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Alexanderwohl/Przechowka Mennonite church record books

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History of Przechowka congregation from Mennonite Encyclopedia

History of Alexanderwohl congregation from Mennonite Encyclopedia

For German article from Mennonitisches Lexikon see below.


Przechowka


Russian book


Earliest Kansas list, ca. 1880?


Kansas book (1892-1944) vol. 1


Kansas book (1892-1944) vol. 2


1874 Schnurbuch


Account of a visit to Przechowka by Dutch Mennonite Hendrik Berents Hulshoff in 1719; segment on Przechowka translated by Glenn H. Penner. Originally published as Hulshoff, H. Ch. “Bezoekreis van Hendrik Berents Hulshoff aan de Doopsgezinden Gemeenten der Oude Vlamingen in Pruisen en Polen in 1719,” Bijdragen en Mededeelingen van het Historisch Genootschap, 59 (1938), 32-82.


Przechowka article from Mennonitisches Lexikon, vol. 3, pp. 404-407, by Ernst Crous, written ca. 1950

Przechowka (sprich Pschechowka, deutsch: Wintersdorf) in Westpreußen (s. d.), ehemals Sitz einer altflaminger Gemeinde, der Muttergemeinde von Brenkenhofswalde (s. d.) im Netzebruch (s. d.) und von Alexanderwohl (s. d.) und Gnadenfeld (s. d.), führenden Gemeinden in der Molotschna (s. d.). Es liegt landeinwärts mit den Dörftern Deutsch Konopath ("auf dem Kunpfade"; bei Reiswitz verballhornt: Drusch runu gradt) und Diworczieska (Dworeczisko; deutsch: Wilhelmsmark) und den Fluß entlang mit den Dörfern Glugowka, Kossowo und Christkowo (deutsch: Christfelde) südwestlich Schwetz nebst Ostrow (deutsch: Ehrenthal) weichselaufwärts in der Klein-Schwetzer Niederung, südlich der friesischen Gemeinden Montau-Gruppe (s. d.) und Schönsee (s. d.). Przechowka und Diworczieska waren königliche, Deutsch Konopath, Kossowo und Christkowo adlige Dörfer. Glugowka teils königlich, teils adlig. Die Siedlungen sollen um 1540 entstanden sein; 1661 finden wir sie als Glied der 1628 gegründeten Groninger altflaminger Sozietät (s. Menn. Lex. II 185), die am zähesten am Alten festhielt. Im 18. Jh. begegnen uns vorgeschobene Siedlungen der Altflaminger nordwestlich in dem adligen Dorfe Jesiorka (deutsch: Kleinsee) halbwegs Tuchel und nordöstlich jenseits der Weichsel in Schönsee, Posterwolde und Horst.

Das Gut Przechowka hatten seinerzeit die Erben eines polnischen Adligen an fünf Mennoniten aus Holland verkauft, die andere Glaubensgenossen nachzogen, so daß die Dorfgemeinde schließlich 15 Besitzungen umfaßte. Der erste Pachtvertrag wurde 1642 der Dorfschaft von dem Danziger Kastellan und Schwetzer Starosten Johann Zawadski auf 50 Jahre (1640-1690) über zehn Hufen erteilt; "das Land war von sehr unterschiedlichem Werte; für fünf Hufen hatten die Nachbarn 300 Gulden, für die übrigen fünf Hufen 100 Gulden, insgesamt also 400 Gulden zu zahlen" (Wiebe, S. 29). 1653 hören wir von einer Vereinigung holländischer Landesbewohner in Sachen der Schulmeistererhaltung (früh hatten sie eine eigene Schule!), des Begräbnisses Andersgläubiger usw. und 1668 von einem "Manista Johannes", der seine Aussage seinem Glauben entsprechend durch Berührung seiner Brust bekräftigte (tacto pectore prout fides ipsorum exigit). Das Privileg König Johannes II. Kasimir (s. d.) vom 28. November 1650 dehnte die von ihm am 16. Juni desselben Jahres mit Rücksicht auf die Eingriffe des Edlen Wilbald Haxberg (Wigbald Axemberg) den Mennoniten in den Werdern gegebene Bestätigung ihrer Güter, Rechte und alten Gewohnheiten auch auf die Graudenzer und Schwetzer Starostei aus. Am 9. Februar 1672 bestätigte König Michael Wisniowiecki diese Urkunde ausdrücklich u. a. für Przechowka, Kossowo und Christkowo.

In Christkowo hatten holländische Mennoniten 1649 bis auf zwei adlige Höfe die ganze Ortschaft emphyteutisch (erblich) gepachtet. Auch die Lustration (Musterung) von 1664 erwähnt diese Siedler, die für ihre Nutzung 115 Gulden zahlten. Gräfin Dönhof gab 1722 den Holländern Jakob Pandt, Schulz Gerhard Giert und Martin Wilk, Ratsleuten von Kossowo, ferner Tobias Blumenberg, Schulz Michael Blumenberg und Andreas Bartz, Ratsleuten von Christkowo, als Vertretern der Übrigen die Orte ohne die Brauerei auf 40 Jahre in Emphyteuse aus: Gottespfennig 12 000 Gulden preuß.; Jahreszins 300 Gulden preuß. Freie Abfuhr des Getreides, freier Haustrunk zu Hochzeit und Kindstaufen (!); eigene Schulzenwahl, Zivilgerichtsbarkeit, Religionsfreiheit, Erlaubnis in beiden Dörfern Schulmeister zu halten. Bestimmungen über Handel und Verkehr runden diese "Willkür", wie sie meist den Siedlern gegeben wurde, ab. 1747, 1751 und 1762 wurde der Vertrag erneuert.

Anfang des 18. Jhs. haben die Ältesten Alle Derks (1670-1733; s. d.) von Groningen (s. d.) und Hendrik Berents Hulshoff (1664-1745; s. d.) von Zenderen bei Borne in der Provinz Overijssel (s. d.) die Glaubensgeschwister besucht (Derks 1723? vielmehr wohl vor 1719; Hulshoff 1719 und 1733); 1732 hatte in der Sozietät auf ihr Betreiben auch eine Kollekte für die notleidenden Brüder in Preußen und Polen stattgefunden. Beide verzeichneten die besuchten Familien. Sie zählen

in Przechowka39 (Derks)57 (Hulshoff)
" Deutsch-Konopath3252
" Posterwolde1014
" Schönsee913
" Horst321
" Jamerau1
94157

Kinder bleiben (insbesondere bei Derks) im allgemeinen unerwähnt. Bei Deutsch Konopath wird darauf hingewiesen, daß zwischen den Mennoniten Lutheraner wohnen. Unter den Namen überwiegen Ratzlaff und Unruh, Becker, Foth, Nachtigal und Wedel. Hulshoff, dessen Tagebuch aus dem Jahre 1719 noch vorliegt, bleibt damals vom 5. bis 17. Juli in Przechowka, vom 18. bis 29. auf der anderen Seite der Weichsel in Posterwolde und Schönsee. Einen Sonntag (9.), einen Mittwoch (19.) und einen Dienstag (25.) hat er gepredigt über Eph. 6, 11-13; Hebr. 1 und allgemein über die Frucht des Geistes. Einen Donnerstag (13.) war Wahl von zwei Dienern am Wort (Abraham Unruh in Przechowka und Jakob Isaaks in Posterwolde) und am darauffolgenden Sonntag (16.) ihre Befestigung. Einen Sonntag feierten sie Fußwaschung. Ein oder zwei Tage vor den Amtshandlungen blieb Hulshoff, von Beruf Spinner und Weber, "bei den Büchern". An solchen erbitten die polnischen Brüder von den holländischen Biestkensbibel (s. d.), alte Liederbücher (s. Liederdichtung), Märtyrerbücher (s. d.), Schriften von Menno Simons (s. d.) und Dirk Philips (s. d.). Mehrfach wird die Freude, die der Besuch auslöste, erwähnt und die Gefühlsseligkeit der Tränen. Bei der Landwirtschaft stand damals im Vordergrunde Roggenbau und Roggenernte. Noch 1738 und 1765 wird in den Niederlanden für die Brüder gesammelt.

Über Jeziorka lesen wir bei Maercker (S. 219/220): "Es gehörte 1727 der verwittweten Frau Hedwig von Steffens-Wybczynska, 1767 dem Anton von Wybczynski und 1773 ff. dem von Lukowitz.

Am 1. Mai 1727 hatte die verwittwete Frau Hedwig von Steffens-W. mit den Vormündern ihrer Kinder einigen Mennoniten 1 Hufe Wiesen und ein durch die Soldaten ruiniertes Ackerstück von 19 Morgen gegen einen Jahreszins von 1 Gld. 15 Gr. vom Wiesenmorgen und 1 Gld. vom Landmorgen auf 40 Jahre mit der Berechtigung der freien Religionsübung, vorbehaltlich der Pfarrabgaben nach Driczmin, überlassen.

Ferner verpachtete Anton von Wybczynski im Jahre 1767 Jeziorken mit 17 Hufen mehreren Mennoniten auf 40 Jahre gegen 1 733 Thlr. 30 Gr. Einkauf, einen Jahrescanon von 372 Thlr. 60 Gr. und die Verpflichtung von Jeziorken aus 51 Morg. Land in Simkau zu pflügen und dort jedem Pächter 2 Handdienste zu leisten.

Im Jahre 1773 bestand das adl. Bauerndorf Jeziorken aus 17 kulm. Hufen Bauernland und 32 Haushaltungen mit 162 meist lutherischen, sonst mennonitischen Bewohnern, darunter 19 gespannhaltenden bäuerlichen und 2 gespannhaltenden Gärtnerpächtern und 1 Handwerker. Das Land litt an stockender Nässe, seitdem General von Czapski 1765 die Obermühle angelegt hatte. Es gehörte zum Kreise Konitz, zum Amtsbezirk Schwetz und zum Driczminer Kirchspiel.

In einem Vergleich mit dem kathol. Pfarrer von Driczmin verpflichteten sich die Ortseingesessenen: Radaw (4), Lidke (2), Forth, Schmidt (4), Kuehn, Richter, Nachtigall (2), Janz (2), Unrau (2), Becker, Schneider, Grönke und Panzer jährlich 2 Schfl. Roggen und 2 Schfl. Hafer Decem und 9 Gr. Kalende, letztere von jedem Wirth, abzutragen, — ohne daß der Pfarrer, wie sonst gewöhnlich, die Kalende selbst in loco einzuheben sich bemühen durfte."

Es dürfte die Frau von Steffens gewesen sein, die einige Jahre nach der Ansetzung der Mennoniten wegen drohender Vertreibung — Mennoniten in Culm (s. d.) hatten lutherische und katholische Proselyten aus Litauen (s. d.) bei sich aufgenommen — vor der bischöflichen Kommission für sie eintrat, da sie redliche Leute seien, die niemand etwas zu leide täten. Seit 1743 hatten die Mennoniten in Jesiorka ein eigenes Bethaus wie die in Przechowka und auch die Altflaminger in Schönsee.

Gerade aus Jesiorka aber zogen bereits 1764 drei Abgesandte der Mennoniten, die durch ihre Tracht auffielen, ins Könighreich Preußen, um neue Siedlungsmöglichkeiten zu erkunden. Ihnen folgten dann über 30 Familien ins Netzebruch, von wo sie in den 30er Jahren des 19. Jhs. nach Gnadenfeld in der Molotschna weiterwanderten. Die Verbindung zwischen den Altflamingern von Brenkenhofswalde und von Przechowka blieb dabei bestehen.

Als Älteste der altflaminger Gemeinde in der Schwetzer Niederung werden uns genannt (das Kirchenbuch führte man seit etwa 1780; es befindet sich jetzt in Alexanderwohl (s. d.) Kansas): Benjamin Wedel, der bis 1785 holländisch predigte (seitdem war die Sprache freigestellt), Jakob Wedel (gest. 1794 oder früher), der 1787 in Anlehnung an ältere Glaubensbekenntnisse ein solches in 30 Artikeln aus der hl. Schrift entwarf, seit 1799 ein zweiter Benjamin Wedel und seit 1814 Peter Wedel (geb. 26 Mai 1792, gest. 8. Juli 1871). 1784 besuchten Benjamin Wedel I. und Jakob Wedel, damals noch ein Prediger, die Brüder weichselab mit der Bitte um Hilfe gegen drei Werbeoffiziere, die ihnen schlimm zusetzten. In Rosenort (s. d.) wird ihnen empfohlen, sich unmittelbar an den König, Friedrich den Großen (s. d.), zu wenden; der Älteste Gerhard Wiebe (s. d.) von Elbing entwarf ihnen ein entsprechendes Memorial. 1787 empfingen sie den Gegenbesuch von Wiebe und dem Heubudener Ältesten Cornelius Regier (s. d.).

In den Namenverzeichnissen der Prediger usw. *) von 1759 und 1805, von denen jenes überraschenderweise in Westpreußen nicht Flamen (s. Flaminger) und Friesen (s. Friesische Mennoniten), sondern "alte Fläminger" und "Wasserländer" (Waterlander) unterscheidet, finden wir folgende Einträge:

1759In der Culmischen (Nehrung) auf Kunpad (Deutsch Konopath) und Przechowky: alte Fläminger Benjamin Wedel, Ältester; Jacob Wedel 1747, Peter Ratzlaff, Hans Voet, Laurens Sparling, Abraham Unruh.
auf Jezorke: alte Fläminger Andries Voet 1754; Hans Buhler.
1805Im Culmischen: Benjamin Wedel 1785; Tobias Jantzen 1785.
Auf Przekowski und dem Hunpfade (Deutsch-Konopath) bei Schwetz: Benjamin Wedel 1791; Ältester 1799; Andreas Pankrat 1785; Heinrich Ratzlaff 1791, Hans Unrau 1799.
Auf Kleinsee (Jeziorka) bei Schwetz: Peter Ratzlaff 1795.

Von ihnen sind bei dem Besuch aus Holland Abraham Unrau und vorstehend die beiden Benjamin Wedel und Jakob Wedel bereits erwähnt. 1805 "im Culmischen" meint wohl die Altfläminger in Schönsee.

Mannhardt (S. 136/137) schildert die damalige Lage so: "1784 zeigte ein Vorfall, wie streng und verbrüchlich man in maßgebenden Kreisen an der um des Glaubens Willen durch das Gnadenprivilegium gewährten Wehrfreiheit der Mennoniten glaubte festhalten zu sollen. Drei junge Mennoniten, "ruchlos lebenden Menschen" aus der Groeninger Gemeinde zu Brenkenhofswalde bei Driesen in der Neumark hatten sich, den Glauben ihrer Väter verachtend, für das Regiment des Kronprinzen anwerben lassen. Der eine von ihnen war noch nicht getauft. Als er auf Befehl des Kronprinzen um seine Taufe nachsuchte, verweigerte ihm der Älteste Peter Jantzen dieselbe, weil es gegen die Grundsätze der mennonitischen Religion sei, einen Krieger in die Gemeinschaft aufzunehmen. Jene drei jungen Leute kamen als beurlaubte Soldaten nach der Groeninger Mennonitengemeinde zu Przekowski bei Schwetz und erregten dort viele Händel. Unter anderm steckten sie einem dortigen Mennoniten heimlich Geld in die Tasche, gaben vor, er habe Handgeld genommen und wollten ihn zum Mitgehen zwingen. Da er ihnen entwischte, ließen sie seinen Wirt ins Gefängniß werfen. Sobald der Kronprinz davon hörte, verbot er auf das ernstlichste ein so ungebührliches Vertragen gegen die Mennoniten. Bald darauf muß jenen drei Burschen das Gewissen wegen des Abfalls von ihrer Religion geschlagen haben; sie desertirten. Da sandte ihnen der Kronprinz Pardon nach Nischefski bei Thorn nach und gewährte ihnen den Abschied mit völliger Militärfreiheit."

Unter Führung von Peter Wedel und (seit 1813) Prediger Heinrich Buller wanderte 1819/20 und 1823/24 der größte Teil der vor einem halben Jahrhundert bei Schwetz Zurückgebliebenen nach der Molotschna aus, wo sie die Gemeinde Alexanderwohl gründeten.

Über das Ende an der Weichsel berichtet dann Stobbe (S. 15/16): "Das Bethaus hat in dem jetzigen Schulgarten gestanden. Als die Gemeinde Przechowko . . . 1832 eine eigene Schulstelle errichtete, wollte sie das Bethaus der Mennoniten erwerben und zur Schule umbauen. Die wenigen dort noch ansässigen Mennoniten aber sträubten sich dagegen und verkauften es auf Abbruch. Wo das Bethaus geblieben ist, kann nicht ermittelt werden, da auch die Schulzenakten bei einem Brande 1857 durch Feuer vernichtet worden sind. — Frau Besitzer Maria Kuchenbecker aus Glugowko, eine geborene Mennonitin, schreibt aber, daß die Mennoniten dort in den Dörfern Glugowko, Dworzziski (jetzt Wilhelmsmark), Przechowka, also jetzt Wintersdorf und Groß-Deutsch-Konopath gewohnt haben. Ihre Großeltern mütterlichseits sind mit vielen anderen in den Jahren 1823 und 1824 aus der Neumark bei Driesen in diese Dörfer eingewandert, also jedenfalls auf die Stätten, die in den Jahren 1818 bis 1820 von den Mennoniten verlassen worden, sind dann aber alle in den dreißiger Jahren ebenfalls nach dem Schwarzen Meer verzogen, auch welche bei Plock in Polen. Dann sind weiter keine geblieben als ihre Großeltern mit Namen Schmidt. Der letzte Älteste hat Richart geheißen und hat in Groß-Deutsch-Konopath gewohnt. In diese Familie Schmidt heiratete sich der Besitzersohn Peter Franz aus Groß-Lubin hinein. Aus dieser Ehe stammt Frau Maria Kuchenbecker; die anderen Geschwister sind mit der Mutter nach dem Tode des Vaters nach Amerika verzogen; getauft und mit dem heiligen Abendmahl bedient sind sie alle in Montau (s. d.). So hat sich diese Gemeinde, die am Ende des 18. Jahrhunderts gegen 300 Seelen zählte, vollständig aufgelöst." Die kleine altflaminger Gruppe in und bei Schönsee aber vereinigte sich am 12. Oktober 1849 mit der friesischen dort.

Nach der Übernahme des ganzen Gebietes durch das Königreich Preußen (1772) ergaben Statistiken aus den Jahren 1776 und 1789 folgendes Bild:

1776 Familien1789 EinzelneM.F.S.T.D. m.D. w.
Przechowka17811716251751
Deutsch-Konopath1689161632214
Diworzcieska4112
Glugowko52855117
382023938704555
Jesiorka19981918302641
5730058561007196

(M. = Männer. F. = Frauen. S. = Söhne. T. = Töchter. D. m. = Dienstboten, männliche. D. w. = Dienstboten, weibliche

Lit.: Peter Martin Friesen, Die Alt-Evangelische Mennonitische Brüderschaft in Rußland, Halbstadt, Taurien, 1911 S. 90; H. Ch. Hulshoff, Bezoekreis van Hendrik Berents Hulshoff aan de Doopsgezinde gemeenten der Oude Vlamingen in Pruisen en Polen in 1719 in: Bijdragen en Mededeelingen van het Historisch Genootschap 59. 1938 S. 32-82; Hans Maercker, Eine polnische Starostei und ein preuß. Landratskreis. Gesch. des Schwetzer Kreises 1466-1873 in: Wegner, Gesch. des Schwetzer Kreises, Band II = Zeitschrift des Westpreuß. Gesch.vereins 17-19, Danzig 1886. 1886. 1888; Wilhelm Mannhardt, Die Wehrfreiheit der Altpreuß. Mennoniten, Marienburg 1863; (August Gottlieb) M(eissner), Leben Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhof, Leipzig 1782; Jozef Paczkowski, Opis królewsczyzn w województwach Cheminskim, Pomorskim i Malborskim w roku 1664 (Societas Literaria Toruniensis, Fontes 32), Torun 1938 S. 237 und 246; Horst Penner, Die Westpreuß. Mennoniten im Wandel der Zeiten in: Menn. Gesch.bl. 7. 1950 S. 17-31; Georg Leopold Freiherr von Reiswitz und Friedrich Wadzeck, Beiträge zur Kenntniß der Mennoniten-Gemeinden in Europa und America, Berlin 1821; Leonhard Stobbe, Montau-Gruppe, Montau u. Gruppe 1918; Felicia Szper, Nederlandsche nedersettingen in West-Pruisen gedurende den poolschen tijd (Academisch proefschirft Amsterdam), Enkhuizen 1913; Benjamin Heinrich Unruh, Die Mennoniten in der Neumark in: Gem.-Kal. 50. 1941 S. 58-76; Herbert Wiebe, Das Siedlungswerk niederländischer Mennoniten im Weichseltal zwischen Fordon und Weißenberg bis zum Ausgang des 18. Jhs., Diss. 1942 = Johann Gottfried Herder-Institut, Marburg/L.: Wissenschaftliche Beiträge zur Gesch. u. Landeskunde Ost-Mitteleuropas 3, Marburg a. d. Lahn 1952. — Menn. Bl. 65. 1918 S. 93; 66. 1919 S. 5. 10. 36. 37. 55. 80.

*) Der Artikel Namenverzeichnisse (s. d.) übersieht, daß solche Namensverzeichnisse in Holland bereits seit 1731 ausgegeben wurden, seit 1743 auch mit nichtholländischen Anschriften, seit 1766 auch mit süddeutschen. Das Verzeichnis von 1759 ist auch abgedruckt in: Nova Acta Historico — ecclesiastica II, Weimar 1760. Auszüge der Verzeichnisse von 1759, 1766, 1787 und (von den deutschen Ausgaben) 1805 bringen die Menn. Gesch.bl. 1, 3 u. 8. Siehe daselbst und in Catalogus der werken over de Doopsgezinden en hunne geschiedenis aanwezig in de Bibliothek der Vereenigde Doopsgezinde Gemeente te Amsterdam, Amsterdam 1919 S. 4. 5. (die Amsterdamer Bibliothek enthält die holländischen Ausgaben fast lückenlos).


Alexanderwohl articles from Mennonitisches Lexikon, vol. 1, pp. 24-25, by Christian Hege and Heinrich Banman, written ca. 1913

Alexanderwohl, Dorf in der Mitte der Molotschnaer Mennoniten-Ansiedlung, Wolost Halbstadt, Gouv. Taurien in Südrußland, am linken Ufer des Flüßchens Bohemtschekrack, 90 Werst nordwestlich von Berdjansk, wurde 1821 von 21 Mennoniten-Familien aus dem Kreise Schwetz (Westpreußen), denen 1823 weitere Familien folgten, gegründet. Das Dorf umfaßt 2300 Dess. Land und zählte (1913) 630 Einwohner, die vorwiegend Landwirtschaft treiben. Der Boden auf den Anhöhen liefert gute Weizenernten. Ihren Wohlstand verdanken die Bewohner, die anfangs unter Mißwachs zu leiden hatten, ihrem Glaubensgenossen Johann Kornies (s. d.), der das Vierfeldersystem sowie die Vieh- und Schafzucht einführte. Das Dorf führt seinen Namen auf eine Begegnung der einwandernden Mennoniten mit Kaiser Alexander I. bei Warschau am 13. September 1823 zurück. Der Monarch erkundigte sich nach ihrer Herkunft und ihrem Reiseziel; als ihm mitgeteilt wurde, daß sie nach der Molotschna zu ihren dort schon ansässigen Brüdern zögen, verabschiedete er sich mit den Worten: "Ich wünsche Euch Glück zu Euerer Reise, grüßet Euere Brüder; ich bin dagewesen". Der Oberrichter Fadejéw nannte, als er von diesem Gruß hörte, die Kolonie Alexanderwohl, wobei er bemerkte: "Der Kaiser hat Euch Wohl gewünscht" (Neuer Haus- und Landwirtschafts-Kalender für deutsche Ansiedler im südlichen Rußland auf das Jahr 1911, 43. Jahrgang (Odessa), S. 106). Der gleichnamigen Mennonitengemeinde (s. d.), die hier seit 1865 eine Kirche besitzt, gehören 32 Familien an, während 21 Familien zur Mennoniten-Brüdergemeinde zählen. Die Umgangssprache ist deutsch. Seit 1912 besteht in Alexanderwohl eine zweiklassige Schule. H.

Alexanderwohl, altkirchliche Mennoniten-Gemeinde in der Molotschna-Kolonie in Rußland, gegründet 1821 von Mennoniten aus Westpreußen (besonders aus dem Kreise Schwetz), die 1872 aus dem Gouv. Wolhynien (russ. Polen) Zuzug erhielten. Der erste Prediger der Gemeinde war Peter Wedel (geb. 26. Mai 1792, gest. 8. Juli 1871). Seit 1860 besitzt der Gemeinde eine Kirche im Dorf Alexanderwohl (s. d.), bis dahin wurden die Gottesdienste im Schulhause abgehalten. Infolge der Einführung der Wehrpflicht in Rußland wanderten in den Jahren 1874 und 1875 viele Familien nach Amerika aus, wo sie in Kansas die Gemeinde Alexanderwohl (s. d.) gründeten; dort befinden sich auch die alten Kirchenbücher der russischen Mennoniten-Gemeinde Alexanderwohl, während diese selbst nur noch das seit 1878 geführte Kirchenbuch besitzt. Die Gemeinde zählte (1913) 180 getaufte Mitglieder und 320 Kinder; seit 1911 steht sie unter der Leitung des Aeltesten der Mennoniten-Gemeinde Margenau, Gerhard Plett in Hirschau. H.

Alexanderwohl, Mennoniten-Gemeinde in Kansas, die größte unter den an die Allgemeine Konferenz der Mennoniten von Nord-Amerika (s. d.) angeschlossenen Gemeinden. Die Väter der Einwanderer wohnten ursprünglich in der heutigen Provinz Westpreußen, wo sie nach dem noch erhaltenen im Jahre 1661 angelegten Kirchenbuch der "Flamminger oder Gröningerschen Mennoniten-Societät in Preußen" angehörten. 1821 siedelten sich die Vorfahren der heutigen Gemeindeglieder in dem Dorfe Alexanderwohl (s. d.) in der Molotschna-Kolonie (Südrußland) an. Nach Aufhebung der Wehrfreiheit der Mennoniten in Rußland wanderten im Jahre 1874 viele Glieder unter der Führung ihres Aeltesten Jakob Buller — insgesamt 800 Seelen — aus. Sie fuhren auf zwei Schiffen nach Amerika und ließen sich in Kansas nieder; die Insassen des ersten Schiffes (303 Erwachsene und 172 Kinder) siedelten sich mit dem Aeltesten Jakob Buller in Marion und Mc. Pherson an und gründeten die "Neu-Alexanderwohler Mennoniten-Gemeinde", die heute den Namen Alexanderwohl führt. Die Auswanderer im zweiten Schiff siedelten sich etwa 20 Meilen westlich in Mc. Pherson und Harvey Co. an und organisierten die "Hoffnungsau-Gemeinde" (s. d.). Die Zunahme der Glieder und die weite Entfernung machte 1908 die Gründung einer dritten Gemeinde, der Tabor-Gemeinde (s. d.) nötig.

Die Gemeinde Alexanderwohl versammelte sich anfangs in einem Emigrantenhaus, besitzt aber seit 1886 eine geräumige Kirche, in der allsonntäglich Gottesdienste in deutscher Sprache abgehalten werden; außerdem werden noch auswärts an fünf verschiedenen Orten regelmäßig Versammlungen veranstaltet. In der Gemeinde bestehen vier Sonntagsschulen, die von etwa 1000 Schülern (Kinder und Erwachsene) besucht werden. Außerdem ist noch ein Jugendverein tätig; von Frauen und Jungfrauen wurde ein Missionsnähverein ins Leben gerufen. Seit 1898 besteht ein Hospital, an dem (1912) acht Diakonissen und Krankenpflegerinnen arbeiteten. Im Jahre 1907 wurde eine Gemeindediakonisse angestellt. Das Gemeindevermögen beträgt (1912) etwa 15 000 Dollars. In besonderen Fällen wird die Gemeindekasse auch zur Aushilfe sozialer Fürsorge herangezogen. Für die erwachsene Jugend ist eine Gemeindeschule eingerichtet, vorzugsweise für Religion und deutsche Sprache, doch werden auch andere Fächer gelehrt. Die Gemeinde zählte (1912) 865 Mitglieder; einschließlich der Kinder dürfte die Seelenzahl nahezu 2000 betragen. Die Bibliothek umfaßte (1912) etwa 270 Bände. Mit der Abendmahlsfeier ist die Fußwaschung verbunden. Gemeindezucht wird geübt. Die Prediger sind nicht besoldet. Aeltester der Gemeinde ist seit 1910 Heinrich Banman (geb. 7. April 1843 im Gouv. Taurien). H. B.