchester, Indiana, in spring 2009. The original books were housed at the Mennonite Library and Archives from about 1947 until 2009. In 2009 they were transferred to the Mennonitische Forschungsstelle, Weierhof, Germany.

History of Danzig congregation from Mennonite Encyclopedia

For German article from Mennonitisches Lexikon see below.

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Bd. Ms. 17: The earliest record book: baptisms 1667-1800, marriages 1665-1808, births 1789-1809, deaths 1667-1807, ministers 1598-1807. From microfilm CHR 10. Filmed in 1958.


Some scans of Bd. Ms. 17 done at 1200dpi here before the book was transferred to Weierhof.


Scans of Bd. Ms. 17 (Ker 2 Da 01) done at Weierhof


Bd. Ms. 19: Family book of the Flemish congregation, begun in 1789, vol. 1. From microfilm CHR 10. Filmed in 1958.


Bd. Ms. 18: Family book of the Flemish congregation, begun in 1789, vol. 2. From microfilm CHR 10. Filmed in 1958.


Bd. Ms. 20: Baptisms 1825-1850, 1864-1877, 1882-1943. From microfilm CHR 20. Filmed in 1958.


Loose pages from different record books: baptisms 1841-1847; births 1815-1855, 1861-1867; deaths 1815-1828, 1837, 1844-1845; marriages 1851-1853, 1872-1881. From microfilm CHR 20, filmed in 1958.


Danzig articles from Mennonitisches Lexikon, vol. 1, pp. 390-395

Article by Christian Hege, ca. 1920.

Danzig, Regierungsbezirk der preußischen Provinz Westpreußen hatte vor der 1918 erfolgten Teilung 7952 qkm und (1895) 589 176 Einwohner. In ihm wohnte nahezu 1/3 der Mennoniten des Deutschen Reiches, hauptsächlich in dem Dreieck, das von den Städten Danzig, Elbing und Marienburg gebildet wird und jetzt teilweise zum Freistaat Danzig gehört. Während in den Kreisen Marienburg und Elbing-Land ihre Zahl in den letzten Jahren stetig zurückging, ist sie in den Kreisen Danzig-Stadt, Danziger Niederung, Danziger Höhe und Elbing Stadt gestiegen auch in dem Kreise Neustadt, nämlich in Zoppot, zur Gemeinde Danzig gehörig, haben sich in neuerer Zeit Mennoniten in steigender Zahl niedergelassen. Bei den Volkszählungen wurde nach einer Mitteilung des Preußischen Statistischen Landesamtes in den einzelnen Kreisen ihre Zahl wie folgt ermittelt:

Kreise186118711880189019001910
Stadtkreis Elbing2075405535477591606
Landkreis Elbing1491138713291172953
Marienburg i. W.534354204999501449284767
Stadtkreis Danzig459486582617626639
Danziger Nieder.544428397283275403
Danziger Höhe7287138
Dirschau526965996273
Preuß. Stargard132029
Berent12111161
Karthaus3755
Neustadt i. W.101388161
Putzig236
zusammen:848583007979793778637781

Im Regierungsbezirk bestehen folgende Gemeinden (die Seelenzahl im Jahre 1921 in Klammer):

1. Kreis Marienburg: Fürstenwerder (561), Heubuden (1623), Ladekopp (mit Orlofferfeld 1150), Tiegenhagen (823) und Thiensdorf-Markushof (1038).

2. Stadtkreis Elbing: Elbing (400).

3. Landkreis Elbing: Elbing-Ellerwald (736) und Rosenort (718).

4. Stadtkreis Danzig: Danzig (1360).

5. Danziger Niederung: Quadendorf (50).

Teile von Fürstenwerder und Tiegenhagen gehören auch zur Danzig-Niederung.


Article by H. G. Mannhardt, ca. 1920.

Danzig, freie Stadt Danzig. Durch den Friedensvertrag von Versailles (in Kraft getreten am 10. Januar 1920) ist die Stadt Danzig und deren nächste Umgebung als selbstständiges Staatswesen vom Deutschen Reich losgetrennt und unter den Schutz des Völkerbundes gestellt worden. Die freie Stadt Danzig wurde am 15. November 1920 vom Völkerbund für "konstituiert" erklärt und hat seit dem 7. November 1920 ihre eigene Regierung, nämlich den vom "Volkstag" gewählten "Senat", beistehend aus dem Präsidenten und 21 Senatoren. Die freie Stadt Danzig umfaßt den bisherigen Stadtkreis Danzig sowie Teile der bisherigen Landkreise Danziger Höhe, Danziger Niederung, der Kreise Neustadt und Marienburg und des Landkreises Elbing. In diesem Gebiet liegen auch die Städte Zoppot (15 000 Einwohner), Tiegenhof (3000 E.) und Neuteich (2400 E.). Die städtische Bevölkerung beträgt (1921) rund 225 000, die ländliche 125 000 Seelen. Davon sind 220 000 Evangelische, 120 000 Katholiken, 6000 Mennoniten und 4000 Juden.

Die Mennoniten im Gebiete der Freien Stadt Danzig gehören folgenden Gemeinden an: Danzig, Fürstenwerder mit Filiale Neunhuben, Ladekopp-Orlofferfeld, Tiegenhagen, Rosenort und Heubuden. Von der Gemeinde Heubuden gehört nur der Teil zum Freistaat-Gebiet, der westlich der Nogat liegt. Die Ortschaften östlich der Nogat, vor allem die Stadt Marienburg, gehören zu Preußen, nachdem die Abstimmung im Sommer 1920 fast einstimmig gegen die Einverleibung dieses Gebiets in Polen entschieden hat.

Im "Volkstag", dem Parlament der Freien Stadt Danzig, sitzen unter 120 Abgeordneten (1920) drei Mennoniten. In der Verfassung sind die Mennoniten hinsichtlich der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte allen anderen Religionsgesellschaften völlig gleichgestellt und bei der Eidesfrage besonders berücksichtigt, indem § 95, welcher im übrigen hinsichtlich der Eidesleistung der Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. Aug. 1919 nachgebildet ist, den Zusatz erhalten hat: "Den Religionsgesellschaften, bei welchen eine Beteuerungsformel an Stelle des Eides üblich ist, ist diese zu belassen."


Article by H. G. Mannhardt, ca. 1920.

Danziger Mennoniten-Gemeinde. Die größte städtische Mennonitengemeinde im Osten Deutschlands zählte (1921) mehr als 1100 getaufte Mitglieder. Die heutige Danziger Mennonitengemeinde ist 1808 aus der Vereinigung der alten flämischen Gemeinde (seit 1569) und der alten friesischen Gemeinde (seit ca. 1600) entstanden.

Es ist ungewiß, wann die ersten Mennoniten nach Danzig gekommen sind. Einzelne "Wiedertäufer" fanden schon seit 1530 ihren Weg hierher, besonders aus Holland, von woher seit Jahrhunderten lebhafter Seeverkehr mit Danzig bestand. Mit einiger Sicherheit ist anzunehmen, daß Menno Simons zwischen 1546 und 1552, als er in Begleitung von Dirk Philips Reisen in die Ostseegebiete machte und seine zerstreuten Glaubensgenossen im polnischen Preußen und weiter ostwärts aufsuchte und, wo es ging, zu Gemeinden sammelte, auch in oder bei Danzig gewesen ist. Nach Mennos Tode kam sein treuer Begleiter Dirk Philips von neuem hierher und wird in der Überlieferung der Danziger Mennoniten-Gemeinde als deren erster Ältester betrachtet. Er wohnte in Schottland bei Danzig. (s. Cramer in dem Art. "Mennoniten" S. 607 in Herzogs Real-Enzyklopädie 3. Aufl.) und wirkte gemeinsam mit Hans Sikken durch Predigt, Taufe und Abendmahl mehrere Jahre bis 1567 oder 68. Da gerade in diesen beiden Jahren infolge von Albas Schreckensregiment starker Zuzug von holländischen Flüchtlingen nach Danzig kam, so konnten diese sich an der Neubildung der Danziger Mennoniten-Gemeinde beteiligen, die von 1569 an als geordnetes Gemeinwesen besteht. Die Liste der Ältesten und Prediger ist von da an lückenlos. Die Namen der ersten Gemeindegründer sind durchweg holländisch: Hans von Amersfoort, Gysbert de Veer (geb. in Amsterdam 14. Mai 1536), van Eyck, Bollaert, Beulke, van Buygen, van Almonde, Symons, van Dyck, Janzen, Mahl, van Beuningen, van Berynghuysen u. a.

Daß die Spaltungen, die in den Niederlanden unter den Taufgesinnten entstanden waren, hierher übertragen wurden, ist begreiflich, so daß auch hier bald eine flämische und eine friesische Gemeinde nebeneinander hergehen. Die Gegensätze haben hier in Preußen lange nachgewirkt und sind manchmal schärfer hervorgetreten als im Mutterlande. Bestand doch bis 1786 noch der Brauch Mitglieder der friesischen Gemeinde bei ihrer Aufnahme in die größere flämische nochmals zu taufen. Die letztere, weitaus bedeutendere Gemeinde dünkte sich durchaus als die rechte Danziger Mennoniten-Gemeinde, stand mit der strengsten Richtung der "Alten Flaminger" (s. d.) in Holland, besonders mit deren Gemeinden in Amsterdam, Haarlem und Rotterdam, in lebhaftem Verkehr und hatte bei diesen so großen Einfluß, daß man einen Teil der Alten Flaminger dort im 17. Jahrhundert die "Alten Danziger" nannte. Daß sich die flämischen Gemeinden die Feinen nannten, ist allgemein bekannt, weniger wohl, daß sie auch die Klaren hießen (holl.: klaar = unzweideutig), woher der oft für diese Partei vorkommende Name die Klarichen oder Klärichen stammt, plattdeutsch Klarken oder Klerken. Dagegen nannte man die Friesen, die weitherziger waren, Grobe oder Bekümmerte. Die Verbindung mit Holland, wo inzwischen kirchliche und politische Freiheit eingekehrt war, blieb bei der Danziger Mennoniten-Gemeinde sehr lebhaft, solange die holländische Sprache im Gottesdienst wie im häuslichen Umgang herrschend war. Es bestand von 1600 bis 1750 nicht nur schriftlich, sondern auch persönlich ein lebhafter Verkehr. Die Wohlhabenden aus der Danziger Mennoniten-Gemeinde schickten gerne ihre Söhne schon in jungen Jahren nach Amsterdam, damit sie dort ihre Schulbildung vollendeten und die Handlung erlernten, auch am Unterricht in der Gemeinde sich beteiligten und nach empfangener Taufe hierher zurückkehrten. Die Danziger Taufregister enthalten im 17. und 18. Jahrhundert neben den in Danzig Getauften fast immer einen kleinen Anhang solcher, die in Holland getauft wurden. 1725 wurde sogar auf dringendes Verlangen der Alten Flaminger in Rotterdam und Amsterdam ein Danziger Prediger Dirk Janzen durchs Los zum Ältesten bestimmt als Nachfolger von Adrian van Gamern, sodann in Danzig befestigt und nach Amsterdam abgesandt, wohin er mit Frau und Kindern am 7. Dezember 1725 abreiste. Er kehrte 8 Jahre später 1733 von dort zurück und versah in Danzig zuerst in Gemeinschaft mit Isaac de Veer, später allein das Ältestenamt bis zu seinem Tode den 25. November 1750.

Da der Schiffs- und Handelsverkehr zwischen Danzig und den Niederlanden schon im 14. und 15. Jahrhundert lebhaft gewesen war, so war es kein Weg ins Unbekannte, den die flüchtigen holländischen Mennoniten eingeschlagen hatten. Zwar hat der Rat der Stadt ihnen anfänglich auf Betreiben der lutherischen Kirche die Tore verschlossen, aber der Bischof von Cujavien, welcher nahe der Stadt Besitz hatte, nahm sie in Schottland (heute Altschottland) auf und gewährte ihnen Glaubensfreiheit und die Möglichkeit ihrer "Hantierung" nachzugehen. Die polnischen Könige gaben ihnen mit der Zeit feierliche Schutzbriefe (abgedruckt in Dr. W. Mannhardts "Wehrfreiheit usw."), die freilich nicht immer die Bedrückungen durch eigennützige Beamte oder feindliche Kirchenmänner, besonders aber durch den Konkurrenzneid der städtischen Zünfte und Gilden verhindern konnten. Es ging hier wie anderswo auch: die Obrigkeiten waren den Mennoniten wegen ihrer bürgerlichen Tugenden, ihres Gewerbefleißes und ihrer Geschicklichkeit in Handwerk und Handel günstig gesinnt, die Bürgerschaft aber und die Geistlichen lehnten sich gegen ihre Duldung auf. Weil nun die Mennoniten trotz der feierlichen Schutzbriefe an den polnischen Königen keinen rechten Anhalt fanden, haben sie während der ganzen polnischen Zeit fast immer unter Willkür, Anfeindungen und schweren Bedrückungen zu leiden gehabt. Diese liefen in vielen Fällen auf die gemeinsten Gelderpressungen hinaus, deren sich auch hochgestellte Personen gegenüber den Macht- und Wehrlosen nicht schämte. Um nur wenige Beispiele auzuführen, so finden sich in den Aufzeichnungen des Ältesten Georg Hansen aus den Jahren 1667-92 (im Gemeindearchiv) zahlreiche Fälle verzeichnet, in denen bald der Älteste, bald der ganze Lehrdienst, bald einzelne Gemeindeglieder vor den Offizial des Bischofs geladen wurden, der in Danzig die geistliche Gerichtsbarkeit handhabte. Es handelte sich dabei gewöhnlich um Anschuldigungen wegen der Kirchenzucht oder um Anklagen auf angebliche Irrlehre, Verbindung mit den Sozinianern und dgl. sie wurden jedesmal nach umständlichen Verhören durch mehr oder weniger hohe Geldsummen beigelegt. Wenn übrigens der Rat von Danzig sich nicht in einigen Fällen der von Königl. oder Bischofl. Beamten hart bedrängten Mennoniten sehr entschieden angenommen hätte, dann wären sie noch viel härter bedrückt und geschröpft worden. Auch in den Anfechtungen wegen ihrer bürgerlichen Gewerbe hatten sie meistens den Rat auf ihrer Seite. Doch konnte dieser sie nicht immer gegen die Angriffe der 3. Ordnung (Vertreter der Kleinbürger im Rathaus) schützen, die es z. B. durchsetzten, daß von 1749-62 sämtlichen mennonitischen Krämern in den Vorstädten verboten wurde, irgend etwas anderes als Branntwein an ihre Kundschaft zu verkaufen. Dadurch verarmte eine Anzahl angesehener Mitglieder, zumal seit dem 14. Januar 1750 den Mennoniten in und nahe bei Danzig von seiten der 3 Ordnungen, also der städtischen Obrigkeit, ganz willkürlich ein Schirmgeld von jährlich 5000 fl. auferlegt worden war, das nach Jahren zuerst auf 3000 fl. und dann allmählich bis auf 1200 fl. herabgesetzt wurde.

Erst nachdem die polnische Herrschaft sowie die Selbstständigkekit der Stadt Danzig (1793) ein Ende genommen hatte, konnten die Mennoniten unter der gerechteren Regierung der preußischen Könige, wie von einem langjährigen Druck befreit, aufatmen. Blieben sie auch noch manchen Beschränkungen unterworfen, so waren doch die Zeiten der willkürlichen Bedrückung vorbei. Ein Stück bürgerlicher Gleichberechtigung wurde ihnen 1800 gewährt, indem sie fortan das Bürgerrecht in der Stadt erwerben und ohne Mittelsperson Grundstücke kaufen konnten. Freilich begann mit dem neuen Jahrhundert für sie der neue Kampf um das Privilegium ihrer Wehrfreiheit (s. d.), der bis 1867 gedauert hat und noch Jahrzehnte lang nachwirkte.

Was die innere kirchliche Geschichte der Gemeinde angeht, so hatte die flämische Gemeinde ihren Sitz von Anfang an vor dem Petershagener Tor, die friesische vor dem Neugartner. Zuerst wurden die Versammlungen in den Häusern gehalten. 1648 kauften die Flaminger sich ein Grundstück in Stadtgebiet für 7300 fl., das aber erst 1732 auf ihren Namen eingetragen werden durfte. Hier wurde 1648 ein Bethaus erbaut und daneben, wie üblich, das Hospital oder Armenhaus, das gewöhnlich ungefähr 30 alte Leute auf Kosten der Gemeinde beherbergte. Als 1734 Danzig durch ein russisches Heer zwei Monate lang belagert wurde, mußten die zahlreichen Mennoniten, die in den südlichen Vorstädten wohnten, ihre Häuser verlassen und in der inneren Stadt Zuflucht suchen. Kirche und Hospital sowie eine Anzahl Wohnhäuser wurden zerstört. Durch Unterstützung der holländischen Glaubensgenossen, Beihilfe der anderen preußischen Mennoniten-Gemeinde sowie durch ein Vermächtnis konnte alsbald Kirche und Hospital wieder aufgebaut werden und blieb die nächsten 70 Jahre unverändert, bis 1805 ein gründlicher und kostspieliger Umbau vorgenommen wurde. Doch schon 1813 bei der großen Belagerung Danzigs durch die Russen brannten Kirche und Hospital in Stadtgebiet vollständig nieder. Seit 1805 hatte trotz lebhaften Widerspruchs einer bedeutenden Minderheit die Gemeinde in dieser Kirche auch eine Orgel gehabt.

Die friesische Gemeinde, an Zahl erheblich kleiner, hatte sich 1638 auf dem Nonnenacker des Brigittenklosters vor dem Neugartener Tor ein Bethaus bauen dürfen, das ebenfalls mit einem Armenhaus verbunden war. Es wurde 1788 gründlich umgebaut, fiel aber Weihnachten 1806 der französischen Belagerung zum Opfer. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Vielmehr vereinigten sich die beiden Gemeinden 1808 und benutzten dann bis 1813 die Kirche der Flaminger in Stadtgebiet. Auch diese wurde nach dem Kriege nicht wieder erbaut. Denn inzwischen waren weitaus die meisten Mitglieder aus den Vorstädten in die innere Stadt verzogen. Daher sah man sich nach einem Grundstück innerhalb der Tore um und kaufte 1816 für 1000 Taler einen geräumigen Bauplatz nebst schönen Garten. Hier wurde zuerst ein Armenhaus erbaut und dann trotz der allgemeinen Verarmung, die der Krieg und die lange Zeit der französische Herrschaft mit sich gebracht hatte, im Jahre 1818 mit dem Bau der neuen Kirche begonnen, die am 12. September 1819 eingeweiht wurde. Daneben im Garten hat die Gemeinde dann noch 1884 ein Predigerwohnhaus erbaut, während zuvor der Prediger von der Kirche abgelegen seine Wohnung hatte.

Zur flämischen Gemeinde gehörten von Anfang an auch die Mennoniten, welche sich als Landbauern in den Dörfern des Danziger Werders angesiedelt hatten. Hier hatte der Danziger Rat auf seinen Besitzungen schon um 1547 verschiendentlich holländische Pächter eingesetzt, unter welchen auch Mennoniten waren. Diese schlossen sich der Danziger Gemeinde an, haben aber stets nur eine Minderheit in derselben ausgemacht. 1768 verlangten sie, weil sie der schlechten Wege halber manchesmal die Kirche in Stadtgebiet durchaus nicht erreichen konnten, es solle in ihrer Mitte von Zeit zu Zeit Gottesdienst gehalten werden, was sich leicht erfüllen ließ, weil zwei der Prediger in den Werderdörfern wohnten. Es ist dies der Anfang einer Trennung geworden. 1791 erhielt die Landgemeinde durch Vertrag eine gewisse Selbständigkeit und blieb mit der Stadtgemeinde eigentlich nur noch durch den gemeinsamen Ältesten verbunden. Als diese 1826 nun gegen den Willen der Landgemeinde sich einen besoldeten Ältesten anstellte, trennte sich die letztere von Danzig und schloß sich als Filialgemeinde an Fürstenwerder jenseits der Weichsel an. 1844 baute sie sich ein eigenes kleines Kirchlein in Neunhuben (s. d.) und trägt seitdem diesen Namen.

Die Danziger Mennonitengemeinde bediente sich im Gottesdienst und im Umgang untereinander der holländischen Sprache. Als aber nach 1750 der Verkehr mit Holland geringer wurde, verschwand diese Sprache mehr und mehr sie machte damals in Predigt und Unterricht dem Hochdeutschen, im Verkehr aber einem behaglichen Plattdeutsch Platz, welches noch immer mit manchen holländischen Wörtern vermischt war. Schon 1771 wurde in Danzig hin und wieder deutsch gepredigt und nach dem Tode Hans van Steens (s. d.), der noch ganz holländisch sprach und schrieb, verschwand das Holländische allmählich immer mehr.

Strenge Kirchenzucht galt in der Danziger Mennonitengemeinde als unerläßliche Grundlage der Gemeindeordnung. Es konnte aber nicht ausbleiben, daß diese Strenge mit der Zeit nachließ. Denn je mehr eine Gemeinde aus der Abgeschlossenheit und Verborgenheit in den großen Verkehr der Menschen hineintritt, desto schwerer wird es, jene treffliche Einfachheit der Sitten und der äußeren Erscheinung, die ein Kennzeichen unserer Vorfahren war, durch Zwang aufrecht zu erhalten. Immerhin lesen wir in der Gemeindechronik noch bis ins 19. Jahrhundert davon, daß der Kirchenvorstand gegen Kleidermoden, Luxus, Tanzen und Spielen ankämpfte. Verständlicher war sein Einschreiten gegen sittliche Verfehlungen aller Art aber hier artete die Strenge doch recht oft in liebloses Richten aus und die eigentliche Kirchenbuße wurde allmählich eine ziemlich äußerliche Sache.

Es ist sehr schwierig, über die Zahl der Mennoniten in Danzig Genaues zu sagen. Die Ältesten waren den Behörden gegenüber sehr zurückhaltend bei der Angabe der Namen und Zahlen ihrer Mitglieder, weil sie fürchteten, daß man ihre Anzahl zu groß erfinden möchte. Die Gemeinde selbst führte nur Buch über die Taufen, die Trauungen und Sterbefälle, doch liegen diese Listen nur seit 1668 vollständig vor. Natürlich kann man daraus und aus der Angabe der Abendmahlsgäste und der Teilnehmer an Gemeindeversammlungen Schlüsse ziehen. Es ergibt sich, daß die Gemeinde in der Zeit von 1690 bis 1750 am größten gewesen sein muß. Die Listen der mennonitischen Einwohner, die im städtischen Archiv gefunden wurden, sind unvollständig. Eine solche von 1681 zählt 180 Familien auf. 1709 starben in der flämischen Gemeinde an der Pest, welche damals furchtbar wütete, 160 Erwachsene und 230 Kinder. Trotzdem gab es in den nächsten 10 Jahren durchschnittlich 17 Geburten, 20 Täuflinge, 16 Eheschließungen. Und 1749 stellt Hans von Steen in seinen Aufzeichnungen eine Liste von 240 Haushaltungen zusammen, wobei die Landbewohner nicht mitgezählt sind. Die Zahlen der friesischen Gemeinde sind leider ganz unsicher. Bei der Vereinigung beider Gemeinden 1808 brachte sie 166 Seelen herzu, die flämische Gemeinde dagegen ungefähr 635 Seelen. Die Zahl war also während der Kriegszeit und nachher stark zurückgegangen, hauptsächlich durch Auswanderung nach Rußland, die bereits 1789 begonnen hatte, ferner durch die strenge Ablehnung gemischter Ehen und ebenso durch die Weigerung, Personen aus anderen Konfessionen aufzunehmen. Dieser Rückgang hielt auch an, obgleich die Gemeinde 1826 dazu überging, mit der alten Sitte der Liebespredigt zu brechen und einen besoldeten Prediger anstellte. 1852 war die Zahl der getauften Mitglieder auf 410 herabgesunken und erst nach 1867, nachdem die Gemeinde sich entschlossen hatte, aus der strengen Abgeschlossenheit herauszetreten und die Mitglieder, die außerhalb der Gemeinde heirateten, nicht mehr auszuschließen, nahm die Mitgliederzahl zuerst langsam, dann schneller zu. Es wurde jetzt auch niemandem mehr die Aufnahme in die Gemeinde verweigert, der sie ernstlich begehrte, was bei gemischten Ehen häufig vorkommt. 1882 hatte die Gemeinde 488 getaufte Mitglieder. Seitdem ist die Mitgliederzahl, namentlich auch durch starke Zuwanderung vom Lande, auf mehr als das Doppelte gestiegen, nämlich 1130 Getaufte und ungefähr 230 Kinder.

Unter den 20 Ältesten und 38 Lehrern, welche die flämische Gemeinde bis 1808 gehabt hat, befinden sich einige Männer von Bedeutung, wie Kryn Vermeulen (s. d.), der eine prächtige Bibelausgabe veranstaltete Georg Hansen (s. d.), der, obgleich ein einfacher Handwerksmeister, die Gemeinde sehr tüchtig gegen ihre Bedrücker vertrat, freilich sich auch gegen den Maler und Kupferstecher Enoch Seemann sehr engherzig bewies Hans von Steen (s. d.), ausgezeichnet durch Bildung und Tatkraft, in dessen handschriftlichem Nachlaß wichtige Quellen für die Geschichte der Danziger Mennonitengemeinde aufbewahrt sind. — Im 19. Jahrhundert hat Jacob Mannhardt (s. d.) in seiner langen Amtszeit von 1836-85 viel dazu beigetragen, die eigene Gemeinde durch die schweren Kämpfe um die Aufhebung der Wehrfreiheit glücklich hindurch zu führen und durch die Begründung der "Mennonitischen Blätter" (s. d.) die Verbindung der deutschen Mennonitengemeinden untereinander wieder anzuknüpfen. Hans Momber (s. d.), der zur Vereinigung der Gemeinden im Jahre 1808 ganz besonders beigetragen hat, war als Prediger und Liederdichter angesehen.

Die Danziger Mennonitengemeinde besitzt in Danzig außer ihrem Kirchengrundstück mit der Kirche, dem Predigerwohnhaus und dem 1902 neuerbauten Hospital noch zwei Wohnhäuser in unmittelbarer Nähe. Im neuen Hospitalgebäude befindet sich die Küsterwohnung und acht kleinere Wohnungen für je eine bis zwei ältere Personen, ferner der Gemeindesaal für den Unterricht und Versammlungen. Die Kosten der Gemeindeverwaltung werden durch die Zinsen des Kapitalbesitzes sowie durch freiwillige Steuern der Mitglieder aufgebracht.

Die jetzige Gemeindeordnung besteht seit 1886 die vollen Rechte einer juristischen Person erwarb die Gemeinde 1887 auf Grund des preuß. Mennonitengesetzes vom 12. Juni 1874. Der "Vereinigung der Mennonitengemeinden im Deutschen Reich" gehört die Danziger Gemeinde seit deren Bestehen im Jahre 1886 an und hatte an ihrer Gründung wesentlichen Anteil. Vgl. H. G. Mannhardt, Die Danziger Mennonitengemeinde, ihre Entstehung und ihre Geschichte von 1569-1919. Danzig, John & Rosenberg 1919.